Politik

Explosionen auch in Kiew Lwiw: Mehrere Tote nach Raketenangriffen

Luftalarm in Lwiw am Morgen an diesem Ostermontag: Die Stadt nahe der polnischen Grenze wird nach ukrainischen Angaben von mehreren russischen Raketen getroffen. Es gibt Tote und Verletzte.

Vor der befürchteten Großoffensive in der Ostukraine hat Russland auch wieder im Westen des Landes angegriffen. Bei den Raketenangriffen auf die Stadt Lwiw, in der sich viele Flüchtlinge aufhalten, wurden nach ukrainischen Angaben mindestens sieben Menschen getötet und elf weitere verletzt, darunter ein Kind. Lwiw liegt weit von der Front entfernt in der Westukraine und wurde seit dem Beginn der russischen Invasion am 24. Februar nur selten bombardiert. Die Stadt nahe der polnischen Grenze ist Zufluchtsort und Durchgangsstation für Flüchtlinge aus dem ganzen Land. Die Rettungskräfte seien im Einsatz, schrieb der Bürgermeister der Stadt, Andrij Sadowyj, auf Telegram. Weitere Angriffe werden nicht ausgeschlossen. Auch aus anderen Teilen der Ukraine, darunter der Hauptstadt, wurden neue Angriffe gemeldet.

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Feuerwehrleute im Einsatz nach den Angriffen.

(Foto: REUTERS)

Über die Anzahl der Raketen gibt es unterschiedliche Angaben. Sadowyj sprach insgesamt von fünf Einschlägen, Gebietsgouverneur Kosyzkyj von vier Raketen. Drei davon hätten Militärobjekte getroffen, eine sei auf ein ziviles Objekt, einen Reifenservice, abgeschossen worden, teilte er mit. Daneben sollen auch ein Hotel und rund 40 Autos beschädigt worden sein. Dem Bürgermeister zufolge lebten in dem Hotel Menschen, die vor dem Krieg aus anderen Regionen der Ukraine geflüchtet waren. Lwiw, das nahe der polnischen Grenze liegt, hat sich zu einem Zufluchtsort für Geflohene entwickelt.

Mychailo Podoljak, Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj, twitterte, es habe "fünf heftige Raketenangriffe auf einmal auf die zivile Infrastruktur der alten europäischen Stadt Lwiw" gegeben. "Die Russen greifen weiterhin barbarisch ukrainische Städte aus der Luft an", schrieb er.

Bahn-Chef berichtet von Einschlag nahe Bahnhof

Wie der Chef der ukrainischen Bahngesellschaft, Alexander Kamyschin, mitteilte, wurde bei dem Angriff auch Bahninfrastruktur beschädigt. Er verbreitete in den Online-Netzwerken ein Foto, auf dem Feuer und Rauch über einem kleinen Gebäude neben einem Eisenbahngleis zu sehen sind. Fahrgäste oder Bahn-Angestellte wurden seinen Angaben zufolge bei dem Angriff nicht verletzt.

Lwiw war in der Vergangenheit schon Ziel von Luftangriffen. In der Nähe der Stadt gibt es mehrere Militärobjekte. Darüber hinaus haben die russischen Streitkräfte auch ein Treibstofflager beschossen. Lwiw gilt auch als wichtiger Umschlagpunkt für Waffenlieferungen aus dem Westen. Russland hatte diese Waffenlieferungen als legitimes Ziel für eigene Luftangriffe genannt und zuletzt damit gedroht, diese Lieferungen verstärkt zu bekämpfen.

Auch Kiew wurde am Morgen offenbar erneut angegriffen. Ein Reuters-Reporter berichtete von mehreren Detonationen in der Hauptstadt. Ebenso sind in der Region Dnipropetrowsk im östlichen Landesteil nach Angaben örtlicher Behörden mehrere Explosionen zu hören gewesen. Der Sender Suspilne berichtet, bei Luftangriffen in der Region Dnipropetrowsk seien zwei Menschen verletzt worden.

Russland: Mehr als 100 Militärobjekte beschossen

Die russischen Streitkräfte erklärten, sie hätten in der Nacht in der Ukraine mehr als 100 Ziele beschossen, an denen ukrainische Militärtechnik und Truppen konzentriert waren. "Die Heeresflieger haben acht Panzer und andere gepanzerte Fahrzeuge vernichtet sowie bis zu einer Kompanie an Mannstärke", teilte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, mit.

Seinen Angaben zufolge haben die russischen Luftabwehrkräfte zudem drei ukrainische Kampfflugzeuge, zwei MiG-29 nahe der Stadt Isjum und eine Su-25 nahe Awdijiwka, abgeschossen. Russische Iskander-Raketen hätten derweil vier militärische Zeughäuser vernichtet. Diese Angaben konnten unabhängig nicht überprüft werden.

Kiew: Russische Vorbereitung für neue Offensive fast beendet

Derweil erwartet Kiew eine neue russische Offensive im Donbass. Das russische Militär habe seine Vorbereitungen dafür fast beendet, erklärte der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht: "Im östlichen Einsatzgebiet schließen die Streitkräfte der russischen Föderation die Bildung einer Angriffstruppe ab". Derzeit versuche das russische Militär, mit einzelnen Angriffen die Schwachstellen der ukrainischen Verteidigungslinien zu ertasten. So hätten die russischen Streitkräfte in der Nacht weitere Angriffe auf Städte im Donbass gestartet. "Die Hauptanstrengungen unternimmt der Feind im Bereich der Ortschaften Lyman, Kreminna, Popasna und Rubischne, zudem hat er versucht, die volle Kontrolle über Mariupol herzustellen", berichtete der ukrainische Generalstab.

Außerdem habe das russische Militär versucht, einen Brückenkopf nördlich der von Ukrainern gehaltenen Großstadt Sjewjerodonezk zu bilden. Kiewer Angaben zufolge konnten die Angriffe zurückgeschlagen werden. Der Generalstab berichtete zudem von russischen Luftangriffen auf Ziele in der ostukrainischen Millionenstadt Charkiw und sagte weitere russische Angriffsversuche in der Südukraine voraus. Dort werde das russische Militär versuchen, die Grenzen des Gebiets Cherson zu erreichen.

Quelle: ntv.de, hul/dpa/AFP/rts

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