Politik

Neues Gerücht aus Russland Putins dritte Tochter

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Wladimir Putin ist im Oktober 68 Jahre alt geworden.

(Foto: AP)

Die Gerüchte über eine Parkinson- und Krebserkrankung des russischen Präsidenten stammen aus einer dubiosen Quelle. Anders verhält es sich mit der These, Putin habe mit einer Petersburger Millionärin eine Tochter.

Über Wladimir Putin mehren sich die Gerüchte. Einem fragwürdigen Historiker zufolge soll der russische Präsident schwer erkrankt sein und seinen Rücktritt planen. Für diese Behauptung gibt es zwar keine Belege. Doch gleichzeitig macht in Russland eine Investigativrecherche die Runde, die Putin mit einer ungewöhnlichen Millionärin in Verbindung bringt.

Erst im Sommer ließ der heute 68-Jährige seine Mitbürger im Rahmen eines Verfassungsreferendums entscheiden, ob er theoretisch auch über seine 2024 auslaufende Amtszeit hinaus als russischer Präsident kandidieren darf. Anfang November meldete das britische Boulevardblatt "The Sun" dann die angebliche Sensation: Dem russischen Historiker Walerij Solowej zufolge soll Putin schwer an Parkinson erkrankt sein und bereits für Anfang 2021 seinen Rücktritt planen.

Später legte Solowej nach: Putin werde auch gegen Krebs behandelt und nehme zudem Antidepressiva. Die Macht übernehmen könne Putins 34-jährige Tochter Katerina Tichonowa.

In Russland haben diese Gerüchte nur für geringes mediales Echo gesorgt. "Das ist völliger Quatsch", kommentierte Kremlsprecher Dmitri Peskow. "Putin geht es gut, sein Gesundheitszustand ist ausgezeichnet." Tatsächlich gibt es keinerlei Belege für die Behauptungen des Kreml-Kritikers Solowej, der bis letztes Jahr noch an der MGIMO lehrte, der berühmten Moskauer Universität für die Ausbildung junger Diplomaten. Der Historiker, früher Vorsitzender einer nationalistischen Partei, glänzt ohnehin gern mit fragwürdigem Insiderwissen.

So hat er zwar 2016 die wichtigen Personalveränderungen in Putins Präsidialverwaltung richtig vorausgesagt. Inzwischen genießen seine Informationen aber kein hohes Ansehen mehr. Nicht zu Unrecht: Am Anfang der Corona-Pandemie berichtete er etwa über für die damalige Zeit astronomischen Zahlen der russischen Corona-Infizierten. Zuletzt behauptete Solowej im Interview mit dem ukrainischen Journalisten Dmytro Gordon, er sei Mitglied einer wichtigen transnationalen Geheimorganisation, die angeblich mächtiger ist als der Kreml selbst. Über diese Aussage wurde in Russland in fast allen politischen Lagern gelacht.

Eine Millionärin aus St. Petersburg

Doch obwohl Solowejs angebliche Enthüllungen wohl nicht stimmen, gehören Gerüchte über Wladimir Putin fest zur politischen Hochkultur Russlands. Das ist nur logisch, denn der Kremlchef behandelt seinen Gesundheitszustand sowie seine Familie als absolute Tabuthemen. Deswegen wurde auch ein Hustenanfall des russischen Präsidenten vor zwei Wochen während einer Regierungsschalte zum Thema in lokalen Medien.

Das einzige tatsächliche Indiz auf mögliche Gesundheitsprobleme des Präsidenten ist, dass er seit Beginn der Corona-Pandemie seine Residenz in Nowo-Ogarjowo in der Umgebung von Moskau nur noch selten verlässt. Selbst enge Freunde, die Putin treffen wollen, müssen laut BBC vorher eine zweiwöchige Quarantäne durchmachen.

Größere Wellen schlug die Recherche des russischen Investigativmediums "Proekt", die eine Verbindung zwischen Putin und einer Multimillionärin mit höchst ungewöhnlichem Werdegang nahelegt. Bis zum Jahr 2000 soll Swetlana Kriwonogich zusammen mit ihrer Mutter in einer kleinen Wohnung in St. Petersburg gewohnt haben. Mittlerweile gehört sie zu den Aktionären der Bank Rossija, besitzt teure Immobilien in Moskau, St. Petersburg und Sotschi sowie angeblich den 75-prozentigen Anteil an einem Skiort, den Putin Medienberichten zufolge besonders gerne besucht.

Kriwonogichs Vermögen wird auf rund 100 Millionen US-Dollar eingeschätzt. Doch wie ist diese Erfolgsgeschichte überhaupt zu erklären? "Proekt" hat ihre Nachbarn, Freunde und Bekannte befragt. Zwei Nachbarn behaupteten, Kriwonogich habe in den 1990er Jahren einen reichen Mann kennengelernt. Einer davon meinte, dieser Mann habe zu diesem Zeitpunkt, genauso wie Putin damals, in der Stadtregierung von St. Petersburg gearbeitet. Zwei weitere Quellen meinen direkt, dieser Mann heiße Wladimir Putin.

Das Investigativmedium "Proekt", das vom ehemaligen Chefredakteur des unabhängigen russischen Fernsehsenders Doschd ("Regen") angeführt wird und in der kritischen Medienlandschaft als renommiert gilt, betont weiter, dass die Beziehung zwischen Putin und Kriwonogich noch vor Putins erster Amtszeit als Präsident begann und sich bis Ende der Nullerjahre fortsetzte. Zu den weiteren Indizien gehört ein gemeinsamer Flug zwischen St. Petersburg und Moskau aus dem Jahr 1999. Außerdem wurde 2003 die Tochter von Kriwonogich geboren. In den Dokumenten, die "Proekt" vorlagen, fehlte der Name des Vaters. Die Tochter trägt aber den sogenannten Vaternamen Wladimirowna, was darauf hindeutet, dass ihr Vater Wladimir heißt.

Beweise gibt es nicht

Ein Foto der Tochter wollten die Journalisten aus ethischen Gründen nicht veröffentlichen, allerdings soll das Mädchen "phänomenale Ähnlichkeit" mit Putin haben. Ohnehin ist die Tätigkeit von Kriwonogich bei der Bank Rossija interessanter, wo ihre eigene Firma 2018 fast drei Prozent der Aktien besaß. Denn Rossija gehört zwar nicht zu den größten Banken Russlands, hat aber als eine Art persönliche Bank der wichtigsten russischen Beamten eine Riesenbedeutung. Der wichtigste Aktionär von Rossija ist mit Jurij Kowaltschuk einer der engsten Freunde Putins. Deswegen haben die USA nach der Annexion der südukrainischen Halbinsel Krim im März 2014 Sanktionen gegen die Bank verhängt.

Wer mit dem Geld der engen Umgebung Putins zu tun hat, ist in der Regel selbst eng mit dem Präsidenten verbunden. Umso erstaunlicher ist, dass mit Swetlana Kriwonogich eine völlig unbekannte Frau mit in diesem Spiel ist. Glasklare Beweise fehlen zwar auch "Proekt". Doch die Reaktion von Oppositionellen, die bei Solowejs angeblichen Enthüllungen noch skeptisch waren, ist eine völlig andere. "Das ist der Text des Jahres", twitterte etwa der informelle Anführer der russischen Opposition, Alexej Nawalnyj.

Im Kreml selbst wird alles dementiert. "Geldgefärbter Boulevardjournalismus", meinte Putins Sprecher Peskow dazu. Die Behauptungen seien "faktisch unbegründet". Das allerdings muss nichts heißen: Fast alles, was über die Familie des russischen Staatsoberhauptes bekannt ist, kam zunächst aufgrund von Recherchen von Journalisten ans Licht - auch die Trennung von seiner Frau Ljudmila 2013, die die Mutter seiner beiden offiziellen Töchter Marija Woronzowa und Katerina Tichonowa ist. Die eine baut gerade eine genmedizinische Forschungsklinik auf, die andere leitet ein Institut für Künstliche Intelligenz an der Moskauer Staatsuniversität MGU. Beide bekleiden Positionen, an die man in Russland ohne enge Kontakte mit der absoluten Staatsspitze eher nicht kommt. Ein ähnlicher Werdegang ist auch bei Swetlana Kriwonogich zumindest vorstellbar.

Quelle: ntv.de