Politik

Einer tot, der andere auf der Flucht Mutmaßliche Boston-Bomber sind Brüder

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Ein FBI-Beamter in Watertown. Das Team des Mannes umstellt ein Haus in der Kleinstadt.

(Foto: dpa)

Die beiden wahrscheinlichen Attentäter von Boston sind Brüder. Einer von ihnen ist tot, ebenso ein Polizist. Den zweiten Verdächtigen sucht die Polizei in der Umgebung der Kleinstadt Watertown. Hier sollen Sprengsätze auf der Straße liegen, die Stadt ist vollständig abgeriegelt. Selbst der Luftraum über der Region ist gesperrt. Die Herkunft der Täter legt einen islamistischen Hintergrund nahe.

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Polizisten setzen einen Verdächtigen fest.

(Foto: REUTERS)

Vier Tage nach den Bombenanschlägen auf den Boston-Marathon ist einer der Tatverdächtigen tot. Der zweite mutmaßliche Täter sei noch auf der Flucht, teilte der Bostoner Polizeikommissar Ed Davis mit.

Nach Befürchtungen der Polizei könnte der Flüchtige einen Sprengsatz am Körper tragen. Dem Sender NBC zufolge hatte sein mutmaßlicher Komplize eine Bombe um die Brust gebunden. Die Fahnder würden sich auf diese Gefahr vorbereiten, meldete CNN. Spezialisten seien am Ort. Der Mann sei "extrem, extrem gefährlich".

Nach einem Bericht der "New York Times" sind die beiden Verdächtigen Brüder tschetschenischer Herkunft im Altern von 19 und 26 Jahren. Der noch flüchtige Verdächtige sei als der 19-jährige Dschochar A. Zarnajew identifiziert worden, sein Bruder heißt demnach Tamerlan Zarnajew. Der Ältere war in der Nacht bei einer Verfolgungsjagd getötet worden.

Die Brüder hätten "militärische Erfahrung", so der Sender NBC. Wie lange sie schon in den USA waren, blieb zunächst unklar. In Washingtoner Sicherheitskreisen tendiere man zu der Annahme, dass das Attentat einen islamistischen Hintergrund habe, meldet die Nachrichtenagentur Reuters.

Ausgangssperre in Boston

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Das FBI veröffentlichte ein neues Fahndungsfoto des Flüchtigen. Das Bild links soll am Donnerstagabend beim Überfall auf ein Geschäft nahe Boston entstanden sein.

(Foto: AP)

Die Bürger Watertowns, wo die Sicherheitskräfte sich mit den Verdächtigen einen Schusswechsel geliefert hatten, wurden aufgefordert, ihre Türen verschlossen zu halten. Der öffentliche Personenverkehr im Großraum Boston wurde eingestellt, die Straßen von Watertown gesperrt. Später wurde über die Ausgangssperre auch über die gesamte Großstadt Boston ausgeweitet. "Bitte bleiben Sie zu Hause, schließen Sie die Tür ab und öffnen Sie nur Menschen, die sich eindeutig als Polizisten identifiziert haben", sagte der Gouverneur von Massachusetts, Deval Patrick.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA sperrte den unteren Luftraum über dem Nordwesten der Region Boston. Die Maßnahme soll den Sicherheitskräften uneingeschränkte Bewegungsfreiheit bei der Fahndung nach dem flüchtigen Tatverdächtigen verschaffen.

In einem Großeinsatz mit Unterstützung von Bundesbeamten und Militär durchsuchte die Polizei ein Haus nach dem anderen auf der Suche nach dem Flüchtigen. Vorausgegangen war eine Schießerei an der Elite-Universität MIT, bei der ein Polizist getötet wurde. Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) liegt in Cambridge, zwischen Watertown und Boston.

Polizist am MIT erschossen

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft waren gegen 22.20 Uhr (04.20 Uhr MESZ) bei der Polizei Meldungen über Schüsse am MIT eingegangen. Wenig später sei ein Beamter der Campus-Polizei angeschossen in seinem Wagen gefunden worden. Er starb an seinen Verletzungen. Den Behörden zufolge war er einer "Ruhestörung" nachgegangen.

Die Ermittlungen hätten ergeben, dass zwei Männer an dem Vorfall beteiligt waren, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Kurze Zeit später hätten dann zwei Männer mit gezogenen Waffen einen Mercedes-SUV gekapert und den Fahrer eine halbe Stunde in ihrer Gewalt gehalten, bevor er unverletzt an einer Tankstelle im Stadtteil Cambridge ausgesetzt worden sei.

Die Fahndung nach dem Fahrzeug habe in eine Verfolgungsjagd gemündet, bei der die Männer Sprengsätze aus dem Auto warfen und sich eine Schießerei mit der Polizei lieferten. Ein Polizist und ein Verdächtiger seien verletzt worden. Der Tatverdächtige sei im Krankenhaus für tot erklärt worden. Ein Arzt des "Beth Israel Deaconess Medical Center" sagte, der Mann habe mehrere Schusswunden und möglicherweise Verletzungen durch einen Sprengsatz gehabt.

Unbeteiligter wurde festgenommen

Zuvor hatte der Sender CNN ein Video von einer Festnahme gezeigt, auf dem zu sehen ist, wie ein Mann nackt zu einem Polizeifahrzeug geführt wird. Bei diesem Mann handelte es sich jedoch nicht um den Verdächtigen. Laut CNN wurde er später wieder freigelassen.

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Die Brüder waren auf einem Überwachungsvideo identifiziert worden.

(Foto: FBI)

US-Präsident Barack Obama wurde noch in der Nacht von einem Anti-Terror-Experten über die Ereignisse unterrichtet. Bei einer Gedenkfeier für die drei Toten und 176 Verletzten des Attentats hatte er am Donnerstag in Boston angekündigt, die Verantwortlichen würden aufgespürt und zur Rechenschaft gezogen.

"Ein Mann, der zum Töten hergekommen ist"

Etwa fünf Stunden vor der Schießerei am MIT hatte die Bundespolizei FBI Fotos von zwei Verdächtigen veröffentlicht. Auf Videoaufnahmen waren sie mit Rucksäcken zu sehen, in denen sich die Bomben befunden haben sollen. Ein Mann stellte seinen Rucksack ab. Einer der Verdächtigen trug eine dunkle Baseball-Mütze, der zweite eine helle. Bei dem flüchtigen Verdächtigen soll es sich nach Polizeiangaben um den Mann mit der weißen Mütze handeln.

"Ein Verdächtiger tot. Einer auf der Flucht. Bewaffnet und gefährlich. Mann mit weißer Mütze flüchtig", schrieb Polizeikommissar Davis auf Twitter. Später erklärte er: "Wir glauben, dass es sich um einen Terroristen handelt. Wir glauben, dass dies ein Mann ist, der zum Töten hierhergekommen ist. Wir müssen ihn fassen." Davis twitterte später ein Foto, das "heute Abend" aufgenommen worden sei.

Bei dem Anschlag am Montag waren zwei Bomben in kurzer Folge im Zieleinlauf des Marathons explodiert. Die Tat hat Erinnerungen an die Angriffe vom 11. September 2001 geweckt.

Quelle: ntv.de, sba/hvo/AFP/rts/dpa

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