Politik

Militärisches "Tagesgeschäft" Putins Einmischung soll Misserfolge befeuern

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Der russische Präsident soll persönlich kleine Einheiten dirigieren.

(Foto: via REUTERS)

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Britische Medien berichten unter Bezug auf Geheimdienstquellen, dass der russische Präsident Wladimir Putin persönlich die Bewegungen einzelner Verbände seiner Armee dirigiert. Das ist äußerst ungewöhnlich - und offenbar wenig hilfreich.

Wladimir Putin ist laut einem Bericht so stark in die Kriegsplanungen eingebunden, dass er Entscheidungen für kleinere Armeeeinheiten selbst trifft. Mit Bezug auf westliche Quellen berichtet der britische "Guardian", dass Putin weiterhin eng mit Generalstabschef Waleri Gerassimow zusammenarbeitet. "Wir glauben, dass Putin und Gerassimow an taktischen Entscheidungen auf einer Ebene beteiligt sind, von der wir normalerweise erwarten würden, dass sie von einem Oberst oder einem Brigadegeneral getroffen werden", sagt eine der Quellen der Zeitung. Weiter heißt es, dass man davon ausgehe, dass Putins ranghöchster General immer noch "einsatzbereit" sei, obwohl er nach militärischen Misserfolgen suspendiert worden sein soll.

Der Militärexperte Ben Barry, ehemaliger Offizier der britischen Armee gegenüber dem Blatt: "Ein Regierungschef sollte Besseres zu tun haben, als militärische Entscheidungen zu treffen. Er sollte die politische Strategie festlegen, anstatt sich im Tagesgeschäft zu verzetteln." Der britischen "Times" zufolge verglich eine Quelle das angebliche Mikromanagement Putins mit den Vorgängen beim globalen Logistikriesen Amazon: "Jeff Bezos liefert keine Pakete aus". Die Einschätzung der persönlichen Beteiligung Putins beruhe auf westlichen Geheimdienstinformationen, nähere Einzelheiten zu den Quellen machten die britischen Medien nicht.

Ungewöhnliche Verluste

Im russischen Militär wird im Vergleich zu westlichen Armeen noch stärker von oben nach unten befehligt, wobei die Anweisungen in der Regel an die Generäle vor Ort gehen. Die stockende Invasion hat Moskau jedoch offenbar gezwungen, seine Generäle näher an die Frontlinie zu schicken, wo nach Angaben der ukrainischen Streitkräfte bereits bis zu zwölf hochrangige Militärs getötet wurden. Der Tod solch ranghoher Militärs, die eigentlich abseits der Front für die Strategie ihrer Verbände verantwortlich sind, gilt als höchst ungewöhnlich.

Den Moskauer Streitkräften ist es bisher nicht gelungen, einen Durchbruch im Donbass zu erzielen, wo sie seit einem Monat eine Offensive führen. Wie der "Guardian" berichtet, soll der Präsident in die Planungen der Truppenbewegungen auch dort involviert sein, wo dem russischen Militär in der vergangenen Woche eine schwere Niederlage zugefügt wurde.

Ein gescheiterter Versuch, den Fluss Siwerskyj Donez bei Bilohoriwka zu überqueren, hatte zur Zerstörung von mehr als 70 russischen Fahrzeugen und zum Verlust von Ausrüstung im Wert von mindestens einem Bataillon geführt, so die Schätzungen auf der Grundlage von Luftaufnahmen des Kampfplatzes. Das britische Verteidigungsministerium erklärte, die russische Armee habe dabei schwere Verluste erlitten. Das Manöver spreche "für den Druck, unter dem die russischen Befehlshaber stehen, ihre Operationen in der Ostukraine voranzubringen".

"Bedeutender Rückschlag"

Der ehemalige australische General Mick Ryan hatte in einem Twitter-Thread die Bedeutung des Kampfes analysiert, bei dem unbestätigten Beobachtungen zufolge auch Hunderte russische Soldaten ihr Leben verloren: "Durch die Niederlage bei der Überquerung des Flusses haben die Russen wahrscheinlich eine Vormarschachse verloren, von der sie offensichtlich dachten, dass sie für ihre Ostoffensive von Nutzen sein würde. Dies ist ein bedeutender Rückschlag für sie."

In Folge der Niederlage hatten sich einige russische Militärblogger dazu veranlasst gesehen, "die Inkompetenz des russischen Militärs gegenüber ihren Hunderttausenden von Anhängern zu kommentieren", so das Institut für Kriegsstudien - ein seltenes Zeichen für interne Meinungsverschiedenheiten.

Quelle: ntv.de, jpe/ter

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