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Statt zäher Brexit-Verhandlungen May: "Trump riet mir, die EU zu verklagen"

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Von Trumps Vorschlag hält May wenig.

(Foto: imago/i Images)

Donald Trump hat eine Menge Ideen und gibt offenbar auch anderen Regierungschefs Tipps für ihre Politik. In einem Interview verrät Theresa May nun, welchen "brutalen" Rat ihr der US-Präsident bei seinem Besuch gegeben hat.

US-Präsident Donald Trump hat der britischen Premierministerin Theresa May offenbar dazu geraten, die Europäische Union zu verklagen, anstatt mühsam mit den 27 anderen Staaten über den Brexit zu verhandeln. Das soll Trump May laut einem BBC-Interview in einem privaten Gespräch während seines Besuchs am Freitag empfohlen haben.

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Trump hatte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz gesagt, er habe May einen Rat gegeben, den diese aber zu "brutal" gefunden habe. Als May nun in der Andrew-Marr-Show auf BBC zu Gast war und gefragt wurde, worauf sich dieser Vorschlag bezog, lüftete sie das Geheimnis: "Er sagte mir, ich solle die EU verklagen - und nicht in Verhandlungen einsteigen." Interessanterweise habe der Präsident bei der anschließenden Pressekonferenz dann aber gesagt, sie solle nicht aufhören mit den Verhandlungen, damit diese nicht ins Stocken geraten.

Bedenken, dass May Trumps Vorschlag tatsächlich in die Tat umsetzen könnte, zerstreut die britische Premierministerin im Interview gleich - und muss angesichts des Rats aus den USA sogar schmunzeln. "Wir gehen in die Verhandlungen", erklärt May und verteidigt ihre eigene Brexit-Strategie. Diese ermögliche Personenfreizügigkeit ebenso wie das Abschließen von Handelsabkommen mit anderen Staaten.

Bis heute keine "praktikable Alternative"

Parteiinterne Kritiker warnte May unterdessen in einem Gastbeitrag für die "Mail on Sunday" davor, durch einen Boykott ihrer Brexit-Strategie den geplanten EU-Austritt des Vereinigten Königreichs komplett aufs Spiel zu setzen. "Wir müssen das Ziel im Auge behalten, sonst laufen wir Gefahr, am Ende ganz ohne Brexit dazustehen", schrieb die Vorsitzende der konservativen Tories. Sie nehme die Bedenken mancher Parteimitglieder gegen ihren Kurs wahr, allerdings hätten diese bis heute keine "praktikable Alternative" vorgelegt. Deshalb sei ihr "praktischer und pragmatischer" Ansatz das Mittel der Wahl.

Knapp neun Monate vor dem EU-Austritt am 29. März 2019 steckt Mays Regierung tief in der Krise. Die Brexit-Befürworter in ihrer Partei rebellieren gegen den neuen Kurs der Premierministerin, die einen weniger abrupten EU-Ausstieg anstrebt. Das nur unter großem Druck gebilligte Brexit-Weißbuch Mays sieht etwa ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union vor. Hardliner fürchten eine zu enge Bindung an die EU und weitere Konzessionen an Brüssel im Laufe der Verhandlungen. Brexit-Minister David Davis und Außenminister Boris Johnson traten im Streit über das Strategiepapier zurück, das Johnson nach Medienberichten im Kabinett als "Scheißhaufen" tituliert hatte.

May beteuerte in ihrem Gastbeitrag für die Sonntagszeitung, sie nehme eine knallharte Verhandlungsposition in den Gesprächen mit Brüssel ein. Bei ihrem Weißbuch handele es sich auch nicht "um eine lange Wunschliste, aus der sich die Unterhändler die Rosinen rauspicken können. Es ist ein vollständiger Plan mit einer Reihe von nicht verhandelbaren Ergebnissen."

Quelle: n-tv.de, ftü

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