Politik
Explosionspilze sind über Gaza momentan alles andere als eine Seltenheit.
Explosionspilze sind über Gaza momentan alles andere als eine Seltenheit.(Foto: dpa)
Samstag, 21. Juli 2018

Tote auf beiden Seiten: Nahost-Konflikt wird immer heißer

Die Situation im Gazastreifen wird immer brenzliger: Sowohl Hamas als auch die israelische Armee feuern mit schweren Kalibern auf Ziele jenseits der Grenze, mehrere Menschen sterben im Bombenhagel. Appelle, die zum Frieden aufrufen, verhallen ungehört.

Der Konflikt zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas ist gefährlich eskaliert. Nach tödlichen Schüssen militanter Palästinenser an der Grenze auf einen Soldaten bombardierte Israels Armee am Freitag zahlreiche Ziele im Gazastreifen mit Kampfjets und Panzern. Mindestens vier Palästinenser wurden dabei im südlichen Teil des Küstenstreifens getötet, wie das Gesundheitsministerium in Gaza mitteilte. Nach Angaben des militärischen Arms der Hamas waren drei der Getöteten Mitglieder der Organisation.

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Einwohner berichteten von mehreren schweren Explosionen in der Stadt Gaza. Israels Luftwaffe habe dort Hamas-Militärposten angegriffen. Die israelische Armee bestätigte einen "großflächigen Angriff israelischer Kampfjets gegen Hamas-Militärziele im gesamten Gazastreifen". Die israelische Armee teilte am Freitagabend mit, es seien 15 Militärziele im Hauptquartier eines Hamas-Bataillon in Saitun im Norden des Gazastreifens getroffen worden.

Der UN-Nahostgesandte Nickolaj Mladenow, der sich zuletzt gemeinsam mit Ägypten intensiv um eine Beruhigung der Lage bemüht hatte, schrieb in einem dramatischen Appell bei Twitter: "Alle in Gaza müssen einen Schritt vom Abgrund zurücktreten. Nicht nächste Woche. Nicht morgen. Jetzt sofort!" Jene, die "Palästinenser und Israelis dazu provozieren wollen, einen weiteren Krieg zu führen, dürfen keinen Erfolg haben", schrieb Mladenow.

"Breite und schmerzhafte Militäroffensive"

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beriet am Freitagabend bei einer Dringlichkeitssitzung in Tel Aviv mit der Militärführung über das weitere Vorgehen. Verteidigungsminister Avigdor Lieberman hatte zuvor gesagt, die Hamas dränge Israel mit aller Macht zu einer "breiten und schmerzhaften Militäroffensive". Nach Medienberichten feuerten militante Palästinenser am Freitag erneut mehrere Raketen und Mörsergranaten auf israelisches Gebiet. Die Einwohner entlang des Gazastreifens wurden aufgerufen, sich in der Nähe von Schutzräumen aufzuhalten.

Trotz alledem war es am Freitag entlang der Gaza-Grenze erneut zu Demonstrationen gekommen. Nach Augenzeugenberichten verbrannten Palästinenser Reifen, versuchten den Grenzzaun zu Israel zu beschädigen und schickten Brand-Drachen und -Ballons auf israelisches Gebiet. Nach Angaben von Sanitätern wurden mehrere Palästinenser durch Schüsse israelischer Soldaten verletzt.

Seit Ende März sind bei teilweise gewaltsamen Protesten nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza 147 Palästinenser von israelischen Soldaten getötet und Tausende verletzt worden. Die Palästinenser fordern ein Ende der vor mehr als zehn Jahren verhängten Gaza-Blockade und ein Rückkehrrecht in das israelische Staatsgebiet. Sie beziehen sich dabei auf Flucht und Vertreibung Hunderttausender im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948.

Quelle: n-tv.de