Politik

Richtungskampf geht weiter Lucke warnt vor Rechtsruck der AfD

Der Rücktritt von Parteivize Henkel hat die Richtungsdebatte in der AfD befeuert. Parteichef Lucke macht klar, dass die AfD unter ihm nicht nach rechts driften werde - er vergleicht sie mit den frühen Grünen.

Der Vorsitzende der Alternative für Deutschland, Bernd Lucke, hat erneut klargestellt, dass es unter seinem Vorsitz keinen Rechtsruck seiner Partei geben werde. "Solange ich an Bord bin, wird nicht gedriftet. Nicht nach rechts und schon gar nicht nach ganz rechts", sagte er der "Bild"-Zeitung.

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AfD-Chef Lucke wendet sich gegen einen Rechtsruck seiner Partei.

(Foto: picture alliance / dpa)

Er verglich die Machtkämpfe in seiner Partei mit den frühen Grünen: "Es ist eher so wie früher bei den Grünen: Es gibt Fundis und Realos", sagte er. Die Fundis neigten dazu, "alles etwas extremer zu sehen".

Auf die Frage, ob er als Vorsitzender angesichts der Flügelkämpfe in der AfD versagt hätte, antwortete Lucke: "Wenn der Sohn pubertiert, hat sein Vater dann versagt?" Zuvor hatte Lucke bereits dem "Handelsblatt" gesagt, dass die AfD dabei sei, "ihre politische Spannbreite zu überdehnen".

"Grundlinien noch einmal festzurren"

In der Partei tobt derzeit ein Richtungsstreit. Am Donnerstag hatte der stellvertretende Vorsitzende Hans-Olaf Henkel seinen Rücktritt von diesem Posten erklärt. Der Europaabgeordnete steht Lucke nahe, der für den wirtschaftsliberalen Teil der Partei steht. Für den rechtsnationalen Flügel der Partei stehen die sächsische Landesvorsitzende Frauke Petry und der brandenburgische Parteichef Alexander Gauland.

Als Grund für seinen Rückzug aus dem Vorstand nannte Henkel, dass "Rechtsideologen" versuchten, die AfD zu übernehmen. Er sagte zudem den Untergang der Partei voraus, sollte der Richtungsstreit anhalten. Der baden-württembergische Landeschef Bernd Kölmel bedauerte Henkels Rückzug: "Er hat einen reichhaltigen Erfahrungsschatz und einen hohen wirtschaftlichen Sachverstand."

Gleichzeitig forderte Kölmel ein Ende des Richtungsstreits. "Die Grundlinien in der Partei müssen noch einmal festgezurrt werden", sagte der Europaabgeordnete. Die Partei müsse sich "vom ganz rechten Rand" abgrenzen. "Dort muss eine rote Linie gezogen werden. Positionen, die diese Linie überschreiten, sind nicht tragbar."

Höcke weist Vorwürfe zurück

Unterdessen wies der thüringische Afd-Landeschef Björn Höcke Vorwürfe zurück, er habe unter Pseudonym Texte für die NPD geschrieben. "Ich habe niemals Artikel in NPD-Postillen verfasst, auch nicht unter einem Pseudonym", sagte er der "Thüringer Allgemeinen". Wie das Blatt berichtet, hat der Bundesvorstand Höcke aufgefordert, juristisch gegen die von einem Blogger aufgestellte Behauptung vorzugehen.

Höcke nannte den Schritt seiner Partei "unerträglich". "Ich entscheide selbst, wann und in welcher Form ich gegen diesen Blogger juristisch vorgehe." Parteichef Bernd Lucke warf er vor, zur Spaltung der Afd beizutragen.

Quelle: ntv.de, mli/dpa