Politik
Vitali Klitschko unterstützte im Wahlkampf den Präsidentschaftskandidaten Petro Poroschenko.
Vitali Klitschko unterstützte im Wahlkampf den Präsidentschaftskandidaten Petro Poroschenko.(Foto: imago/ITAR-TASS)
Sonntag, 25. Mai 2014

Im dritten Anlauf: Klitschko wird Bürgermeister von Kiew

Auf den Präsidentenposten verzichtet Ex-Boxer Klitschko zugunsten von Wahlsieger Poroschenko, doch der Umbruch in der Ukraine soll nun auch seine politische Karriere fördern: Klitschko erringt bei der Bürgermeisterwahl in Kiew die absolute Mehrheit.

Der ukrainische Ex-Boxprofi Vitali Klitschko hat laut Prognose die Bürgermeisterwahl in Kiew gewonnen. Der Sportstar habe 57,4 Prozent der Stimmen erhalten, ergab eine Nachwahlbefragung im Auftrag des Staatsfernsehens.

Der 42-Jährige hatte 2006 und 2008 jeweils die Abstimmung verloren. Seine Partei Udar (Schlag) wurde nach eigenen Angaben zudem mit rund 40 Prozent stärkste Fraktion im Kiewer Stadtrat. Zuvor hatte bereits der Sieger der Präsidentenwahl, Petro Poroschenko, seinem Verbündeten Klitschko zum Sieg gratuliert.

"Diese Wahlen waren die wichtigsten in der unabhängigen Ukraine. Wir haben alles dafür getan, damit heute ein Schlusspunkt im Wahlprozess gesetzt wird, dass so schnell wie möglich eine Machtvertikale errichtet und mit Reformen begonnen wird", sagte Klitschko. "Wir müssen viele Reformen im Transportbereich, bei der Wohnungswirtschaft, der Medizin und der Bildung durchführen."

Eine erste Veränderung kündigte der Ex-Boxer bereits kurz nach seinem Wahlsieg an. Demnach werde er als Bürgermeister die Barrikaden auf dem zentralen Platz Maidan entfernen lassen. "Ich bin den Aktivisten des Maidans dankbar, doch jetzt rufe ich sie auf, die Barrikaden zu räumen", sagte der 42-Jährige. Mit den Sperren aus Autoreifen, Steinen und Holzlatten hatten sich die Gegner des gestürzten Präsidenten Viktor Janukowitsch bei ihren monatelangen Protesten gegen die Sicherheitskräfte geschützt. Noch immer harren Hunderte auf dem Maidan aus.

Verzicht zugunsten Poroschenkos

Das Bürgermeisteramt hat derzeit vor allem repräsentative Funktion. Die wichtigen Entscheidungen trifft der Vorsitzende der Stadtverwaltung, der direkt vom Präsidenten ernannt wird. Beobachter schließen aber nicht aus, dass Poroschenko seinem Vertrauten Klitschko wieder mehr Vollmachten geben wird.

Der Ex-Boxweltmeister hatte zugunsten des Schokoladenfabrikanten auf seine Kandidatur bei der Präsidentenwahl verzichtet. Auf dem zweiten Platz in der ukrainischen Hauptstadt landete mit rund zehn Prozent die Parlamentsabgeordnete Lessja Orobez.

Klitschko hat allerdings vorerst nur rund anderthalb Jahre Zeit, die Kiewer von seinen Fähigkeiten als Stadtoberhaupt zu überzeugen. Die nächste reguläre Wahl ist für Ende Oktober 2015 geplant. Der Urnengang war erst nach einem langen Machtpoker festgelegt worden - der frühere Amtsinhaber Leonid Tschernowezki war bereits im Sommer 2012 zurückgetreten.

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Quelle: n-tv.de