Politik

Der Kriegstag im Überblick Kirill sieht Putin als Gottgesandten - Ukraine ruft Kremltruppen zur Meuterei auf

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Tschetschenische Soldaten paradieren in Grozny zu Ehren von Putins 70. Geburtstag.

(Foto: picture alliance/dpa/TASS)

Kremlchef Putin bekommt pompöse Geburtstagsgrüße von seinen Vasallen, US-Präsident Biden bemüht die Bibel, um einen russischen Atomschlag zu verdammen. Ein Ex-US-General sieht die Krim im Sommer 2023 befreit und Kiew ermuntert russische Soldaten zum Überlaufen. Der 226. Kriegstag im Überblick.

Armageddon: Biden greift zur Bibel

Angesichts der russischen Drohungen mit einem möglichen Einsatz von Atomwaffen im Ukraine-Konflikt warnte US-Präsident Joe Biden vor der Gefahr eines "Armageddon". Das Risiko einer nuklearen Katastrophe sei so hoch wie zuletzt zu Zeiten von Präsident John F. Kennedy und der Kubakrise 1962, sagte Biden in New York. Der russische Präsident Wladimir Putin mache "keine Witze", wenn er mit dem Einsatz von taktischen Atomwaffen, biologischen oder chemischen Waffen drohe, "weil seine Armee, möchte man sagen, ziemlich leistungsschwach ist", so Biden. Das vom US-Präsidenten in diesem Zusammenhang verwendete Wort "Armageddon" ist eine biblische Bezeichnung für den letzten entscheidenden Kampf am Ende der Welt.

Putin drohte seit Beginn des Ukraine-Krieges mehrfach indirekt mit dem Einsatz von Atomwaffen. Fachleuten zufolge würde es sich dabei höchstwahrscheinlich um Angriffe mit taktischen Atomwaffen handeln. Deren Sprengkraft ist kleiner als die von strategischen Atomwaffen. Biden warnte jedoch, ein taktischer Atomangriff berge dennoch das Risiko eines Flächenbrandes.

Kirill und Kadyrow gratulieren

Der Kremlchef nahm im Laufe des Tages zahlreiche Glückwünsche zu seinem 70. Geburtstag entgegen. Der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill, Tschetschenenführer Ramsan Kadyrow sowie Vertreter der von Moskau für annektiert erklärten ukrainischen Regionen übermittelten ihre Grußbotschaften. "Gott hat Sie an die Macht gebracht, damit Sie eine Mission von besonderer Bedeutung und großer Verantwortung für das Schicksal des Landes und seines Volkes erfüllen können ", verkündete Kirill. "Putin hat die Position Russlands in der Welt verändert und daraus eine Nation gemacht, mit der man rechnen muss", erklärte Kadyrow.

Kiew ruft zur Kriegsverweigerung auf

Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow rief unterdessen die in seinem Land kämpfenden russischen Soldaten zur Aufgabe auf und sicherte ihnen im Gegenzug Schutz zu. Die Ukraine garantiere "Leben, Sicherheit und Gerechtigkeit für alle, die sofort den Kampf verweigern", sagte Resnikow in einem Video in russischer Sprache. "Ihr könnt immer noch Russland vor einer Tragödie und die russische Armee vor Demütigung bewahren."

Zuletzt hatten die ukrainischen Streitkräfte von Russland beträchtliche Gebiete zurückerobern können. "Seit dem 1. Oktober wurden allein in der Region Cherson mehr als 500 Quadratkilometer Land und Dutzende Ortschaften befreit", sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.

Früherer US-General sieht ukrainischen Siegeszug bis Jahresende

Der pensionierte US-General Ben Hodges glaubt, dass die Ukraine die von Russland annektierte Krim im kommenden Jahr zurückerobern wird. "Ich prognostiziere, dass die Ukrainer die Russen bis zum Ende des Jahres zurück zur Linie des 23. Februar drängen", sagte er dem britischen Fernsehsender Channel 4: "Sie werden die Krim bis Mitte des nächsten Jahres befreien." Hodges, der zwischen 2014 und 2017 Oberkommandierender der US-Landstreitkräfte in Europa war, begründete seine Prognose mit russischen Schwächen: "Das russische Logistiksystem wird jede Woche schwächer. Die Ukrainer werden jede Woche besser."

Nach dem Verlust mehrerer Tausend Quadratkilometer an verschiedenen Fronten in den vergangenen Wochen meldeten die pro-russischen Separatisten die Eroberung von drei Dörfern im Osten der Ukraine. Otradiwka, Wessela Dolyna und Saitsewe liegen südlich der von den ukrainischen Streitkräften kontrollierten Stadt Bachmut, welche die russische Armee seit Monaten erfolglos einzunehmen versucht.

Russische und belarussische Migrantenschleusungen vermutet

Nach Angaben des litauischen Grenzschutzes halfen belarussische Sicherheitskräfte einer Gruppe von Migranten dabei, illegal die Grenze zum benachbarten EU-Land Litauen zu überschreiten. Dazu sollen mehrere bewaffnete Beamte die Menschen an den von Litauen im Gefolge der Migrationskrise im Spätsommer 2021 neu gebauten Grenzzaun begleitet und die Barriere beschädigt haben, wie der Grenzschutz auf Facebook mitteilte. Ein von der Behörde in Vilnius veröffentlichtes Video soll den Vorfall belegen. Die Aufnahmen seien an der litauisch-belarussischen Grenze gemacht worden. Dort durchschnitten belarussische Beamte demnach den Stacheldraht und brachen ein Tor im Zaun auf, durch das die Migranten auf litauisches Territorium gelangen konnten.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann begründete die verstärkte Schleierfahndung nach illegal einreisenden Migranten an den Grenzen zu Österreich und Tschechien auch mit einer Gefahr aus Russland. Es stelle sich auch die Frage, inwieweit von russischer, weißrussischer Seite Leute eingeschleust werden - "vielleicht mit völlig anderem Hintergrund", sagte Herrmann im Deutschlandfunk. "Auch da brauchen wir strikte Kontrollen. Wir müssen wissen, wer in unser Land kommt und die Identität dieser Leute klären."

Kritik an Abwehrschirm: Polen tadelt deutschen Alleingang

Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki wandte sich in der Energiekrise mit einer direkten Botschaft an Deutschland. "Meine Botschaft an Deutschland ist: Seid gemeinschaftlich, solidarisch mit allen anderen", sagte der Pole am Rande eines EU-Gipfels in Prag. In schwierigen Zeiten müssten sich alle auf einen gemeinsamen Nenner einigen und nicht auf den Nenner, der nur für ein Land passend sei. Hintergrund ist das Paket aus bis zu 200 Milliarden Euro bis 2024, mit dem Deutschland die hohen Energiepreise abfedern will. Scholz hatte die geplanten Maßnahmen als "Doppelwumms" bezeichnet. Mehrere EU-Staats- und Regierungschefs kritisierten das Paket jedoch.

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Quelle: ntv.de, mau/AFP

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