Politik

Spahn will Kompetenzen bündeln Mehr als 20.000 Corona-Fälle in Deutschland

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Wird es reichen? Im ganzen Land stellen Kliniken wie hier das Allgemeine Krankenhaus in Viersen neue Intensivbetten bereit.

(Foto: dpa)

Das Coronavirus verbreitet sich weiterhin in hohem Tempo in der Bundesrepublik. Während Baden-Württemberg schwerkranke Patienten aus Frankreich aufnehmen will, plant Gesundheitsminister Spahn die Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern neu zu regeln.

Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus ist nach der Zählung von ntv.de auf mehr als 20.000 gestiegen. Demnach sind bundesweit bis zum Vormittag 71 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 verstorben. Mit 23 Toten ist das Bundesland Nordrhein-Westfalen am stärksten betroffen. Nur im Saarland und in Mecklenburg-Vorpommern gibt es bislang keine erfassten Todesfälle.

Bei den Neuinfektionen steht NRW ebenfalls an der Spitze. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums gibt es (Stand 11.30 Uhr) 6740 nachgewiesene Fälle. Das ist ein Zuwachs von mehr als 1000 im Vergleich zum Vortag. Weiterhin meldet der Kreis Heinsberg die meisten Infektionen: Die Zahl erhöhte sich innerhalb von 24 Stunden leicht von 874 auf jetzt 916. In Köln gab es 629 Fälle, am Vortag waren es 521.

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Mehr Eingriffsmöglichkeiten für den Bund

Um künftig schneller und schärfer in der Coronakrise reagieren zu können, plant die Bundesregierung nach "FAZ"-Informationen das Infektionsschutzgesetz zu ändern. Der Bund soll künftig mehr Eingriffsmöglichkeiten im ganzen Land erhalten, während die Bundesländer zum Teil entmachtet werden, wie die Zeitung unter Berufung auf einen Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums zur Änderung des Gesetzes berichtete.

Künftig soll die Bundesregierung demnach zum Beispiel grenzüberschreitende Personentransporte untersagen können, per Handyortung die Kontaktpersonen von Infizierten suchen, die Versorgung mit Arzneien und Schutzausrüstung zentral steuern und medizinisches Personal zwangsrekrutieren. Sie kann dem Bericht zufolge aber keine Ausgangssperren anordnen, wie sie derzeit im Gespräch und in einigen Ländern schon in Kraft sind. Der Entwurf soll demnach am Montag im Bundeskabinett verabschiedet und im Laufe der Woche im Eilverfahren im Bundestag und Bundesrat beschlossen werden.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte der "FAZ": "Bund und Länder arbeiten bei der Bewältigung dieser Epidemie Hand in Hand. Hier bündeln wir Kompetenzen. Und noch wichtiger: Wir können künftig in einer Lage wie dieser binnen Stunden für Ärzte, Pflegekräfte, Apotheker und alle anderen, die weit über das normale Maß anpacken, Bürokratie wegnehmen, Regeln anpassen, Vergütungen erhöhen."

Ministerpräsident Kretschmann sagt Unterstützung zu

Unterdessen hat Baden-Württembergs Gesundheitsministerium die Kliniken im Land gebeten, schwerstkranke Corona-Patienten aus Frankreich aufzunehmen. "Die grenznahen französischen Krankenhäuser sind an der Grenze ihrer Behandlungskapazitäten für beatmungspflichtige Patientinnen und Patienten angekommen", heißt es in einem Schreiben des Ministeriums an die Geschäftsführer der baden-württembergischen Krankenhäuser.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann habe "die Unterstützung Baden-Württembergs zugesagt", steht weiter in dem auf den 19. März datierten Schreiben. "Wir bitten Sie deshalb, im Rahmen noch vorhandener freier Kapazitäten in Ihren Krankenhäusern beatmungspflichtige Patientinnen und Patienten aus Frankreich aufzunehmen."

Ein Sprecher des Ministeriums sagte: "Auch wenn wir in Baden-Württemberg selbst begrenzte Kapazitäten haben und sich leider auch bei uns mancher Engpass auftut, versuchen wir, unseren französischen Nachbarn selbstverständlich zu helfen." Es gehe um Menschen, die ohne Beatmung in den kommenden Tagen sterben würden. In Regionen wie dem Elsass fehlten wegen der stark steigenden Fallzahlen Kapazitäten.

Derzeit hat Baden-Württemberg nach Angaben des Ministeriums genug freie Beatmungsplätze, es gebe rund 2300 im Land. Laut Krankenhausgesellschaft BWKG sind aktuell rund 80 Prozent belegt, allerdings derzeit nur mit weniger als 20 Corona-Patienten, wie die "Schwäbische Zeitung" berichtete.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa/AFP