Politik

Mord in sechs Fällen Polizei klagt Moschee-Attentäter an

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Polizisten sichern die Moschee, in der Bissonnette sechs Menschen ermordete und 19 weitere verletzte.

(Foto: REUTERS)

Am Tag nach der Bluttat in einer kanadischen Moschee offenbart die Polizei nicht nur den Namen des Attentäters, Kanadas Premierminister Trudeau löst auch die Hintergründe der Tat auf: Er spricht von einem "Terroranschlag gegen Muslime".

Der mutmaßliche Attentäter von Québec, der in einer Moschee sechs Menschen erschossen und 19 weitere verletzt haben soll, muss sich wegen sechsfachen Mordes und fünffachen versuchten Mordes vor Gericht verantworten. Die Polizei kündigte die Anklage in elf Punkten am Montag in der kanadischen Provinzhauptstadt an und identifizierte den mutmaßlichen Täter als den 27-jährigen Alexandre Bissonnette. Ein zweiter zunächst Verdächtigter, der aus Marokko stammt, wurde am Montag wieder auf freien Fuß gesetzt. Zwei der Verletzten schwebten am Montag noch in Lebensgefahr.

Laut Aussagen von Bekannten vertritt Bissonnette offen Positionen der radikalen Rechten. Der Politikwissenschafts-Student an der Laval University sei von einer "rassistischen Nationalismus-Bewegung" inspiriert, sagte ein Bekannter der Zeitung "Globe and Mail". Ein weiterer Bekannter sagte, Bissonnette sei "sehr rechts", "ultra-nationalistisch" und glaube an die Vorherrschaft von Weißen über Menschen anderer Hautfarbe. Auf Facebook soll er sich unter anderem als Fan der französischen Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen von der rechtsextremen Front National zu erkennen gegeben haben.

"Die Welt schaut auf uns"

Kanadas Premierminister Justin Trudeau reiste kurzfristig zu einer Mahnwache nach Québec. Bei einer Rede im Unterhaus des Parlaments in Ottawa, wo ebenfalls eine Mahnwache abgehalten wurde, hatte Trudeau zuvor lückenlose Aufklärung versprochen, nachdem er den Angriff als "Terroranschlag gegen Muslime" eingestuft hatte.

Die vorwiegend katholische Gemeinde der französischsprachigen Provinzhauptstadt debattiert seit längerer Zeit über ihre Identität, wobei die Diskussion teils als muslimfeindlich empfunden wird. So schlug die Partei PQ, die eine Unabhängigkeit der Provinz von Kanada anstrebt, 2013 eine umstrittene "Satzung über die Werte Québecs" vor, die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst untersagt hätte, offen religiöse Symbole wie Kopftücher oder Schleier über dem Gesicht zu tragen. Das Kruzifix über dem Sitz des Sprechers in der Nationalversammlung Québecs hätte aber erlaubt bleiben sollen.

"Die Welt schaut auf uns", sagte Provinz-Premierminister Philippe Couillard in einer Ansprache an die Bevölkerung. "Es ist Zeit, zu zeigen, wer wir sind, unsere beste Seite zu zeigen: Männer und Frauen, die auf Französisch in diesem Stück Nordamerika zusammenleben, das Québec ist." Er glaube an eine "selbstbewusste und offene Gesellschaft, einen einladenden Ort", wo alle Bürger auf gleicher Ebene behandelt würden. Beileidsbekundungen für Québec kamen unter anderem von den Regierungen der USA, Deutschlands und Frankreichs.

Quelle: ntv.de, jve/dpa

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