Politik

Bestürzte Mitarbeiter Kapitol-Angriff soll Trump begeistert haben

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Anhänger des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump versammelten sich zunächst vor, später im Kapitol, dem Sitz des US-Kongresses

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Die Bilder aus dem Kapitol sorgen weltweit für Entsetzen, als randalierende Fans des US-Präsidenten Donald Trump die Bestätigung von dessen Wahlniederlage stören wollen. Trump selbst sollen die Bilder des Chaos allerdings begeistert haben, heißt es aus dem Weißen Haus.

Vier Menschen sterben im Laufe der Stürmung des Kapitols, ein randalierender Mob aus Anhängern des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump produziert Chaos und furchtbare Bilder. Politiker müssen aus dem 1793 erbauten Parlamentsgebäude gerettet werden, Schüsse fallen. Die Bilder sorgen weltweit für Entsetzen. Und Begeisterung, wenigstens bei Trump. So berichten es Quellen aus dem Weißen Haus.

Mitarbeiter des Weißen Hauses seien sichtlich erschüttert von Trumps Reaktion auf die Vorgänge gewesen, berichtet die Korrespondentin des Senders CNN. Der Präsident sei "enthusiastisch" gewesen ob der Proteste und wollte sie nicht verurteilen. Trump habe erst zugestimmt, ein kurzes Video aufzunehmen, nachdem mehrere Mitarbeiter und republikanische Kongressmitglieder ihn dazu gedrängt hatten.

In dem Clip hatte Trump seine entfesselten Anhänger nach der Erstürmung des Kapitols in Washington zwar dazu aufgerufen, "nach Hause" zu gehen. Allerdings wiederholte er zugleich seine Behauptungen zu vermeintlichem Wahlbetrug und versicherte seinen Anhängern: "Wir lieben euch, ihr seid etwas ganz Besonderes." Ausschreitungen während der Proteste nach der Tötung des Schwarzen George Floyd durch weiße Polizisten im vergangenen Jahr hatte Trump als "inländischen Terrorismus" gegeißelt.

Mehrere leitende Angestellte habe das Verhalten des Präsidenten fassungslos gemacht. Die "New York Times"-Korrespondentin Maggie Haberman twitterte, dass "viele Mitarbeiter glauben, Trump sei erfreut über das, was er im Fernsehen aus dem Kapitol sah, da er wiederholt Aufforderungen ablehnte, die Gewalt klar zu verurteilen".

"Erinnert euch für immer an diesen Tag"

Später hatte Trump die Szenen auf Twitter wohlwollend kommentiert: So etwas würde eben passieren, wenn ein "heiliger Erdrutsch-Sieg von Patrioten" weggenommen wird. Sie seien "viel zu lange schlecht und unfair behandelt" worden, so Trump. "Geht nach Hause mit Liebe und in Frieden. Erinnert euch für immer an diesen Tag", sagte Trump mehrere Stunden nachdem die Türen des Kapitols aufgebrochen, sein eigener Vizepräsident evakuiert und mehrere Polizisten durch den Mob verletzt worden waren.

Twitter hat den Beitrag inzwischen gelöscht und den Präsidenten von der Plattform verbannt. Auch Facebook ging angesichts der Randale in Washington gegen Trump vor. Der abgewählte Präsident konnte dort für zunächst 24 Stunden nichts mehr veröffentlichen, wie das Unternehmen mitteilte. Trump verstärke mit seinen jüngsten Botschaften das "Risiko der andauernden Gewalt, anstatt es zu verringern", erklärte der Konzern.

Trump hatte in einer Rede vor dem Beginn der Zusammenkunft des Kongresses in unmittelbarer Nähe seine Anhänger aufgefordert, zum Kapitol zu marschieren. "Wir werden nicht aufgeben. Wir nehmen es nicht mehr hin. Wir werden den Diebstahl beenden", teilt Trump seinen Fans mit - und forderte sie auf, der Pennsylvania Avenue in Richtung Kapitol zu folgen und den "schwachen Republikanern" zu helfen, das Land "zurückzuholen". Trump selbst hatte auf den Marsch zum Kapitol verzichtet und war vor Beginn der Ausschreitungen in einem gepanzerten SUV zum Weißen Haus zurückgekehrt. Am Sitz der Parlamentskammern eskalierte die Situation schnell.

Wie Journalisten der "Washington Post" und von NBC News berichten, sollen Haus-Sprecherin Nancy Pelosi und Washingtons Bürgermeisterin Muriel Bowser darum gebeten haben, die Nationalgarde einzusetzen, um den Bereich um das Kapitol zu räumen. Trump, der im Rahmen der "Black Lives Matter"-Proteste immer wieder mit der Entsendung der Nationalgarde gedroht hatte, habe sich zunächst geweigert, dies auch auf dem Capitol Hill zu tun, als der Mob das Gebäude stürmte, berichtet CNN unter Berufung auf einen Mitarbeiter aus dem Weißen Haus.

"Es ist Aufruhr"

Der stellvertretende Nationale Sicherheitsberater Matthew Pottinger ist inzwischen als Reaktion auf die Vorgänge zurückgetreten. Es gebe "nichts zu überlegen", habe Pottinger seinen Mitarbeitern gesagt. Weitere Rücktritte von hochrangigen Personen aus Trumps Umfeld werden erwartet. So soll sich laut CNN auch der Nationale Sicherheitsberater Robert O`Brien mit Rücktrittgsgedanken tragen.

"Ich habe gerade mit Vizepräsident Pence gesprochen. Er ist ein wirklich feiner und anständiger Mann. Er zeigte heute Mut, wie er es am 11.9. im Kapitol als Kongressabgeordneter tat. Ich bin stolz darauf, mit ihm zu dienen", sagte O'Brien. Trump hatte seinen Vizepräsidenten vor der Kongresssitzung aufgefordert, in seiner Rolle als Präsident des Senats das Wahlergebnis nicht zu verifizieren. Pence lehnte dies ab, was Trump arg erzürnte: "Mike Pence hatte nicht den Mut, zu tun, was er tun sollte, um unser Land und unsere Verfassung zu schützen" twitterte Trump daraufhin in einer seiner Tiraden. "Die USA verlangen die Wahrheit!"

Der künftige US-Präsident Joe Biden sprach von einem Angriff auf die Demokratie. "Das Kapitol zu stürmen, Fenster einzuschlagen, Büros zu besetzen, den Senat der Vereinigten Staaten zu besetzen, durch die Schreibtische des Repräsentantenhauses im Kapitol zu wühlen und die Sicherheit ordnungsgemäß gewählter Beamter zu bedrohen, ist kein Protest", sagte der Demokrat. "Es ist Aufruhr."

Nach der Erstürmung des Kapitols musste der Kongress seine Beratungen mehrere Stunden lang unterbrechen, bevor der deutliche Wahlsieg Joe Bidens schließlich offiziell bestätigt worden war.

Quelle: ntv.de, ter