Politik
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Donnerstag, 27. Juli 2017

Stinkende Fische im Weißen Haus: Kommunikationschef geht auf Stabschef los

Wie "eine fein abgestimmte Maschine" arbeite das Weiße Haus, behauptete Trump einmal. Gestimmt hat das wohl nie. Doch die Fehde zwischen dem neuen Pressechef und dem Stabschef hebt das Intrigenspiel auf ein bislang beispielloses Niveau.

Der Job von Anthony Scaramucci als Donald Trumps neuer Kommunikationschef sollte eigentlich sein, Ruhe und Ordnung in dessen chaotische und oft widersprüchliche Pressearbeit zu bringen – der Welt die Botschaft zu vermitteln, dass das Weiße Haus wie eine "fein abgestimmte Maschine" arbeitet, wie Trump es selbst formulierte. Doch nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt hinterlässt der ehemalige Investment-Banker Scaramucci einen anderen Eindruck: Mit öffentlichen Attacken gegen seinen eigenen Vorgesetzten, Stabschef Reince Priebus, heizt er persönlich die Intrigen und Machtkämpfe im Präsidentenamt in einem bislang nicht bekannten Ausmaß an.

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Zunächst beklagt sich Scaramucci in der Nacht per Twitter, dass Informationen über seine privaten Finanzen an die Medien weitergeben worden seien. Wegen dieser "Straftat" werde er die Bundespolizei FBI und das Justizministerium einschalten, schreibt er, und fügt danach den Twitter-Namen von Priebus an. Wenig später löscht Scaramucci seinen Tweet wieder. Doch er hat bereits eine Debatte ausgelöst: Will Scaramucci andeuten, dass der Stabschef die undichte Stelle im Weißen Haus sei?

Am Morgen darauf gibt Scaramucci CNN ein langes Telefoninterview. Statt für Klarheit zu sorgen, heizt er die Spekulationen mit widersprüchlichen Aussagen zusätzlich an. Die Interpretation, er wolle seinen Vorgesetzten beschuldigen, sei falsch, sagt Scaramucci zunächst. Dann deutet er genau das wieder an. Wer diese undichten Stellen seien, das wüssten er und der Präsident ganz genau, behauptet Scaramucci und fordert Priebus heraus, sich öffentlich zu äußern. "Wenn Reince erklären will, dass er keine undichte Stelle ist, dann lass ihn das tun."

Früher wären sie aufgehängt worden

Weiter: "Der Fisch stinkt vom Kopf. Aber ich kann Ihnen zwei Fische nennen, die nicht stinken: Das sind der Präsident und ich". Am "Kopf" in der Hierarchie des Weißen Hauses steht direkt nach dem Präsidenten der Stabschef, Reince Priebus. Als ob diese Andeutungen nicht genug seien, um seine Fehde mit Priebus anzuheizen, schiebt Scaramucci hinterher, manche Leaks etwa zur Syrien- und Irak-Politik wögen so schwer, dass "vor 150 Jahren" Verräter dafür "aufgehängt worden wären".

Selbst nach Maßstäben der Trump-Verwaltung hebt Scaramucci seinen Machtkampf mit Priebus mit dieser Attacke auf ein bisher unbekanntes Niveau. Die Feindschaft zwischen den beiden ist Teil eines Flügelstreits, der das Weiße Haus seit Trumps Amtsantritt weitgehend lähmt. Auf der einen Seite stehen politische Neulinge wie Scaramucci, Chef-Stratege Steve Bannon oder auch Trump selbst. Auf der anderen Seite erfahrene republikanische Politiker wie Priebus, die Trump unbedingt benötigt, um seine Regierung einigermaßen am Laufen zu halten und mit den Republikanern im Kongress zusammenzuarbeiten.

Doch beide Seiten fremdeln bis heute miteinander. Priebus hat sich bislang nicht öffentlich über Scaramucci geäußert, doch es ist bekannt, dass er von dessen Ernennung dringend abgeraten hatte. Die jüngsten Auftritte des Kommunikationschefs dürften zur Änderung seiner Meinung wohl kaum beigetragen haben.

Während Priebus zunächst schwieg, meldete sich die Journalistin Lorraine Woellert vom Magazin "Politico". Von ihr stammt der Bericht mit den vertraulichen Informationen, der Scaramucci so erzürnte. Ihre Quelle sei Scaramuccis ehemaliger Arbeitgeber, die Export-Import-Bank, teilte Woellert mit. Es habe in dem Fall gar keine undichte Stelle im Weißen Haus gegeben.

Quelle: n-tv.de