Politik

Nachteile auf dem Arbeitsmarkt Kluft zwischen Männern und Frauen bleibt

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Frauen verdienen noch immer weniger als ihre männlichen Kollegen - im Durchschnitt 21 Prozent weniger die Stunde als Männer.

(Foto: picture alliance / dpa)

Bei der Schulbildung liegen Männer und Frauen noch gleich auf. Im Berufsleben treten dann immer deutlichere Unterschiede zu Tage. Nicht nur sind weniger Frauen erwerbstätig, sie bekommen zudem weniger Geld für die gleiche Stundenzahl. Auch zu Hause ziehen sie häufig den Kürzeren.

Vor dem Gesetz sind Männer und Frauen gleich, im täglichen Leben ist das jedoch nicht in allen Bereichen spürbar. Wie eine aktuelle Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zeigt, gibt es zwar in vielen Bereichen Verbesserungen, trotzdem haben Frauen im Arbeitsleben gegenüber Männern oft das Nachsehen.

Dabei sind Männer und Frauen grundsätzlich gleich gut aufgestellt: In der schulischen Bildung haben Frauen die Männer sogar leicht überholt. Auch beim Abitur gibt es bei beiden Geschlechtern eine ähnlich hohe Quote an Absolventen. Deutliche Unterschiede gibt es allerdings bei der Art des Berufs. Viel häufiger als Männer üben Frauen Arbeiten im Dienstleistungsbereich aus wie kaufmännische oder medizinische Jobs. Männer hingegen dominieren im Handwerk mit mechanischen Berufen. In nur 6 von 25 Ausbildungsberufen überwiegt der Anteil der weiblichen Angestellten - dort gibt es mindestens 70 Prozent Frauen.

Auch bei den Zahlen der Erwerbstätigen zeigen sich zwischen Männern und Frauen deutliche Unterschiede. Und das obwohl sich in den vergangenen Jahrzehnten einiges getan hat: Noch 1991 lag der Anteil der arbeitenden Frauen bei nur 57 Prozent. Heute sind 72 Prozent der Frauen erwerbstätig und 80 Prozent der Männer.

Bei der Art der Anstellung gibt es eine größere Kluft zwischen den Geschlechtern. Fast zwei Drittel der Minijobber in Deutschland sind weiblich. Dagegen machen sich Frauen immer noch seltener als Männer selbstständig: Ihr Anteil unter den Freiberuflern liegt bei einem Drittel.

Gender Pay Gap bleibt ein Thema

Die Bezahlung ist auch in der aktuellen Untersuchung ein Thema: Frauen verdienen im Vergleich mit allen Arbeitnehmern noch immer weniger als ihre männlichen Kollegen - im Durchschnitt 21 Prozent weniger die Stunde als Männer. Allerdings nur, wenn Art der Beschäftigung und die Arbeitszeit nicht berücksichtigt werden. Der bereinigte Pay Gap liegt bei rund 6 Prozent. In den vergangenen vier Jahren ist der Lohnabstand leicht gesunken. Als Hauptgrund dafür nennen die Autoren der Studie die Einführung des Mindestlohns in Deutschland.

Trotzdem tragen Frauen weiterhin ein deutlich höheres Risiko als Männer, im Niedriglohnbereich zu arbeiten - auch wenn beide Seiten in Vollzeit beschäftigt sind. Frauen bekommen also für die gleiche Anzahl gearbeiteter Stunden weniger Geld als Männer. Und die geringere Bezahlung in jüngeren Jahren macht sich auch im Alter bemerkbar. Zwischen Männern und Frauen klafft ein großer Gender Pension Gap: Frauen beziehen im Schnitt eine um mehr als die Hälfte (53 Prozent) niedrigere Rente als Männer.

Doppelbelastung: Mehr Hausarbeit trotz Vollzeit

Ein weit verbreitetes Modell unter Frauen bleibt die Arbeit in Teilzeit: Fast jede zweite Frau arbeitet in halber Stundenzahl. Bei den Männern ist es im Gegensatz dazu nur jeder Zehnte, der wöchentlich weniger als 32 Stunden arbeitet. Männer arbeiten dadurch im Schnitt 8,2 Stunden mehr die Woche als Frauen. Vor allem in Haushalten mit Kindern hat es sich offenbar durchgesetzt, dass Väter mehrheitlich ganztags (95 Prozent) und Mütter häufig in Teilzeit arbeiten. In solchen Zweiverdienerhaushalten mit Kindern kommt es nur in 28 Prozent der Fälle vor, dass Mütter in Vollzeit arbeiten.

Neben der bezahlten liefert aber auch die unbezahlte Arbeit im Haushalt oder in der Kinderbetreuung interessante Ergebnisse. Die Hauptlast dieser unvergüteten Arbeitszeit tragen nämlich zum Großteil die Frauen - und das auch, wenn sie in Vollzeit arbeiten. Weibliche Angestellte sehen sich dadurch häufiger als Männer einer Doppelbelastung ausgesetzt. Frauen in Deutschland sind deshalb nach der Arbeit deutlich häufiger als Männer zu erschöpft, um sich anschließend noch um private oder familiäre Angelegenheiten zu kümmern: Dies trifft fast auf jede zweite abhängig beschäftigte Frau (47 Prozent) zu, und auf mehr als ein Drittel der Männer (37 Prozent).

Bergauf geht es dagegen bei der Kinderbetreuung. Die Ganztagsbetreuungsquote von Kleinkindern in Kitas ist in den vergangenen zehn Jahren stark angestiegen. Im Jahr 2017 wurde fast jedes zweite Kind zwischen drei und sechs Jahren (46 Prozent) und fast jedes fünfte Kind unter drei Jahren (19 Prozent) ganztätig im Kindergarten oder in einer anderen Institution betreut.

Auch nutzen immer mehr Väter das Elterngeld. Waren es im Jahr 2008 noch 21 Prozent, haben im ersten Halbjahr 2015 schon 35 Prozent der Väter den Zuschuss bekommen. Trotzdem nutzen Männer sehr viel seltener ihren Anspruch auf Elterngeld als Mütter, die es zu 95 Prozent nutzen.

Quelle: ntv.de