Politik

Entscheidung bei Königgrätz 1866Mit einer Schlacht zerbrach Österreichs Vormacht in Deutschland

03.07.2026, 17:22 Uhr
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Eintreffen der preußischen 2. Armee unter Kronprinz Friedrich Wilhelm auf dem Schlachtfeld. Gemälde von Christian Sell, 19. Jahrhundert. (Foto: picture alliance / Artcolor)

Die Rivalität zwischen Habsburgern und Hohenzollern gipfelt im Sommer 1866 in einer Entscheidungsschlacht. Bei Königgrätz besiegt Preußen am 3. Juli seinen jahrzehntelangen Konkurrenten und übernimmt die Führung in Deutschland. Moderne Kriegsführung macht den Unterschied.

Noch am Morgen des 3. Juli 1866, als preußische Ulanen auf den Gegner zu galoppieren, gilt Österreich als stärkste Macht in Mitteleuropa. Doch als bei Einbruch der Nacht Wiens geschlagene Armee über die Elbe zurückflutet, ist dieser Ruf dahin. Die "Illustrated London News" schreibt, auf diesem Kriegsschauplatz hätten sich Ereignisse von so erschreckender Art und vermutlich solcher Bedeutung für die Zukunft zugetragen, dass einem beim Versuch, ihre wahre Tragweite abzuschätzen, schwindlig werde. In der Schlacht bei Königgrätz, dem heutigen Hradec Králové in Ostböhmen, beweist Preußen im Sommer 1866 seine militärische Überlegenheit und etabliert sich endgültig als Vormacht der deutschen Staaten.

Begonnen hat der Zwist mit dem Aufstieg des Hauses Brandenburg-Preußen und dem Angriff Friedrichs des Großen (1712–1786) auf das österreichische Kronland Schlesien im Jahr 1740. Zwar verbünden sich die beiden Rivalen zeitweise gegen Napoleon, das Misstrauen aber bleibt.

1864 - Otto von Bismarck (1815–1898) ist inzwischen preußischer Ministerpräsident - kommt es noch einmal zu einem gemeinsamen Waffengang um Schleswig und Holstein gegen Dänemark. Das unterliegt und muss die Herzogtümer samt Lauenburg abtreten . Doch über die Beute zerstreiten sich die Sieger: Bismarck provoziert einen Zwischenfall nach dem anderen. Kaiser Franz Joseph (1830–1916) soll sich damals gefragt haben: "Wie kann eine Seite den Krieg vermeiden, wenn die andere ihn will?"

Im Frühjahr 1866 mobilisiert Österreich und setzt im Deutschen Bund die Aufstellung der Bundesarmee durch. Auf seine Seite stellen Sachsen, Bayern, Württemberg, Baden, Hannover und die hessischen Staaten. Preußen schließen sich die norddeutschen Länder und Italien an. Unter den Armeen genießt die österreichische ein hohes Ansehen: Ihre kämpfende Truppe zählt rund 320.000 Mann, die Preußen sind etwa gleich stark - obwohl das Königreich nur halb so viele Einwohner hat wie die 35 Millionen der Habsburgermonarchie.

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Es beginnt der Deutsche Krieg. Während preußische Truppen Sachsen, Kurhessen und Hannover besetzen, marschiert die Hauptmacht nach Böhmen. Die hannoversche Armee gewinnt am 27. Juni zunächst die Schlacht bei Langensalza, muss sich aber zwei Tage später ergeben - sie ist eingeschlossen. Bei Königgrätz stoßen dann Preußen und Österreicher aufeinander - auf dem Feld stehen mehr als 400.000 Soldaten.

Königgrätz gilt als eine der ersten Schlachten, deren Verlauf das Industriezeitalter mitbestimmt. Erst Eisenbahn und Telegraf ermöglichen es, derart große Heere rechtzeitig zusammenzuführen: Preußens Generalstabschef Helmuth von Moltke (1800–1891) dirigiert drei getrennt anmarschierende Armeen so, dass sie sich erst auf dem Schlachtfeld vereinen.

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Das Zündnadelgewehr der preußischen Infanterie galt in der Forschung lange als "Wunderwaffe". (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Lange gilt das von Johann Nikolaus von Dreyse (1787–1867) entwickelte Zündnadelgewehr der preußischen Infanterie als "Wunderwaffe". Die neuere Forschung urteilt zurückhaltender. Der Hinterlader, mit dem die Linien-Regimenter seit 1841 ausgerüstet sind, lässt sich rund dreimal so schnell und auch im Liegen nachladen - ein Vorteil, der vor allem in der Verteidigung zählt. In der Reichweite ist die Waffe den österreichischen Lorenz-Vorderladern aber unterlegen, und auch die österreichische Artillerie ist der preußischen an Präzision und Beweglichkeit überlegen. Doch den Ausgang bestimmt weniger die Waffentechnik als die Operationsführung.

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Entschieden wird die Schlacht am Ende durch das rechtzeitige Eintreffen der 2. preußischen Armee unter dem Kronprinzen, die die Höhe von Chlum nimmt und die Österreicher von der Flanke her unter verheerendes Feuer stellt. Ebenso prägen die Fehler der österreichischen Führung unter Ludwig von Benedek (1804–1881) den Ausgang der Schlacht.

Um einem Eingreifen Frankreichs zuvorzukommen, drängt Bismarck nach der Schlacht auf einen raschen Frieden. Der Vertrag mit Österreich wird am 23. August geschlossen, die Übereinkommen mit den süddeutschen Staaten folgen Anfang September. Preußen verleibt sich Schleswig-Holstein, Hannover, Kurhessen, Nassau und Frankfurt ein. Mit dem Ausscheiden Österreichs zerbricht der Deutsche Bund; an seine Stelle tritt der Norddeutsche Bund unter Preußens Führung - die Keimzelle des deutschen Kaiserreiches, das fünf Jahre später in Versailles proklamiert wird. Eine späte Folge der Entscheidung, die 1866 bei Königgrätz fällt.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa

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