Politik

Ersatz für Chile gesucht Kommt der Weltklimagipfel nach Bonn?

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Bonn am Rhein: Die Stadt fühlt sich als Austragungsort für den Weltklimagipfel gut gerüstet.

(Foto: imago/Westend61)

Wegen der Massenproteste fällt Chile als Austragungsort für die nächste UN-Klimakonferenz aus. Nun dreht sich das Roulette für einen neuen Gastgeber. Könnte Bonn einspringen? Die kleine Ex-Hauptstadt traut es sich zu, mit New York oder Genf zu konkurrieren. Doch der globale Proporz spricht dagegen.

Bonn oder Genf, New York oder Madrid? Die Suche nach einem Ort für die UN-Klimakonferenz läuft nach der überraschenden Absage Chiles auf Hochtouren. Bis zum eigentlich geplanten Start des zweiwöchigen Gipfeltreffens der Klima-Diplomatie sind es nur noch viereinhalb Wochen. Viele deutsche Politiker sehen Bonn als geeigneten Ersatz. Die Stadt ist vor zwei Jahren schon einmal eingesprungen, das UN-Klimasekretariat hat dort seinen Sitz. Aber auch UN-Standorte wie New York, Genf oder die kenianische Hauptstadt Nairobi könnten infrage kommen.

Deutschlands Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth zeigte sich mit Blick auf die Bonn-Forderungen zurückhaltend. Es gehe nicht nur um Professionalität und Engagement, es müsse auch logistisch möglich sein, twitterte er. "Das ist für viele potenzielle Ausrichtungsorte die Problematik - auch für Bonn." Flasbarth fügte hinzu: "Und im Übrigen ist es nicht unbedingt erstrebenswert, es immer häufiger im globalen Norden zu machen." Tatsächlich sollen bei der Ausrichtung eigentlich die verschiedenen Weltregionen abwechselnd zum Zuge kommen.

Inzwischen hat die spanische Regierung Madrid als Austragungsort angeboten. Ministerpräsident Pedro Sánchez habe dem chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera seine Kooperation zugesagt, und dies beinhalte auch, die COP25 gegebenenfalls in Spaniens Hauptstadt abzuhalten, teilte die Regierung mit.

2017 war Bonn als Gastgeber für Fidschi eingesprungen, weil der kleine Inselstaat zwar den Vorsitz hatte, aber mit der Ausrichtung einer so großen Konferenz Probleme gehabt hätte. Es galt damals als wichtiges Signal, dass ein Inselstaat die Konferenz leitet, der von den Folgen der Erderhitzung besonders bedroht ist. Diesmal sollte Lateinamerika an der Reihe sein. Zunächst war Brasilien abgesprungen, nun auch Chile.

Nach Atlantik-Törn: Greta wartet ab

Eigentlich sollten Politiker, Wissenschaftler und Vertreter von Wirtschaft und Gesellschaft vom 2. bis zum 13. Dezember in der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile zusammenkommen. Wegen der heftigen sozialen Proteste in dem südamerikanischen Land hatte die dortige Regierung am Mittwoch aber die Klimakonferenz (COP 25) ebenso abgesagt wie den Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec), der im November stattfinden sollte.

Zur vorigen Klimakonferenz im polnischen Kattowitz (Katowice) waren im vergangenen Jahr mehr als 20.000 Teilnehmer angereist, darunter auch viele Staats- und Regierungschefs. Es geht um die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens, mit dem die Weltgemeinschaft die Erderhitzung auf unter zwei Grad begrenzen will. Dieses Jahr soll es unter anderem darum gehen, nach welchen Regeln Staaten mit Verschmutzungsrechten handeln können.

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg war unter anderem wegen der Klimakonferenz über den Atlantik gesegelt. Sie sei in Gedanken beim chilenischen Volk und warte nun auf weitere Informationen, schrieb sie auf Twitter. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums ist es nun Sache des Vorstands, über die nächsten Schritte zu entscheiden. Dazu gehören unter anderem der amtierende Präsident der vorigen Klimakonferenz, Michal Kurtyka, sowie Vertreter aus den fünf Regionalgruppen der Vereinten Nationen. Für die EU sitzt Frankreich im Vorstand.

Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hatte sofort erklärt, Bonn stehe als Tagungsort bereit. Auch die Grünen machen Druck in diese Richtung. Der internationale Klimaprozess dürfe nicht ins Stocken geraten, erklärte ihr Bundestagsfraktionsvize Oliver Krischer. Für die Bundesregierung wäre es die Chance, "nach Jahren der Stagnation und des Rückschritts der deutschen Klimapolitik mal wieder ein Zeichen zu setzen". Die Bonner Grünen-Abgeordnete Katja Dörner, die kommendes Jahr Oberbürgermeisterin der Stadt werden will, sagte: "Bonn kann es schaffen, für Santiago de Chile einzuspringen."

Quelle: ntv.de, mau/dpa