Politik

Machtübernahme in Simbabwe Präsident Mugabe steht unter Hausarrest

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Seit 1980 hält sich Robert Mugabe in Simbabwe an der Macht.

(Foto: AP)

Es ist das erste Lebenszeichen von Robert Mugabe, nachdem das Militär die Kontrolle in Simbabwe übernommen hat: In einem Telefonat mit Südafrikas Staatschef Zuma erklärt der 93-Jährige, er werde "in seinem Haus festgehalten". Seine Frau soll im Ausland sein.

Simbabwes Präsident Robert Mugabe steht nach dem Eingreifen der Armee in die politische Krise des Landes unter Hausarrest: Der 93-jährige Mugabe habe in einem Telefonat mit dem südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma gesagt, dass er "in seinem Haus festgehalten" werde, teilte Zumas Büro mit. Mugabe habe in dem Gespräch zugleich versichert, dass er wohlauf sei. Unbestätigten Medienberichten zufolge soll seine Frau, Grace Mugabe, in Namibia aufhalten.

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Jacob Zuma ruft die Konfliktparteien in Simbabwe zu friedlichen Verhandlungen auf.

(Foto: REUTERS)

Zuvor hatte die Regionalmacht Südafrika die Armee vor einem Umsturz gewarnt. Es müsse eine friedliche Lösung der Krise geben, forderte Zuma. Der Präsident kündigte einen Vermittlungsversuch an, um die Krise im Nachbarland beizulegen. Er entsende Verteidigungsministerin Nosiviwe Mapisa-Nqakula und Sicherheitsminister Bongani Bongo nach Simbabwe, wo sie mit Mugabe und der Armeeführung sprechen sollten.

Nach Informationen des "Guardian" soll Mugabe eingewilligt haben, zum Ende der Woche zurückzutreten. Die Zeitung beruft sich auf Angaben von hochrangigen Oppositionellen. Demnach soll Mugabe durch seinen vormaligen Vize, Emmerson Mnangagwa, ersetzt werden. Mugabe hatte Mnangagwa Anfang November abgesetzt, um für seine Frau den Weg an die Spitze der Regierung freizumachen. Künftig soll der Posten des Vize-Präsidenten unter Mnangagwa an einen Oppositionspolitiker gehen. Fraglich ist, wie die Regierungspartei Zanu-PF darauf reagieren wird.

Finanzminister Chombo festgenommen

Am Morgen hatte das Militär erklärt, die Kontrolle in dem Land übernommen zu haben. Ziel der Machtübernahme sei es, gegen "Kriminelle" im Umfeld von Mugabe vorzugehen. Die Verantwortlichen müssten vor Gericht gestellt werden, hieß es. Es handle sich jedoch nicht um einen Putsch, sondern nur um eine zeitweise Maßnahme. "Sobald wir unsere Mission erfüllt haben, erwarten wir eine Rückkehr zur Normalität", teilte ein Armeevertreter mit. Über die konkreten Vorwürfe gegen einzelne Personen wurde nichts bekannt. Das Militär will offenbar verhindern, dass Mugabes 52-jährige Frau Grace an die Spitze des Staates rückt. Ihr Aufstieg und der ihr nachgesagte ausschweifende Lebensstil werden selbst von vielen Anhängern des 93-jährigen Staatschefs abgelehnt.

Augenzeugen berichteten, dass Simbabwes Finanzminister Ignatius Chombo vom Militär festgenommen wurde. Soldaten hätten ihn am Morgen abgeführt, sagten mehrere seiner Nachbarn in der Hauptstadt Harare. Das elektrische Tor an seinem Haus sei offenbar mit Gewalt aufgebrochen worden. Chombo gilt im Machtkampf um die Nachfolge von Robert Mugabe als Unterstützer von First Lady Grace Mugabe. Die Führung der Streitkräfte hingegen lehnt die Präsidentengattin als künftige Staatschefin ab.

Mehrere Botschaften vorerst geschlossen

Unterdessen hat die Armee nach eigenen Angaben auch ein Waffendepot der paramilitärischen Polizei in der Hauptstadt Harare besetzt. Die Polizisten des Depots seien entwaffnet worden, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus Armeekreisen. Soldaten kontrollieren demnach alle Zufahrten zum Gelände, ebenso wie die Zufahrt zu anderen wichtigen Regierungsgebäuden.

Die Bundesregierung rief alle Konfliktparteien zum Gewaltverzicht auf. "Erforderlich ist ein Dialog der Akteure, um eine Konfrontation zu vermeiden und zu einer friedlichen Lösung zu kommen", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Die deutsche Botschaft bleibt ebenso wie die Vertretungen anderer Staaten geschlossen. Deutschland, die USA, Großbritannien  und die Niederlande empfahlen ihren Staatsbürgern in Simbabwe, wegen der unsicheren Lage in den Häusern zu bleiben. Auch der britische Außenminister Boris Johnson appellierte an alle Seiten in der ehemaligen Kolonie, keine Gewalt anzuwenden.

Quelle: ntv.de, jug/dpa/AFP/rts

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