"In den Blick nehmen"Karin Prien sieht Gefahr in "abgehängten" jungen Männern

Keine guten Leistungen in der Schule, ein schlecht bezahlter Job - und dann noch extremistische Inhalte in sozialen Netzwerken. Bildungsministerin Karin Prien warnt vor einem gefährlichen Mix, der vor allem junge Männer betreffen kann. Sie fordert, sich stärker um deren Bedürfnisse zu kümmern.
Bundesbildungsministerin Karin Prien sieht die Gefahr einer Generation junger Männer, die sich abgehängt fühlt. "Was uns nicht passieren darf, ist, dass wir zunehmend eine Männergeneration bekommen, die sich als Verlierer empfindet und dadurch anfällig für autoritäre Weltbilder und extremistische Inhalte ist", sagte die CDU-Politikerin der "Rheinischen Post". "Als Politik müssen wir jungen Männern zeigen, dass auch ihre Bedürfnisse wahrgenommen werden."
In den USA, in Großbritannien oder in Schweden zeichne sich schon ab, dass junge Männer ins Hintertreffen geraten. "In Großbritannien gibt es quasi keine Lohnlücke mehr zwischen Männern und Frauen. Nicht, weil die Gleichstellungspolitik wirkt, sondern weil die Jungen die Schule häufiger nicht schaffen und in der Folge seltener gut bezahlte Berufe finden", sagte Prien.
"Bei Jungs gibt es außerdem eine höhere Selbstmordrate, sie werden häufiger krank, eher kriminell und neigen mehr zur Gewalttätigkeit. Eine moderne Gleichstellungspolitik darf deshalb nicht nur Frauen, sondern muss auch Männer in den Blick nehmen", stellte die Ministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend heraus.
Für heranwachsende Männer spiele auch das Internet eine große Rolle. "Im Netz sind Extremisten unterwegs, die genau wissen, mit welchen emotionalen und zunächst harmlos wirkenden Botschaften sie Jungs ansprechen können: mit Körperlichkeit etwa, mit Sport und Proteinen", sagte Prien.