Politik

"Woher kam die Wut?" Polizei ermittelt zu Motiv in Stuttgart

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Nach Angaben der Polizei waren in Stuttgart 400 bis 500 Menschen an der Randale beteiligt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Hunderte Menschen ziehen am Wochenende ohne offensichtlichen Grund randalierend durch die Stuttgarter Innenstadt. Und auch drei Tage später stellen sich Ermittler und Politiker die Frage, was die Jugendlichen zu der Gewalt getrieben hat.

Nach den Ausschreitungen in Stuttgart laufen die Ermittlungen weiter. Noch immer ist nicht klar, wie es zu den verstörenden Szenen kommen konnte. "Vor allem muss die Frage gestellt werden, woher die Wut der Jugendlichen kam, die sich dort Bahn gebrochen hat", sagte die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Ulla Jelpke, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). Die Debatte um Polizeigewalt und Rassismus werde nun überlagert von einer "Inszenierung der Polizei als Opfer", so Jelpke weiter.

Acht mutmaßliche Randalierer sitzen inzwischen in Untersuchungshaft, einer von ihnen wegen Verdachts auf versuchten Totschlag. Der 16-Jährige soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft einem am Boden liegenden Studenten gezielt gegen den Kopf getreten haben.Die Männer im Alter zwischen 16 und 33 Jahren besitzen laut Polizei die deutsche, kroatische, irakische, portugiesische und lettische Staatsangehörigkeit. Ihnen wird Landfriedensbruch vorgeworfen sowie gefährliche Körperverletzung, tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte und Diebstahl in besonders schwerem Fall. 16 zunächst vorläufig festgenommene mutmaßliche Beteiligte wurden den Angaben zufolge wieder entlassen.

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Mathias Middelberg, warnte indes davor, zwischen Polizeigewalt in Deutschland und den USA "unangemessene Parallelen" zu ziehen. Mit dem Vertrauen gehe die Hemmung verloren, und manche meinten, selbst gegen die Polizisten zurückschlagen zu dürfen, sagte Middelberg der NOZ. "Die ideologische Stimmungsmache gegen unsere Polizei muss ein Ende haben."

Ähnlich argumentierte CSU-Politikerin Andrea Lindholz, Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestags. "Die Gewalt gegen Polizeibeamte steigt nicht nur in Stuttgart massiv an", sagte sie der "Passauer Neuen Presse". Gleichzeitig warnte sie vor vorschnellen Generalverdächtigungen. "Wir sollten uns die Täter genau ansehen und danach beurteilen, was wir verbessern müssen. Dazu brauchen wir erst mal belastbare Informationen."

In der Nacht zum Sonntag waren Hunderte Menschen durch die zentrale Einkaufsstraße Stuttgarts gezogen, sie hatten Schaufenster zerstört und Geschäfte geplündert. Nach Angaben der Polizei waren 400 bis 500 Menschen an der Randale beteiligt. Die grün-schwarze Landesregierung befasst sich am heutigen Dienstag mit den Hintergründen der Krawalle. Innenminister Thomas Strobl von der CDU wird seine Kabinettskollegen über die Geschehnisse in der Nacht zu Sonntag informieren. Nach der Sitzung will Strobl gemeinsam mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Justizminister Guido Wolf die Öffentlichkeit um 12 Uhr informieren.

Quelle: ntv.de, ibu/dpa