Politik

"Gegen Entscheider vorgehen" Pompeo droht Irans Führung mit Militärschlag

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Soldaten vor Transportflugzeugen im Bundesstaat North Carolina. Die USA wollen ihre Truppen im Irak aufstocken.

(Foto: picture alliance/dpa)

Washington rechnet mit einem iranischen Vergeltungsschlag gegen im Ausland stationierte US-Truppen. Außenminister Pompeo warnt Teheran vor diesem Schritt und droht nach der Tötung von General Soleimani mit weiteren Angriffen gegen Irans Führungsriege.

US-Außenminister Mike Pompeo hat der iranischen Führung mit weiteren Militäreinsätzen gegen ihre Entscheidungsträger gedroht. Frühere Regierungen hätten auf Provokationen schiitischer Milizen vor Ort reagiert, Präsident Donald Trump verfolge aber gegenüber dem Iran einen anderen Kurs, sagte Pompeo dem Sender ABC. Die Botschaft an die Adresse Teherans laute, dass der Iran nicht "Stellvertreterkräfte" einsetzen könne und zugleich darauf hoffen dürfe, dass sein eigenes Territorium verschont bliebe.

"Wir werden gegen die wirklichen Entscheider vorgehen, jene Leute, die für die von der Islamischen Republik Iran ausgehende Bedrohung verantwortlich sind", sagte Pompeo. Er habe keinen Zweifel, dass die Führung in Teheran die Botschaft von Präsident Trump verstanden habe. Durch den Tod Soleimanis sei die Welt sicherer geworden, sagte er.

Die US-Regierung werde auf jede weitere Eskalation seitens des Irans entschlossen reagieren. Gleichzeitig betonte er, die USA würden sich bei einer möglichen Reaktion auf den befürchteten iranischen Vergeltungsangriff an das Völkerrecht halten.

Trump hatte den iranischen Top-General Ghassem Soleimani bei einem Luftangriff in Bagdad töten lassen. Unter anderem Russland sieht darin einen massiven Verstoß gegen das Völkerrecht. In Deutschland erhob auch SPD-Fraktionsvize Rolf Mützenich diesen Vorwurf. Und auch China warf den USA einen Verstoß gegen die Normen der internationalen Beziehungen vor.

Teheran kündigte nach dem US-Angriff Vergeltung an. Die Regierung in Washington rechnet damit, dass der Iran US-amerikanische Truppen angreifen wird. Man gehe davon aus, dass eine "große Wahrscheinlichkeit" für Attacken auf US-Streitkräfte im Irak oder im Nordosten Syriens bestehe, sagte Pompeo dem Sender Fox News. Dies wäre jedoch ein "Fehler" der Führung in Teheran.

US-Präsident Donald Trump hatte am Samstag mit Angriffen auf 52 iranische Ziele gedroht, sollte Teheran US-Bürger oder US-Einrichtungen attackieren. Auf der Liste stünden auch Ziele, die "wichtig für die iranische Kultur" seien. Die Genfer Konvention verbietet allerdings Angriffe auf Kultstätten als Kriegsverbrechen.

Erneut Raketeneinschläge nahe US-Botschaft

Derweil schlugen nahe der US-Botschaft in Iraks Hauptstadt Bagdad erneut Raketen ein. Das irakische Militär sprach von sechs Raketen vom Typ Katjuscha. Drei davon hätten die schwer gesicherte Grüne Zone getroffen, teilte das Militär mit. Dort befindet sich auch die US-Botschaft. Die drei anderen Raketen seien im Stadtviertel Dschadria gelandet. Sechs Menschen seien verletzt worden.

Auch Rettungskräfte berichteten von Raketeneinschlägen. Dabei war von mindestens zwei Geschossen die Rede. Vier Mitglieder einer Familie seien in einen Wohngebiet in der Nähe des anvisierten Bezirks verletzt worden, hieß es.

Die Angriffe erfolgten mehrere Stunden nach Ablauf eines Ultimatums einer pro-iranischen Gruppe, wonach sich irakische Soldaten von US-Truppen entfernen sollten. Angriffe waren damit befürchtet worden. Bereits am Samstag waren mehrere Raketen nahe der US-Botschaft eingeschlagen.

Quelle: ntv.de, hul/dpa/AFP/rts