Politik

Marienburger Massengrab Kriegstote bei Szczecin beigesetzt

Mehr als 2000 deutsche Kriegsopfer aus dem Zweiten Weltkrieg, die Bauarbeiter im Winter in einem Massengrab im polnischen Marienburg (Malborg) entdeckten, finden nahe Stettin (Szczecin) ihre letzte Ruhe.

marienburg_tote.jpgKnapp 65 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs sind in Polen mehr als 2100 deutsche Kriegstote zur letzten Ruhe gebettet worden. Die Zivilisten, deren Leichen in einem Massengrab nahe der nordpolnischen Stadt Marienburg (Malbork) gefunden worden waren, wurden auf einer deutschen Kriegsgräberstätte in Glinna bei Stettin beigesetzt. Geistliche aus Polen und Deutschland, darunter die Weihbischöfe Gerhard Pieschl aus Limburg und Marian Blazej Kruszylowicz aus Stettin, gestalteten die Trauerfeier auf einem gesonderten Grabfeld für Zivilisten.

Die sterblichen Überreste waren im Oktober zufällig beim Bau eines Luxushotels am Fuße der berühmten Ordensburg in Marienburg gefunden worden. In dem Massengrab befanden sich die Leichen von insgesamt 2116 Menschen, darunter 1001 Frauen, 381 Männer und 377 Kinder. Die anderen Leichen konnten nicht genauer identifiziert werden. Die Entdeckung des Massengrabs und die große Anzahl der Toten hatten in Deutschland und Polen für Aufsehen gesorgt. Wer genau die Toten sind und wie sie ums Leben kamen, ist jedoch ungeklärt - bei den Leichen waren keine Schuhe, Kleidungsreste oder persönliche Gegenstände gefunden worden.

Die meisten der gefundenen Weltkriegsopfer kamen Experten zufolge wahrscheinlich  zwischen Januar und März 1945 durch Kälte, Hunger und Krankheiten ums Leben. Nur wenige Gebeine weisen nach einer Untersuchung des polnischen Gerichtsmediziners Leszek Zacharczuk Merkmale eines gewaltsamen Todes wie Einschusslöcher oder Verbrennungen auf.

Lob für "gute und verlässliche Zusammenarbeit"

marienburg.jpg"Wer diese Menschen wirklich waren und wie sie zu Tode kamen, das ist immer noch nicht ganz verlässlich beantwortet", sagte der Präsident des Volkbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Reinhard Führer. Sehr wahrscheinlich handele es sich jedoch zum größten Teil um deutsche Zivilisten. Der deutsche Botschafter in Polen, Michael Gerdts, lobte bei der Trauerfeier die "gute und freundliche" Zusammenarbeit der deutschen und polnischen Behörden, die es ermöglicht habe, die Toten von Marienburg endlich würdevoll zu beerdigen.

Die Leichen waren nur rund 300 Meter vom mittelalterlichen Schloss des Deutschen Ordens entfernt gefunden worden, einer der größten Touristenattraktionen Polens. Marienburg gehörte vor dem Zweiten Weltkrieg zum deutschen Ostpreußen und war im Frühjahr 1945 Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen der Roten Armee und der deutschen Wehrmacht, bei denen die Festungsanlage der Ordensritter zu großen Teilen zerstört wurde. Die Polen bauten sie wieder auf, heute gehört die Backsteinburg zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa