Politik

Missbrauchsopfer in Mexiko Opfer beschuldigen Papst

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Was wusste Joseph Ratzinger alias Papst Benedikt XVI.?

(Foto: dpa)

Wusste Papst Benedikt XVI. von den Machenschaften Marcial Maciels? Der führende Geistliche soll in Mexiko Kinder missbraucht und mehrere selbst gezeugt haben. Als Mitglied der Glaubenskongregation behinderte er die Aufklärung des Falles, so die Anklage von Opfern und Experten. Und das gemeinsam mit Papst Johannes Paul II.

Opfer von sexuellem Missbrauch in Mexiko haben schwere Vorwürfe gegen Papst Benedikt XVI. erhoben. Der 84-Jährige habe in seiner Zeit als Chef der Glaubenskongregation im Vatikan die Aufklärung des Missbrauchsskandal um den inzwischen verstorbenen Gründer des Ordens der Legionäre Christi, Marcial Maciel, behindert, heißt es in einem Manifest, das die Opfer aus Anlass des Papstbesuches in Mexiko veröffentlichten. Eines der Opfer, José Barba, beklagt in der Videobotschaft, dass sie über Jahre nicht gehört worden seien.

Als Chef der Glaubenskongregation habe er von den kriminellen Machenschaften Maciels gewusst und sie verschwiegen, sagten Fernando González von der nationalen Universität UNAM, der Ex-Priester Alberto Atié und der Religionsexperte Bernardo Barranco bei der Vorstellung des Buches "La voluntad de no saber" ("Der Wille, nicht zu wissen").

Auch Johannes Paul II. involviert?

Der Skandal um Maciel (1920-2008) hatte in den vergangenen Jahren in Mexiko für erhebliches Aufsehen gesorgt. Der Geistliche wurde beschuldigt, nicht nur Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht, sondern auch mit zwei Frauen drei Kinder gezeugt zu haben. In dem jetzt veröffentlichten Buch sind den Angaben zufolge Dokumente aus den vatikanischen Archiven enthalten, die belegen sollen, dass Johannes Paul II. und sein Nachfolger über Maciel Bescheid wussten, aber nichts gegen ihn unternommen haben.

Die Experten forderten Benedikt auf, sich als die höchste Autorität der Kirche für den Missbrauch der Jugendlichen zu entschuldigen und die notwendigen Maßnahmen anzukündigen, damit sich derartige Situationen nicht wiederholten. Die Opfer des Missbrauchsskandals kritisierten zudem, dass das Thema auch bei dem Besuch des Papstes in Mexiko nicht zur Sprache kommen soll. Treffen von Benedikt XVI. mit Opfern pädophiler katholischer Priester wie in den USA oder Irland waren in Mexiko nicht geplant.

Treffen mit Mexikos Staatschef

Der Papst feierte im zentralmexikanischen Léon zunächst eine private Messe, bevor er zu einem weiteren Treffen mit Staatschef Felipe Calderón in Guanajuato aufbrach. Dort, in der Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaats, wurde er von Calderón und dessen Ehefrau empfangen.

Bei seiner Ankunft in Mexiko am Freitagnachmittag war er von hunderttausenden Mexikanern bejubelt worden.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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