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Deutsches Signal an Nordkorea Merkel telefoniert mit Lee

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Eine zerstörte Häuserzeile auf der Insel Yeonpyeong.

(Foto: dpa)

Bundeskanzlerin Merkel verurteilt in einem Telefonat mit Südkoreas Präsidenten den Angriff Nordkoreas scharf. Außenminister Westerwelle bestellt den nordkoreanischen Botschafter ein. Die USA planen unterdessen ein gemeinsames Militärmanöver mit Südkorea. ´

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(Foto: Stepmap.de)

Nach dem Granatenangriff auf eine südkoreanische Insel hat Bundeskanzlerin Angela Merkel China und Russland aufgefordert, mäßigend auf Nordkorea einzuwirken. Mit Blick auf die beiden ständigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat appellierte die Kanzlerin an "diejenigen, die Einfluss auf die Entwicklung in Nordkorea haben", das kommunistische Land von "weiteren Provokationen" abzuhalten. Merkel äußerte sich in einem Telefonat mit dem südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak.

Nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert lobte die CDU- Vorsitzende die Südkoreaner ausdrücklich für deren "besonnenes Vorgehen". Deutschland unterstütze auch die internationalen Bemühungen für eine Stellungnahme des Sicherheitsrats.

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Die "USS George Washington" bei einem Manöver im Juli 2010.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wegen des Angriffs wurde auch der nordkoreanische Botschafter in Berlin ins Auswärtige Amt einbestellt. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte im Bundestag: "Eine solche Aggression ist durch nichts zu rechtfertigen." Die internationale Gemeinschaft werde sich nicht erpressen lassen. Die Bundesregierung forderte Nordkorea auch auf, sein Atomprogramm offenzulegen und sich ans bestehende Waffenstillstandsabkommen zu halten.

Der deutsche Regierungssprecher forderte Nordkorea eindringlich auf, weitere Angriffe und Provokationen zu unterlassen und die Bestimmungen des Waffenstillstandsabkommens zu respektieren. Die militärischen Provokationen sowie die jüngste Offenlegung Nordkoreas zu seinem Nuklearprogramm gäben der Weltgemeinschaft Grund zu großer Sorge. Das Land müsse sein militärisches Atomprogramm aufgeben.

Manöver beginnt

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Das Gefecht dauerte etwa eine Stunde.

(Foto: dpa)

Nach dem Angriff planen Südkorea und die USA nun ein gemeinsames Militärmanöver. Die Übung soll ab Sonntag stattfinden. Der atombetriebene US-Flugzeugträger "USS George Washington" mit 75 Kampfflugzeugen und einer über 6000 Mann starken Besatzung ist bereits auf dem Weg in südkoreanische Gewässer.

Ein Sprecher der US-Armee in Seoul sagte, die "USS George Washington" habe ihren Stützpunkt südlich von Tokio verlassen. Geplant sei die Teilnahme an Übungen mit Südkorea von Sonntag bis kommenden Mittwoch. "Diese Übung ist defensiver Natur", teilten die US-Streitkräfte in Korea mit. Sie sei bereits vor der "grundlosen Artillerieattacke" vom Vortag geplant gewesen. "Sie beweist die Stärke der Allianz von Südkorea und den USA und unser Bekenntnis zu regionaler Stabilität durch Abschreckung", heißt es in der Mitteilung weiter.

Zwei weitere Leichen gefunden

Bei dem Granatenangriff Nordkoreas wurden nach jüngsten Angaben vier Menschen getötet. Am Mittwoch wurden die verkohlten Leichen zweier Arbeiter auf einer Baustelle für ein Wohnheim der Marine gefunden, berichtete der Sender KBS unter Berufung auf die Küstenpolizei. Unmittelbar nach dem Angriff auf die Insel Yonpyong hatten die südkoreanischen Behörden mitgeteilt, dass zwei Soldaten getötet wurden. Südkorea hatte das Granatfeuer aus Nordkorea am Dienstag erwidert.

Das Gefecht dauerte rund eine Stunde. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums griff Nordkorea die Insel am Dienstag mit 170 Granaten an. Südkorea habe darauf mit 80 Kanonenschüssen geantwortet.

"Schulter an Schulter"

US-Präsident Barack Obama versicherte dem südkoreanischen Präsidenten, dass beide Länder in dem Konflikt mit Nordkorea "Schulter an Schulter" stehen würden. Nach einem Spitzentreffen Obamas mit den US-Sicherheitsbehörden erklärte er zuvor, die Unterstützung der USA für Südkorea sei "unerschütterlich". Es sollten Wege für "Frieden und Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel" gefunden werden.

Trotz der kriegerischen Rhetorik aus Seoul und Pjöngjang kündigte Washington eine "maßvolle und gemeinsame" Antwort an, bei der China und die anderen Länder der Sechs-Parteien-Gespräche eingebunden sein sollen.

Durch die Zusammenarbeit mit den Partnerstaaten "wählen wir einen überlegten, langsamen Weg, um auf diese jüngste Provokation zu reagieren", sagte US-Außenamtssprecher Mark Toner in Washington. "Nordkoreas Verhalten war sehr, sehr schlecht; provokativ und kriegerisch". An den Sechser-Gesprächen sind die USA, Nordkorea, China, Südkorea, Japan und Russland beteiligt. Das Nachbarland China äußerte sich "besorgt" über den Granatenbeschuss, Japan verurteilte das Vorgehen. Russland rief beide Seiten zur Besonnenheit auf.

Südkorea schickt Kanonen nach Yonpyong

Derweil will Südkorea die beschossene Insel im Gelben Meer militärisch verstärken. "Wir haben sechs Artillerie-Kanonen vom Typ K9 auf der Insel Yonpyong und wollen weitere dort stationieren", sagte Verteidigungsminister Kim Tae Young im Verteidigungsausschuss des Parlaments in Seoul. Es sollten außerdem Langstreckenwaffen und Panzer auf die Insel gebracht werden.

Die Insel Yonpyong liegt westlich der koreanischen Halbinsel im Gelben Meer, unweit der Seegrenze, die von den Vereinten Nationen nach dem Korea-Krieg der Jahre 1950 bis 1953 festgelegt worden war und von Nordkorea nicht anerkannt wird.

Quelle: n-tv.de, hvo/rts/AFP/dpa

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