Politik
Pablo Casado soll einen Master-Titel führen, ohne je eine Uni besucht zu haben.
Pablo Casado soll einen Master-Titel führen, ohne je eine Uni besucht zu haben.(Foto: imago/Agencia EFE)
Dienstag, 07. August 2018

Betrog Casado mit Uni-Abschluss?: Rajoy-Nachfolger steht schon wieder vor Aus

In Spanien verspielt der neue Oppositionsführer kurz nach seinem Antritt schon wieder massenhaft Kredit. Er führt offenbar einen Master-Titel ohne je Seminare, geschweige denn Prüfungen an einer Uni besucht zu haben.

Nur zwei Wochen nach seinem Aufstieg an die Spitze der größten spanischen Oppositionspartei PP wächst der Druck auf Parteichef Pablo Casado in einer Diplom-Affäre. Nach nun öffentlich gewordenen Dokumenten leitete die Justiz Untersuchungen ein: Der Vorwurf gegen den 37-jährigen Politiker der konservativen Volkspartei lautet auf mutmaßlichen "Betrug und Fehlverhalten". Casado soll einen Master-Titel führen, ohne jemals Hochschulkurse besucht oder Prüfungen abgelegt zu haben.

Video

Wie aus den Dokumenten hervorgeht, hat Richterin Carmen Rodriguez-Medel bei Untersuchungen zu Unregelmäßigkeiten bei Prüfungen und Examina an der König-Juan-Carlos-Universität in Madrid mögliche Beweise für Fehlverhalten gefunden. Demnach könnte Casado sein juristisches Diplom von 2009 zu Unrecht erhalten haben. Rodriguez-Medel bat den Obersten Gerichtshof als zuständige Instanz um eine Überprüfung des Sachverhaltes.

Casado hatte bereits eingeräumt, keine Hochschulkurse für seinen Master besucht zu haben, sondern diesen angeblich für "Arbeit" an der Uni verliehen bekommen zu haben. Doch die Richterin teilte mit, sie habe keine Hinweise auf irgendeine Tätigkeit Casados an der Uni gefunden.

Nicht der einzige Fall

Stattdessen habe Casado das Diplom möglicherweise als "Geschenk" erhalten. Eine Parteifreundin des PP-Chefs, Cristina Cifuentes, hat das gleiche Diplom an der König-Juan-Carlos-Universität unter ebenfalls zweifelhaften Umständen erhalten. Der Fall wurde als "Mastergate" bekannt. Im April trat Cifuentes als Regionalpräsidentin von Madrid zurück, nachdem sie wegen eines Ladendiebstahls wochenlang unter Druck stand.

Casado hatte am Montag einen Rücktritt abgelehnt. PP-Generalsekretär Teodoro García sprang ihm zur Seite: Casado habe viele Dokumente später vorgelegt, die Universität vernichte Studentenakten jedoch nach sieben Jahren. "Unschuldige Menschen müssen nicht zurücktreten", sagte Garcia.

Der 37-jährige Casado war mit dem Anspruch einer Erneuerung der PP angetreten. Deren langjähriger Chef und Ministerpräsident Mariano Rajoy war Anfang Juni als Regierungschef im spanischen Parlament durch ein Misstrauensvotum gestürzt worden und hatte anschließend sein Parteiamt niedergelegt. Die konservative Partei hatte er seit 2004 geführt. Zum Verhängnis wurde ihm sein Umgang mit Korruptionsaffären innerhalb seiner Partei und sein Vorgehen in der Katalonien-Krise.

Quelle: n-tv.de