Politik

Mikrofon-Panne Netanjahu schimpft auf die EU

c8dcb44fdca1784c44d9887cfc49426d.jpg

Benjamin Netanjahu möchte nicht, dass sich die EU um politische Fragen schert. Er will Geschäfte machen.

(Foto: AP)

Beim Besuch in Budapest präsentiert sich Israels Ministerpräsident Netanjahu der Öffentlichkeit als erfahrener Diplomat - doch hinter verschlossenen Türen endet die Höflichkeit. Eine Technikpanne offenbart, was der Regierungschef tatsächlich über die EU denkt.

Durch eine Mikrofon-Panne ist Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Medienberichten zufolge beim Lästern über die Europäische Union ertappt worden. Es sei "verrückt", wie die EU Israel behandele, sagte Netanjahu laut dem Nachrichtenportal "ynet" bei seinem Besuch in Ungarn. "Die Europäische Union ist die einzige Vereinigung von Ländern weltweit, die ihre Beziehungen mit Israel (...) an politische Bedingungen knüpft", zitiert ihn die Zeitung "Haaretz". Netanjahus Äußerungen drangen ungewollt an die Öffentlichkeit: Sie wurden offenbar versehentlich aus dem Tagungsraum nach draußen übertragen.

Netanjahu bezog sich mit seiner Kritik laut "ynet" auf technologische Kooperationen, die die EU zur Bedingung machte, um die Voraussetzungen für Friedensgespräche zwischen Israel und den Palästinensern zu schaffen. Als positive Gegenbeispiele zur EU nannte Netanjahu China, Russland und Indien: Diese Länder betrieben gute Geschäfte mit dem "Innovationsriesen Israel", ohne sich "um politische Fragen zu scheren".

Israels Regierungschef befand sich den Berichten zufolge unter anderem im Gespräch mit Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban. Sein Mikrofon war bei dem privaten Treffen zeitweise noch eingeschaltet, so dass ihn Journalisten außerhalb des Zimmers hören konnten. "Europa gefährdet seine eigene Entwicklung, indem es seine Beziehung zu Israel in Gefahr bringt wegen dieses verrückten Versuchs, Bedingungen zu schaffen" für einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern, sagte er laut "ynet" weiter.

"Europa muss sich entscheiden"

Hinter verschlossenen Türen warnte Netanjahu demnach auch vor den Folgen massenhafter Einwanderung. Es dürften nicht jene europäischen Länder unterminiert werden, "die europäische Werte und Interessen verteidigen und eine weitere Masseneinwanderung nach Europa vermeiden", sagte er. "Europa muss sich entscheiden, ob es leben und florieren will - oder ob es schrumpfen und verschwinden will."

Außerdem äußerte sich Netanjahu zu israelischen Luftschlägen gegen Waffenlieferungen für die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah in Syrien. "Ich habe (Russlands Präsident) Putin gesagt, wenn wir sehen, dass (der Iran) Waffen zur Hisbollah bringt, dann treffen wir die. Wir haben das schon dutzende Male gemacht." Israel äußert sich üblicherweise nicht zu diesen Angriffen.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa/AFP

Mehr zum Thema