Politik

Zweifelhafter Fortschritt in Nordkorea Pjöngjang rüstet auf

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Nord- und Südkorea setzen auf Abschreckung. Das dokumentieren auch die Raketen im "Korean War Memorial Museum".

(Foto: REUTERS)

Nordkorea baut seine Luftabwehr massiv aus – mit Hunderten neuer Raketen. Auch das Atomprogramm erregt Besorgnis. Es gibt Zweifel, ob das diktatorisch regierte Land seine Atomtests und Urananreicherungsversuche tatsächlich stoppen will.

Nordkorea hat in den vergangenen Jahren die Zahl seiner Luftabwehrraketen rund um die Hauptstadt Pjöngjang massiv erhöht. Zwischen 2000 und 2010 nahm die Zahl der Raketen vom Typ SA-5 mit einer maximalen Reichweite von 300 Kilometern laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Yonhap von zwei auf 40 zu. Das südkoreanische Medium beruft sich bei seiner Annahme auf Militärkreise in Seoul.

Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Raketen vom Typ SA-3, die gegen tief fliegende Flugzeuge eingesetzt werden können, danach von sieben auf 140. Die Zahl der SA-2-Raketen mit einer Reichweite von 48 Kilometern steigerte Nordkorea laut Yonhap von 45 auf 180. Grund für die Aufrüstung der vergangenen Jahre sei Nordkoreas Sorge vor Angriffen Südkoreas oder der USA. Das südkoreanische Verteidigungsministerium wollte den Bericht nicht bestätigen.

Nord- und Südkorea offiziell im Krieg

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Kim Jong Un verspricht den Wandel. Angeblich auch beim Nordkoreanischen Atomprogramm.

(Foto: REUTERS)

Nordkorea und Südkorea befinden sich seit dem Korea-Krieg offiziell im Kriegszustand. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder militärische Zwischenfälle. Neben seinen Luftabwehrraketen hat Nordkorea auch ein großes Arsenal an Raketen, die auf Ziele in Südkorea gerichtet werden, sowie Mittelstreckenraketen, die mehr als 3000 Kilometer zurücklegen können. Das Land hat auch mehrfach Interkontinentalraketen getestet, zuletzt im April 2009.

Die nukleare Abrüstung Pjöngjangs schreitet derweil zumindest scheinbar voran. Nordkorea hatte sich Ende Februar - durch den Sohn des verstorbenen, langjährigen Herrschers  - zu einem . Im Gegenzug signalisierten die USA ein Entgegenkommen bei Lebensmittellieferungen. Pjöngjang werde Atom- und Raketentests sowie die Urananreicherung auszusetzen, hieß es.

Die USA und Nordkorea begannen inzwischen in Peking, Details der amerikanischen Nahrungsmittelhilfen abzustimmen. Die Verhandlungen sollen wenn nötig zwei Tage dauern, sagte der US-Gesandte für Menschenrechtsfragen in Nordkorea, Robert King.
Im Gegenzug traf der nordkoreanische Atomunterhändler Ri Yong Ho zu inoffiziellen Gesprächen in den USA ein. Südkoreas Außenminister wird danach ebenfalls zu einem fünftägigen Besuch in den USA erwartet. Die diplomatischen Aktivitäten wecken Hoffnungen auf eine Wiederaufnahme der seit drei Jahren ausgesetzten Sechs-Parteien-Gespräche über ein Ende des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms. Ri Yong Ho äußerte sich bei der Ankunft auf dem New Yorker Flughafen positiv über die Zukunft der Sechser-Gespräche.

Zweifel an Ernsthaftigkeit des Atommoratoriums

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Das Atomprogramm schreitet fort: Links ein Satellitenfoto des Reaktors in Yonbyon 2011, rechts ein Billd vom 3. Februar.

(Foto: AP)

Nordkoreas überraschendes Angebot des Atom-Moratoriums bedeutet Insidern zufolge allerdings keinen Strategiewechsel in der Politik nach der Machtübernahme durch Kim Jong Un. "Es gab keinen Umschwung", sagte ein Informant mit Kontakten zu Pjöngjang und Peking am der Nachrichtenagentur Reuters. Auch eine Annäherung an Südkorea sei nicht in Sicht.

Mit Besorgnis blickt auch eine US-Denkfabrik auf Nordkorea. Nach einem Bericht des Instituts für Wissenschaft und Internationale Sicherheit hat das Land in den vergangenen Monaten Fortschritte beim Bau eines Reaktors gemacht.

Die Denkfabrik veröffentlichte Satellitenbilder von der Atomanlage Yongbyon, die einen scheinbar fertiggestellten, aber noch nicht betriebsbereiten Leichtwasserreaktor zeigen. Die Auswertung der Bilder zeige, dass der Bau in Yongbyon weitergehe, sagte Analyst Paul Brannan. In Nordkorea geschehe so etwas "manchmal schubweise".

Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Leichtwasserreaktor in Yongbyon dazu genutzt werden könnte, Plutonium herzustellen. Allerdings stammen die Aufnahmen, die Grundlage des Berichts der Denkfabrik waren, vom 3. Februar, also fast einen Monat vor der Einigung zwischen Nordkorea und USA.

Quelle: ntv.de, dpa/rts/AFP

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