Politik

"Die Welt vermisst ihn nicht" London und Tel Aviv begrüßen Bagdadis Tod

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Jugendliche im Irak verfolgen die Nachrichten vom Tod des IS-Anführers Al-Bagdadi.

(Foto: REUTERS)

Während Israel und Großbritannien Al-Bagdadis gewaltsames Ende gutheißen, rechnen syrische Kurden mit Vergeltungsschlägen von "Schläferzellen". Iraks Geheimdienst will den USA den geheimen Aufenthaltsort des IS-Anführers verraten haben.

Großbritannien und Israel haben den von US-Präsident Donald Trump verkündeten Tod des Anführers der Terrormiliz Islamischer Staat, Abu Bakr al-Bagdadi, begrüßt. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte nach Angaben seines Büros: "Ich möchte dem Präsidenten Trump zu dem beeindruckenden Erfolg gratulieren, der zur Tötung des IS-Chefs Al-Bagdadi führte." Der Einsatz beweise "unsere Entschlossenheit - der USA und aller freier Länder - Terrororganisationen und -staaten zu bekämpfen". Al-Bagdadis Tod sei "ein wichtiger Meilenstein, aber die Schlacht steht uns noch bevor", sagte Netanjahu demnach.

Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace erklärte: "Die Welt wird Al-Bagdadi nicht vermissen." Der IS sei eine der mörderischsten Terrororganisationen der Gegenwart. Der britische Außenminister Dominic Raab sagte: "In der Folge des Todes des Daesh-Anführers, dürfen wir Daesh nicht erlauben, jemanden zu glorifizieren, der solch unmenschliche, abscheuliche Straftaten begangen hat. Großbritannien werde weiter am Sieg über den IS arbeiten. "Daesh" wird im anglo-aerikanischen Sprachraum häufig als Synonym für den IS verwendet.

Die kurdischen Milizen in Nordsyrien rechnen unterdessen mit Vergeltungsangriffen seiner Anhänger. "Schläferzellen werden den Tod Al-Bagdadis rächen", sagte der Kommandeur der kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), Maslum Abdi. Er stelle sich auch auf Angriffe auf Gefängnisse unter kurdischer Verwaltung ein, in denen tausende IS-Kämpfer festhalten werden.

Iraks Geheimdienst: "Kontinuierlich mit CIA zusammengearbeitet"

Der irakische Geheimdienst teilte nach eigenen Angaben der US-geführten Anti-IS-Koalition den genauen Aufenthaltsort des IS-Anführers mit und lieferte so die Voraussetzung für den US-Angriff. "Wir haben kontinuierlich mit der CIA zusammengearbeitet und wichtige Informationen weitergegeben, die der irakische Staatsgeheimdienst über Al-Bagdadis Bewegungen und sein Versteck hatte", sagte ein Vertreter des Geheimdienstes.

Hinweise auf den Aufenthaltsort des IS-Anführers habe man von einem Mann und einer Frau aus dem engsten Umfeld Al-Bagdadis erhalten, sagte der Geheimdienstler. Die beiden irakischen Staatsbürger seien zuvor gefangengenommen worden. Ihre Angaben hätten zu einem geheimen Ort in der Wüste im Westen des Iraks geführt. Dort seien dann Dokumente über Al-Bagdadis Aufenthaltsort gefunden worden. Aus türkischen Regierungskreisen verlautete, Al-Bagdadi sei erst 48 Stunden vor dem US-Einsatz an dem Ort angekommen, an dem er den Berichten zufolge getötet wurde. Die türkische Armee sei vorab über den Angriff in der syrischen Provinz Idlib informiert worden.

Trump hatte in einer Rede im Weißen Haus die letzten Minuten im Leben Al-Bagdadis geschildert. Nach Angaben Trumps flüchtete der IS-Führer während des Angriffs in einen Tunnel, zündete dort eine Sprengstoffweste und tötete sich damit selbst sowie drei seiner Kinder. Bei dem Einsatz sei auch eine "große Zahl" von IS-Kämpfern und Begleitern al-Bagdadis getötet worden, sagte Trump. Demnach bestätigten Tests inzwischen eindeutig die Identität des Toten.

Quelle: ntv.de, mau/AFP/rts