Politik

Ukrainisches Flugzeug abgeschossen Poroschenko droht mit Vergeltung

Prorussische Separatisten schießen in der Ostukraine ein Militärflugzeug mit Dutzenden Passagieren vom Himmel. Es ist seit Wochen der schlimmste Schlag gegen die Regierung. Präsident Poroschenko will die Aufständischen umgehend bestrafen.

Der Abschuss eines Militärflugzeugs durch prorussische Separatisten hat den blutigen Konflikt in der Ostukraine weiter angeheizt. Militante Aufständische hatten die Transportmaschine vom Typ Iljuschin IL-76 beim nächtlichen Landemanöver auf den Flughafen der Großstadt Lugansk mit Raketen angegriffen, wie Armeesprecher Wladislaw Selesnjow sagte. Bei dem "terroristischen Akt" seien alle 49 Insassen ums Leben gekommen, teilte die Staatsanwaltschaft in Kiew mit. Amateurvideos zeigten brennende Trümmer des fast 50 Meter langen Flugzeugs.

Die Separatisten in Lugansk bekannten sich zu dem Abschuss. "Es wurde von einer Rakete getroffen", sagte ein Sprecher der prorussischen Paramilitärs der russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti. "Wir glauben, dass militärische Truppen an Bord waren." Auf der Webseite "Novorosinform", die sich als Nachrichtenagentur der Separatisten versteht, wurde ein Video veröffentlicht, das den Abschuss zeigen soll. Zu erkennen ist allerdings nur eine Explosion am Horizont.

Der Generalsekretär des Europarats, Thorbjorn Jagland, verurteilte den Abschuss als "sinnlosen Mord". Der neue ukrainische Präsident Petro Poroschenko drohte den Separatisten mit Vergeltung. Der Abschuss sei ein "zynischer terroristischer Akt, der bestraft werden wird". Die Täter würden eine "angemessene Antwort" erhalten. Poroschenko erklärte diesen Sonntag zum Tag der Trauer.

Separatisten sollen russische Panzer nutzen

Nach den Worten von Ex-Verteidigungsminister Anatoli Grizenko waren 40 Fallschirmjäger einer Luftlandebrigade aus Dnjepropetrowsk sowie 9 Mann Besatzung an Bord. Das Flugzeug sei in etwa 700 Metern Höhe von Geschossen aus dem Raketenwerfer "Igla" (Nadel) getroffen worden. Grizenko warf Kremlchef Wladimir Putin vor, die militanten Gruppen in der Ostukraine weiter aufzustacheln. "Dies ist kein Konflikt zwischen Bürgern, sondern ein Krieg Putins gegen die Ukraine", meinte er.

Es ist der schwerste Schlag gegen die Armee seit Beginn ihrer "Anti-Terror-Offensive" gegen Aufständische Mitte April. Ende Mai wurden beim Abschuss eines Hubschraubers durch die Separatisten bei Slawjansk 14 ukrainische Soldaten getötet, darunter ein General. Insgesamt sind bei den Kämpfen im Osten der Ukraine in den vergangenen zwei Monaten mindestens 270 Menschen ums Leben gekommen.

In Washington sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, es gebe "überzeugende Beweise", dass sich die Separatisten schwere Waffen und andere Ausrüstung aus Russland beschafft haben, darunter Panzer. Letztere seien "irgendwie aus russischen Lagerhäusern" geholt worden. Berichte, nach denen es sich um gestohlene ukrainische Panzer handele, träfen nicht zu, sagte sie. Auch Präsident Poroschenko hatte sich zuletzt bei einem Telefonat mit Putin über das angebliche Eindringen russischer Panzer auf ukrainisches Staatsgebiet beschwert. Moskau weist dies zurück.

Deutsche angeblich in Gewalt der Aufständischen

Im Raum Donezk starb bei einem Luftangriff der Sicherheitskräfte mindestens ein Separatist, sechs wurden verletzt. Die Aufständischen hätten das Feuer erwidert und einen Kampfjet vom Typ Suchoi Su-25 abgeschossen, hieß es. Der Pilot habe sich per Schleudersitz retten können. In Lugansk sagte der Militärexperte Dmitri Tymtschuk, zuletzt seien dort drei Transportflugzeuge problemlos gelandet. Allerdings hätten Separatisten in den vergangenen Tagen um den Flughafen herum Stellung bezogen. "Sie belagern das Areal mit MG-Nestern", sagte Tymtschuk.

Unter den von Aufständischen in der Ostukraine entführten OSZE-Beobachtern befindet sich der "Bild"-Zeitung zufolge auch eine Deutsche. Die 44-Jährige sei bereits am 29. Mai in Lugansk als Geisel genommen worden. Sie habe für die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) die Lage in der Region beobachtet. Das Auswärtige Amt wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Die Separatisten wollen die Region von der Ukraine abspalten. Sie lehnen den prowestlichen Kurs der Regierung in Kiew ab und streben einen Beitritt zu Russland an - nach dem Vorbild der Halbinsel Krim.

Quelle: ntv.de, ame/dpa/AFP

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