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Staatschef Al-Baschir abgesetzt Militär putscht sich im Sudan an die Macht

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Verteidigungsminister Awad Ibn Auf gibt im Fernsehen die Absetzung von Machthaber Al-Baschir bekannt.

(Foto: REUTERS)

Nach monatelangen Protesten gegen die Regierung übernehmen die Streitkräfte die Kontrolle im Sudan. Präsident Al-Baschir, der das Land zuvor 30 Jahre autoritär regiert hat, befindet sich in Gewahrsam. Die Opposition kritisiert den Umsturz durch das Militär.

Das Militär im Sudan hat nach Angaben des Verteidigungsministers Awad Ibn Auf die Macht in dem Land übernommen. Es werde eine von den Streitkräften geführte zweijährige Übergangsphase geben, nach der eine Wahl stattfinden soll, teilte Ibn Auf in einer TV-Ansprache mit. Langzeitmachthaber Omar al-Baschir sei festgenommen worden und an einem sicheren Ort. Ibn Auf, der bislang unter Al-Baschir auch Vizepräsident war, soll die neue Militärregierung anführen.

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Sudans Präsident Al-Baschir ist nicht mehr an der Macht. (Archivbild).

(Foto: picture alliance / Philip Dhil/E)

Der Minister verkündete zudem einen Ausnahmezustand für drei Monate und für einen Monat eine nächtliche Ausgangssperre von 22.00 Uhr bis 04.00 Uhr morgens. Der sudanesische Luftraum sei für 24 Stunden geschlossen. Alle politischen Gefangenen würden freigelassen. Zudem erklärte Ibn Auf eine Waffenruhe im ganzen Land - dies würde wohl auch die Unruheregion Darfur einschließen. Unterdessen rät das Auswärtige Amt von nicht dringend nötigen Reisen in das Land ab. Reisende vor Ort sollten möglichst in sicheren Unterkünften verbleiben und die weitere Entwicklung verfolgen, hieß es weiter.

Proteste sollen weitergehen

Die Anführer der Massenproteste, die Al-Baschirs Herrschaft ins Wanken gebracht hatten, verurteilten den Putsch der Streitkräfte und forderten eine zivile Übergangsregierung. Die Sitzblockade vor der Zentrale der Streitkräfte in der Hauptstadt Khartum und Proteste in den Straßen sollten weitergehen, forderte die Opposition in einer gemeinsamen Mitteilung auf Facebook. Es regierten weiter die gleichen Gesichter, hieß es in der Mitteilung von Oppositionsparteien und der SPA, einer gewerkschaftsähnlichen Interessensvertretung. Die Proteste würden fortgesetzt, bis "eine zivile Übergangsregierung die Macht übernehme, die den Willen der Revolution" vertrete. 

Dem Putsch waren monatelange Massenproteste vorausgegangen: Im Dezember gingen die Menschen auf die Straße, um gegen die Erhöhung von Benzin- und Brotpreisen zu protestieren, schon bald forderten die Demonstranten aber auch den Rücktritt Al-Baschirs. Den Protesten hatten sich erstmals breite Bevölkerungsschichten angeschlossen. Seit Samstag war es zu einer Sitzblockade vor der Militärzentrale in der Hauptstadt Khartum gekommen, die auch gleichzeitig die offizielle Residenz von Al-Baschir ist. Tausende Menschen protestierten friedlich.

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Zunächst gingen die Sicherheitskräfte hart vor, noch am Wochenende wurden rund 2500 Menschen festgenommen. Einem Ärzteverband zufolge kamen mindestens 21 Menschen ums Leben. Doch diese Woche gab es erste Zeichen, dass Teile der Sicherheitskräfte die Demonstranten gewähren ließen - ein Hinweis auf Risse im Machtsystem Al-Baschirs.

Internationaler Haftbefehl gegen Al-Baschir

Noch im Februar hatte der 75-Jährige einen Ausnahmezustand verhängt, löste seine Regierung und jene der Bundesstaaten auf und erklärte, er würde als Chef der Regierungspartei zurücktreten. Doch es war zu wenig und zu spät. Die Lage entschärfte sich dadurch nicht, seine Maßnahmen gaben den Demonstranten eher Rückenwind.

Al-Baschir hatte sich 1989 mithilfe von Islamisten an die Macht geputscht. Seitdem regierte er den Sudan mit harter Hand. Gegen ihn besteht seit Jahren ein internationaler Haftbefehl wegen Völkermordes. In der Provinz Darfur wurden nach UN-Angaben in den Jahren seit 2003 im Konflikt zwischen Regierung und Rebellen 300.000 Menschen getötet.

Der Sudan ist einem UN-Index zufolge eines der 25 ärmsten Länder der Welt. Bis zur Abspaltung des Südsudans war die Wirtschaft stark vom Öl abhängig, das der Weltbank zufolge die Hälfte der Staatseinnahmen und 95 Prozent der Exporte ausmachte. Doch 2011 verlor der Sudan die meisten Ölfelder. 2019 wird dem Internationalen Währungsfonds zufolge mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung von 2,3 Prozent gerechnet. In dem Land im Nordosten Afrikas leben rund 40 Millionen Menschen.

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa/AFP

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