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Aus Molenbeek stammten einige der Terroristen, die in Europa Anschläge verübten.
Aus Molenbeek stammten einige der Terroristen, die in Europa Anschläge verübten.(Foto: dpa)
Donnerstag, 02. November 2017

Besuch in Brüssels "Terrornest": Molenbeek will Wilders nicht haben

Der Brüsseler Stadtteil Molenbeek ist berüchtigt: Für Drogenkriminalität, soziale Probleme - und als Heimat von Terroristen. Nun will ausgerechnet der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders die Gemeinde besuchen. Die Bürgermeisterin untersagt das.

Die Brüsseler Gemeinde Molenbeek hat einen Besuch des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders offiziell verboten. Bürgermeisterin Françoise Schepmans ließ eine für diesen Freitag angekündigte Veranstaltung Wilders' und des belgischen Rechtspopulisten Filip Dewinter per Versammlungsgesetz untersagen, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtet. In Medien wurden Wilders' Pläne auch als "Islam-Safari" bezeichnet. Molenbeek ist einer der berüchtigsten Bezirke Europas - ein "Terrornest" oder eine "Islamistenhochburg", wie es in der internationalen Presse oft heißt.

Die Reaktion von Geert Wilders kam prompt. "Und hiermit ist Molenbeek offiziell zum islamistischen Territorium erklärt worden. Feige!", twitterte der Niederländer. Was allerdings passieren würde, wenn sich Wilders und Dewinter lediglich zu einem Zweier-Spaziergang in Molenbeek einfänden, ist unklar. Wilders ist einer der bekanntesten Islam-Gegner Europas. Er hatte seinen Besuch in Molenbeek bereits Ende September angekündigt.

Der Stadtteil ist berüchtigt, weil viele der Terrorverdächtigen der vergangenen Jahre dort herkamen. Mehdi Nemmouche, der 2015 vor einem jüdischen Museum in Brüssel vier Menschen erschoss, wohnte ebenso in Molenbeek wie der mutmaßliche Drahtzieher der Terroranschläge von Paris im November 2015, Abdelhamid Abaaoud und sein mutmaßlicher Helfer Salah Abdeslam. Sie wuchsen hier auf. Auch die Terrorzelle der Brüsseler Anschläge im März 2016 hatte enge Verbindungen zu Molenbeek. Von den geschätzt rund 500 belgischen Dschihadisten, die sich in Syrien und Irak der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben, kommt mehr als jeder Zehnte aus Molenbeek.

Gute Bedingungen für Kriminelle aller Art

Die Gemeinde, in der rund 25 Prozent der Bewohner marokkanische Wurzeln haben, kämpft mit Problemen, die terroristische Strukturen und Radikalisierung begünstigen können. Die Jugendarbeitslosigkeit lag zuletzt bei Werten deutlich über 30 Prozent. Laut einer Studie des European Institute of Peace floriert zudem der Drogenhandel und es gibt wenig Wohnraum. In einer Liste der 589 belgischen Gemeinden wird Molenbeek als zweitärmste geführt.

Die Molenbeeker Bürgermeisterin Schepmans stand nach den Pariser und Brüsseler Terroranschlägen stark in der Kritik. Unverständnis herrschte darüber, wie mitten in Europa ein Rückzugsort für radikale Islamisten entstehen konnte. Auf kommunaler Ebene bemühte man sich also, den Kampf gegen religiös begründete Radikalisierung zu verschärfen. Allerdings ist man sich nicht einmal über die Ursachen einig. Ob es nun soziale Herausforderungen, Identitätskrisen oder Drogen sind - es gibt grundverschiedene Erklärungen. Die in Molenbeek operierenden islamistischen Netzwerke sind zudem kaum zu fassen, weil sie hoch mobil und fast unsichtbar agieren.

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Quelle: n-tv.de

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