Politik

Augstein & Blome im Gegenverkehr "Merkel hat das Land in Stagnation geführt"

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Selbst die so wenig polarisierende Merkel schafft es, Blome und Augstein zu spalten.

Die Merkel-Jahre neigen sich ihrem Ende entgegen, aber was ist von der Kanzlerin zu halten? Auf dem Weg zu Merkels Privatwohnung bekommen sich Jakob Augstein und Nikolaus Blome in die Haare über diese Frage. Blome will Danke sagen, Augstein findet's traurig.

Nikolaus Blome hat es eilig: Schnell zu Angela Merkels Privatadresse in Berlin-Mitte, solange die scheidende Kanzlerin überhaupt noch in der Hauptstadt ist. Warum? Er will Danke sagen. Fahrer Jakob Augstein kann das nicht nachvollziehen, natürlich nicht: "Merken Sie, wie eine Welle der Erleichterung durch das ganze Land schwappt, weil endlich diese bleiernen Merkel-Jahre ans Ende gekommen sind?", fragt Augstein den RTL-Nachrichtenchef. "Angela Merkel ist das beste Beispiel dafür, dass man eine Amtszeitbegrenzung braucht." Während die ersten zwei Legislaturperioden in Ordnung gewesen seien, hätte es der zweiten Hälfte nicht bedurft.

Den Publizisten Augstein ärgert vor allem ein vermeintlicher Stillstand während der vergangenen Jahre: "Sie hat das Land in eine Stagnation geführt. Der Reformstau ist so groß, dass selbst die Leute ihrer eigenen Partei sagen, wir brauchen einen Neustart." Blome räumt zwar ein, dass hier und da Dinge liegen geblieben seien, aber: "Jetzt überlegen Sie sich mal, wer dieses Land durch vier aufeinanderfolgende große Krisen geführt hat?". Am Ende sei Deutschland immer etwas stärker aus der Krise hervorgegangen, nur bei Corona sei dies noch abzuwarten.

"Werden sie vermissen und nicht vergessen"

Da wird Augstein leidenschaftlich: "Sie träumen doch! Von der Bildung will ich gar nicht reden; Digitalisierung, Verkehr, Klima: Die Frau, die als Klimakanzlerin angefangen hat und nachher sich mit der Automobilindustrie nicht anlegen wollte und jetzt ihrerseits sagt, wo sie aufhört, beim Klima, da müsste man noch 'ne Menge tun. Das ist so traurig." Blome wird ärgerlich, "dreist" seien Augsteins Anwürfe. "Deutschland hat unter Angela Merkel das Klimaziel, das es sich gesetzt hat, im Jahr 2020 erreicht", stellt Blome fest.

Und die soziale Frage? "Für die 20 Prozent der Werktätigen in Deutschland, die Mindestlohn bekommen oder prekär beschäftigt sind, hat sich das nicht ausgezahlt, weil Merkel diejenigen, denen es schlecht geht, einfach ignoriert", wütet Augstein. Blome widerspricht erneut: "2,5 Millionen Menschen wurden unter ihrer Amtszeit wieder in den Arbeitsmarkt gebracht. Das waren 5 Millionen Arbeitslose und jetzt hat man die Hälfte. Das ist eine echte Erfolgsgeschichte."

Die Stadtrundfahrt entlang Unter den Linden inspiriert Blome zu einem Vergleich: "Sie hat gesessen, wie der Berliner Dom: Wo sie war, das war die Mitte. Und wenn die Mitte sich ein bisschen verschoben hat, weil die Gesellschaft sich ein bisschen modernisiert, geöffnet hat, dann hat sie mitverschoben", stellt Blome fest.

"Das ist total wertvoll für eine Gesellschaft, so einen Anker zu haben. Deswegen werden wir sie vermissen und nicht vergessen", sagt Blome. Ob das ausreicht, um Augstein davon zu überzeugen, dass er ebenfalls artig Danke sagen geht bei der Kanzlerin?

Das ist die sechste Folge von "Gegenverkehr". Die fünfte Ausgabe finden Sie hier.

Quelle: ntv.de

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