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Täter "auf Krieg" vorbereitet Kapitol-Polizei gibt Geheimdiensten Mitschuld

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Der Ex-Chef der Polizei des US-Kapitols, Steven Sund, bei der Senats-Anhörung.

(Foto: picture alliance/dpa/AP Pool)

Am 6. Januar stürmen Trump-Anhänger das Kapitol in Washington. Der US-Senat untersucht inzwischen, wie es dazu kommen konnte. Nun sagen hochrangige Sicherheitsbeamte aus und zeigen mit dem Finger auf die Geheimdienste.

Der Ex-Chef der Polizei des US-Kapitols, Steven Sund, hat mangelnde Geheimdienstinformationen mitverantwortlich gemacht für das Sicherheitsdesaster beim Angriff auf den Kongresssitz Anfang Januar. Sund sagte bei einer Anhörung im US-Senat, die Geheimdienstinformationen hätten in keiner Weise die Geschehnisse am 6. Januar vorausgesagt. Sein Team habe sich vorbereitet auf eine Großdemonstration mit Gewaltpotenzial. Stattdessen habe man es mit einer "militärisch koordinierten Attacke" und "gewaltsamen Übernahme des Kapitol-Gebäudes" zu tun gehabt. Sund betonte, die Polizei sei auf Informationen aus dem Geheimdienstapparat angewiesen. "Wir verlassen uns darauf, dass diese Informationen absolut korrekt sind."

"Keine Behörde einschließlich des FBI hat nachrichtendienstliche Informationen vorgelegt, wonach es einen koordinierten gewaltsamen Angriff auf das US-Kapitol durch tausende gut ausgerüstete, bewaffnete Aufständische geben würde", sagte Sund. Gegenüber den radikalen Anhängern des damaligen Präsidenten Donald Trump seien seine Beamten "zahlenmäßig deutlich unterlegen" gewesen.

"Sie hatten Waffen, chemische Munition, Sprengkörper, Schilde, Schutzwesten", führte der nach dem Angriff auf das Parlamentsgebäude zurückgetretene Sund aus. "Diese Kriminellen waren vorbereitet auf einen Krieg."

"Koordinierter Angriff"

Auch andere hochrangige Sicherheitsbeamte aus dem Kongress beklagten bei der Anhörung im Senat Versäumnisse der Geheimdienstbehörden. Der frühere oberste Sicherheitsbeamte des Repräsentantenhauses, Paul Irving, sagte, vorausgesagt gewesen sei, dass die Ereignisse vorherigen Aufmärschen von Anhängern des damaligen US-Präsidenten Donald Trump ähneln würden. Darauf habe er sich verlassen. Irving sagte, zwar hätten die Nachrichtendienste auf ein "Risiko von Gewalt" hingewiesen, die sich auch gegen den Kongress richten könnte; die Möglichkeit eines "koordinierten Angriffs" sei aber nie erwähnt worden.

"Auf Grundlage der nachrichtendienstlichen Erkenntnisse, über die wir verfügten, dachte ich fälschlicherweise, dass wir vorbereitet seien", sagte Irving. "Jetzt wissen wir, dass wir einen falschen Plan hatten."

Die Sicherheitsvertreter beklagten auch ein zu langsames Eingreifen der Nationalgarde, die erst nach Stunden eingetroffen war. Washingtons Polizeichef Robert Contee sagte, er sei "fassungslos" gewesen angesichts des "Widerstrebens" des Verteidigungsministeriums, Nationalgardisten zu schicken. Seine Polizisten hätten "um ihr Leben gekämpft".

Sund sagte aus, als er die Nationalgarde angefordert habe, habe ihm ein ranghoher Militärvertreter gesagt: "Mir gefällt nicht das Bild von vor dem Kapitol aufgereihten Nationalgardisten."

Chaos im Kapitol

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Anhänger des abgewählten und inzwischen aus dem Amt geschiedenen Präsidenten Trump hatten Anfang Januar während einer Sitzung des Kongresses das Kapitol gestürmt und dort Chaos und Verwüstung angerichtet. Die Sicherheitskräfte des Parlaments waren dem Ansturm nicht gewachsen. Mindestens fünf Menschen kamen bei den Krawallen ums Leben, darunter ein Polizist.

Sund, Irving sowie der damalige oberste Sicherheitsbeamte des Senats, Michael Stenger, waren nach der Attacke von ihren Posten zurückgetreten - angesichts heftiger Kritik daran, dass der Parlamentssitz der USA derart überrannt werden konnte. Die Polizei der US-Hauptstadt Washington war den Sicherheitskräften des Kongresses an jenem Tag zu Hilfe geeilt.

Quelle: ntv.de, cls/dpa