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Dienstag, 17. Juli 2018

Indirekte Spitze gegen Trump: Obama keilt gegen lügende Politiker

Nelson Mandela hat mit seinem Wirken Millionen Menschen inspiriert - auch den früheren US-Präsidenten Obama. In einer Rede zum 100. Geburtstag des Freiheitskämpfers spricht er sich für einen Kampf um Gerechtigkeit aus. Für Populisten hat er keine warmen Worte übrig.

Der einst von Nelson Mandela angeführte Kampf gegen die Diskriminierung von Menschen anderer Hautfarbe muss nach Ansicht des früheren US-Präsidenten Barack Obama in Zeiten des zunehmenden Populismus entschiedener denn je geführt werden. "Der Kampf um Gerechtigkeit ist nie vorüber", sagte Obama in Johannesburg vor mehr als zehntausend Zuhörern bei einer Rede zu Ehren des Anti-Apartheidkämpfers Mandela.

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Der 2013 gestorbene Friedensnobelpreisträger wäre am Mittwoch 100 Jahre alt geworden. Sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Südafrika gebe es nach wie vor Rassismus, sagte Obama, der erster schwarzer US-Präsident gewesen ist. Jahrzehnte der Diskriminierung hätten zu großer Ungleichheit und Armut geführt. Es gebe immer noch zu viele Menschen, die sich von Menschen, die nicht wie sie selbst aussähen oder sprächen, bedroht fühlten. Im Westen gebe es zudem inzwischen immer mehr Parteien, die eine offen nationalistische Agenda verträten, warnte Obama.

Der 56-Jährige befand, es sei traurig, dass er 100 Jahre nach Mandelas Geburtstag immer noch betonen müsse, das alle Menschen gleich seien. "Schwarze, Weiße, Asiaten, Lateinamerikaner, Frauen und Männer, Schwule und Heterosexuelle - wir sind alle Menschen; was uns unterscheidet, ist oberflächlich." Wenn Menschen lernen könnten, einander zu hassen, dann könne man ihnen auch beibringen, einander zu lieben. "Ich glaube an Nelson Mandelas Vision", sagte Obama.

Mandela habe die Hoffnung der Besitzlosen in der ganzen Welt auf ein besseres Leben dargestellt. "Ich glaube an Nelson Mandelas Vision von Gleichheit und sozialer Gerechtigkeit." Sogar aus seiner kleinen Gefängniszelle heraus habe Mandela viele Menschen - darunter auch ihn selbst - inspiriert, sagte Obama.

Politiker dürfen nicht "Sachen erfinden"

Obama nannte Frankreichs Fußball-Nationalmannschaft als Vorbild für die Welt. Durch Gleichberechtigung könne eine Gesellschaft auf die Talente, Energie und Fähigkeiten all ihrer Mitglieder zurückgreifen. "Wenn du daran zweifelst, dann frage einfach die französische Fußballmannschaft", sagte er. "Nicht all die Leute sehen für mich wie Gallier aus. Aber sie sind Franzosen. Sie sind Franzosen." Frankreich hatte am Sonntag in Russland die Fußballweltmeisterschaft gewonnen. Von den 23 Spielern haben 14 einen afrikanischen Migrationshintergrund.

In einer kaum versteckten Anspielung an den Politikstil von US-Präsident Donald Trump forderte Obama, Politiker müssten an Fakten glauben und dürften nicht einfach "Sachen erfinden". "Ohne Fakten gibt es kein Grundlage für Zusammenarbeit mehr", warnte Obama, der Trump allerdings nicht namentlich erwähnte.

Dafür sprach er Themen an, die auf Trumps Politikstil Bezug nahmen - etwa dessen Leugnung des Klimawandels trotz gegensätzlicher Erkenntnisse von Wissenschaftlern, das Schließen von Grenzen gegenüber Migranten und die Politik "starker Männer". Letztere würden zum Teil versuchen, jede Institution oder Norm, die der Demokratie Bedeutung gibt, zu untergraben. Zum Gelächter des Publikums sagte er: "Ich dachte nie, dass ich ein großer Politiker sei, nur weil ich keine Sachen erfinde."

In diesen "sonderbaren und unsicheren Zeiten" bringe jeder Tag "mehr schwindelerregende und verstörende" Schlagzeilen. Obama warnte vor einer "Politik der Angst und des Ressentiments". Diese werde von eben jenen Anführern betrieben, die Fakten verachteten und "völlig schamlos" Lügen verbreiteten. Es sei "zum Teil die Schuld der Regierungen und mächtiger Eliten", "dass wir nun sehen, wie große Teile der Welt zu einer älteren, gefährlicheren, brutaleren Art des Handelns zurückzukehren drohen."

Quelle: n-tv.de