Politik

Neues Personal im Pentagon Nato fürchtet schnellen US-Abzug aus Kabul

28865228.jpg

US-Präsident Trump hatte den Abzug der US-Truppen aus Afghanistan noch vor Weihnachten versprochen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Stühlerücken im Pentagon lässt Nato-Spitzen für Afghanistan das Schlimmste befürchten. Ein früherer Oberbefehlshaber rechnet mit einem chaotischen Abzug der US-Truppen noch vor Weihnachten. Präsident Trump sieht er auf einem Rachefeldzug, der eines militärischen Führers unwürdig sei.

Der frühere Nato-Oberbefehlshaber James Stavridis hat die Neubesetzung mehrerer Spitzenposten im US-Verteidigungsministerium durch US-Präsident Donald Trump scharf kritisiert - er rechnet nun mit chaotischen Entscheidungen. "Ich fürchte, dass die Personen, die Trump jetzt eingesetzt hat, ihm zum spontanen und nicht ausgeplanten Abzug aller US-Truppen aus Afghanistan noch vor Weihnachten raten werden", sagte Stavridis dem "Spiegel". Die Nato-Partner, "darunter auch Deutschland", müssten dann "in Windeseile abziehen".

Trump hatte am Montag überraschend US-Verteidigungsminister Mark Esper entlassen. In der Folge wurden auch drei wichtige Posten im Verteidigungsministerium neu vergeben. Stavridis kritisierte die Auswechslung kurz nach der Präsidentenwahl. "Es ist eine Schande, was Präsident Trump da macht", sagte der pensionierte US-Admiral, der von 2009 bis 2013 alle Nato-Truppen in Europa kommandierte. Trump sei sauer und frustriert, dass er die Wahlen verloren habe. "Er holt zur Rache an Untergebenen aus, lässt seinen Emotionen freien Lauf", sagte Stavridis. Trump habe damit gezeigt, "dass er als militärischer Führer völlig ungeeignet ist".

"Übereilter Abzug hätte dramatische Folgen"

Die Folgen eines übereilten Abzugs aus Afghanistan bezeichnete Stavridis als dramatisch. "Ohne den militärischen Druck werden die Friedensgespräche der afghanischen Regierung kollabieren", warnte er. "Das bisschen, was wir in Afghanistan erreicht haben, wäre auf einen Schlag verloren", ergänzte Stavridis.

Trump hatte Anfang Oktober erklärt, er wolle die verbliebenen US-Soldaten in Afghanistan bis Weihnachten abziehen. Dies hatte für erhebliche Unruhe im Bündnis gesorgt, denn es wäre deutlich früher als bisher erwartet.

In einem mit den radikalislamischen Taliban geschlossenen Abkommen hatten sich die USA verpflichtet, ihre Streitkräfte bis Mai 2021 schrittweise abzuziehen. Im Gegenzug sagten die Taliban Friedensverhandlungen mit der Regierung in Kabul zu.

Quelle: ntv.de, mau/AFP

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.