Politik

Inszenierter Journalistenmord Maas verlangt Fakten zu Babtschenko

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Außenminister Heiko Maas fliegt für zwei Tage in die Ukraine.

(Foto: picture alliance / Soeren Stache)

In die Erleichterung darüber, dass der russische Journalist Babtschenko doch am Leben ist, mischen sich auch Skepsis und Kritik. Außenminister Maas mahnt vor seinem Besuch in der Ukraine: Der nicht "nachvollziehbare Vorgang" muss aufgeklärt werden.

Außenminister Heiko Maas fordert von der Ukraine Aufklärung über den Fall des zeitweise für tot erklärten russischen Journalisten Arkadi Babtschenko. Der Fall werfe viele Fragen auch zum Thema Glaubwürdigkeit auf, sagte Maas vor dem Aufbruch zu einer zweitägigen Ukraine-Reise. "Ich habe schon die Erwartung, dass, wenn ich heute Abend in Kiew bin, ich die noch notwendigen Informationen erhalte, um mir daraus dann eine Meinung zu bilden." Russland bezeichnete den Fall als merkwürdig. Die Inszenierung von Babtschenkos Tod sei seltsam, erklärte der Sprecher des Präsidialamtes in Moskau. Russland betrachte die Ukraine weiter als einen gefährlichen Arbeitsort für Journalisten.

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Arkadi Babtschenko wurde am Mittwoch für tot erklärt und tauchte am Donnerstag völlig überraschend bei einer Pressekonferenz auf.

(Foto: picture alliance / Efrem Lukatsk)

Maas forderte, es müsse alles getan werden, um die Vorgänge aufzuklären. Die Ukraine könne beweisen, dass sie bei den Reformen zur Rechtsstaatlichkeit vorangekommen sei. "Es wäre eine gute Gelegenheit, einen solchen, für viele Menschen absolut nicht nachvollziehbaren Vorgang, rechtsstaatlich aufzuarbeiten", sagte Maas. So könne man Vertrauen schaffen. Maas reist am Nachmittag nach Kiew. Am Freitag will er bei Mariupol die Front zwischen den ukrainischen Regierungstruppen und den pro-russischen Separatisten besuchen, die die Ostukraine seit 2014 kontrollieren. Am Mittwoch hatte sich Maas nach der Nachricht von der Ermordung Babtschenkos empört gezeigt und eine Aufklärung des Falles gefordert.

Später stellte sich heraus, dass der Journalist am Leben ist. Der ukrainische Geheimdienst SBU erklärte, man habe von einem russischen Plan zur Ermordung Babtschenkos erfahren und ihn mit Hilfe der Inszenierung vereitelt. Ein von Moskau angeheuerter Verdächtiger sei in Kiew festgenommen worden. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko bedankte sich bei dem russischen Journalisten.

"Stich ins Mark der Glaubwürdigkeit"

Laut einem von seiner Pressestelle verbreiteten Video sagte er bei einem Treffen, dass Babtschenko "gemeinsam mit den ukrainischen Sicherheitsdiensten" ein Szenario verhindert habe, "das auf die Destabilisierung der Lage in der Ukraine abgezielt" habe. "Millionen Menschen" feierten, dass Babtschenko doch am Leben sei, schrieb Poroschenko bei Facebook. Der geplante Anschlag auf den Kreml-kritischen Journalisten sei "von russischem Gebiet aus organisiert" worden, um die Ukraine zu destabilisieren und "einen zu töten, den Russland am meisten von allen fürchtet".

Babtschenko selbst verteidigte seinen inszenierten Tod. Die Gefahr eines Anschlags auf ihn sei real gewesen, schrieb er auf Facebook: "Alles war genau so wie gesagt." Wer ihm vorhalte, die Medien irregeführt zu haben, der solle "seine Prinzipientreue und hohe Moral beweisen und stolz erhobenen Hauptes sterben". Auf Twitter entschuldigte er sich ironisch dafür, noch am Leben zu sein: "Bei der nächsten Attacke gehe ich bestimmt drauf."

Die Organisation Reporter ohne Grenzen kritisierte hingegen, mit dem vorgetäuschten Mord sei die Öffentlichkeit in die Irre geführt worden. "Solche Inszenierungen sind ein Stich ins Mark der Glaubwürdigkeit des Journalismus", warnte ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske in einer Mitteilung. Es sei unglaubwürdig, dass ein möglicher Mordanschlag nicht anders als durch dessen Vortäuschen verhindert werden könne. "Wir fordern von den ukrainischen Behörden umgehend Aufklärung über die Hintergründe des vorgetäuschten Journalistenmordes."

Quelle: ntv.de, fzö/rts/AFP/dpa

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