Politik

Streit um ausländische Hilfe Opposition meldet Tote an Venezuelas Grenze

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An mehreren Grenzübergängen zwischen Brasilien und Venezuela kam es zu Auseinandersetzungen.

(Foto: REUTERS)

An den Grenzen Venezuelas sind umfangreiche Hilfslieferungen eingetroffen. Mit aller Gewalt will der umstrittene Präsident Maduro die notleidende Bevölkerung daran hindern, sie abzuholen. Das Militär eröffnet offenbar das Feuer und tötet zwei Menschen.

Venezolanische Soldaten haben einer Menschenrechtsorganisation zufolge an der Grenze zu Brasilien zwei Menschen getötet und 15 weitere verletzt. "Eine indigene Frau und ihr Ehemann wurden getötet und mindestens 15 andere Mitglieder der indigenen Pemón-Gemeinde wurden verletzt", erklärte die Gruppe Kapé Kapé. Die Menschen hätten versucht, die Truppen vom Blockieren humanitärer Hilfe aus Brasilien abzuhalten, hieß es. Der Zusammenstoß ereignete sich im südöstlichen Bundesstaat Bolívar. Präsident Nicolás Maduro hatte die Schließung des betreffenden Grenzübergangs am Donnerstag angeordnet.

Die humanitäre Hilfe für die Bevölkerung Venezuelas ist zum Spielball im Machtkampf zwischen Staatschef Maduro und Oppositionsführer Juan Guaidó geworden. Maduro will die Lieferungen nicht zulassen. Er bezeichnet sie als Vorwand, unter dem eine militärische US-Invasion vorbereitet werden soll.

China und Russland warnen vor Intervention

Auf Twitter sprach Oppositionsführer Guaidó zunächst von einem Toten und zwölf Verletzten. "Sie müssen in dieser kritischen Stunde entscheiden, auf welcher Seite Sie stehen", schrieb er an die Leser. Die Regierung nahm zunächst nicht Stellung. Guaidó hat sich selbst zum Präsidenten erklärt und geschworen, trotz des Verbots durch Maduro Hilfslieferungen aus den Nachbarstaaten ins Land zu holen. Einige Mitglieder der indigenen Gemeinschaft haben angekündigt, dabei zu helfen.

Guaidó selbst ist in die Grenzregion zu Kolumbien gereist, um die ersten Konvois zu erwarten. Gemeinsam mit mehreren Abgeordneten will er am Samstag versuchen, Lebensmittel und Medikamente ins Land zu holen. Die Hilfsgüter wurden auch durch seine Aufrufe gesammelt und lagern abfahrbereit in Grenzregionen. Die Bevölkerung leidet seit Jahren unter der Mangelwirtschaft in dem wegen seiner Ölvorkommen eigentlich reichen Opec-Land. Millionen Venezolaner sind vor Hunger und Armut ins Ausland geflohen.

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Tausende Menschen sahen sich in Kolumbien das Benefizkonzert "Venezuela Aid Live" an.

(Foto: picture alliance/dpa)

Russland und China warnten vor Hilfslieferungen nach Venezuela gegen den erklärten Willen der sozialistischen Regierung in Caracas. Dies könne zu Ausschreitungen führen und einen Vorwand für eine Intervention von außen und die Entmachtung von Maduro liefern, sagte eine Sprecherin des russischen Außenministeriums. Auch ihr Kollege in Peking erklärte, aufgezwungene Hilfslieferungen könnten zu Gewalt führen.

Zwei Konzerte mit gegensätzlichen Anliegen

An der Grenzbrücke Tienditas zwischen Kolumbien und Venezuela lieferten sich am heutigen Freitag die Gegner und Anhänger des venezolanischen Präsidenten Maduro einen musikalischen Schlagabtausch. Während auf der kolumbianischen Seite zahlreiche Musiker bei dem Benefizkonzert "Venezuela Aid Live" um Spenden für humanitäre Hilfe warben, forderten regierungstreue Sänger auf der anderen Seite der Grenze: "Hände weg von Venezuela".

Tausende Menschen jubelten nahe der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta bekannten lateinamerikanischen Künstlern wie Luis Fonsi, Juanes, Maluma und Paulina Rubio zu. Mit dem Konzert wollten der britische Milliardär Richard Branson und die venezolanische Opposition zehn Millionen US-Dollar an Spenden für die humanitäre Hilfe für Venezuela einsammeln. Mit weiteren staatlichen Hilfszusagen sollen innerhalb von 60 Tagen bis zu insgesamt 100 Millionen Dollar zusammenkommen.

Quelle: n-tv.de, mbo/dpa/rts/AFP

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