Politik

"Totaler Versager", "Betrüger" Rechtsextreme Proud Boys lassen Trump fallen

imago0109534836h.jpg

Jahrelang unterstützen die Proud Boys Donald Trump, nun sagen sie sich von dem ehemaligen Präsidenten los.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Jahrelang marschiert die rechtsextreme Gruppierung Proud Boys für Donald Trump, feiert ihn als ihren "Imperator". Doch mit dem Kapitol-Sturm wird alles anders. Nun wenden sich die Rechtsextremisten von Trump ab - weil er sein Präsidentenamt nicht mit Krieg und Gewalt verteidigt.

"Heil Imperator Trump!" verkündeten die Proud Boys, nachdem Donald Trump die Wahl im November verloren hatte. Dem US-Präsidenten gebühre volle Unterstützung, zum Beispiel in Form von Demonstrationen, schrieben damals Mitglieder der rechtsextremen Gruppe in privaten Chatgruppen des Messenger-Dienstes Telegram, schließlich sei die Wahl gestohlen worden. Jetzt, da Trump sich nach Florida zurückgezogen und Joe Biden das Präsidentenamt übernommen hat, wenden die Proud Boys sich in denselben Gruppen von Trump ab, wie die "New York Times" berichtet.

Der ehemalige US-Präsident wird in Dutzenden Nachrichten und Kanälen, die die Zeitung analysierte, als Heuchler angegangen. "Trump wird als ein totaler Versager enden", stempelte ein Kanal ihn ab. Man solle nicht mehr an Protesten für Trump oder die Republikanische Partei teilnehmen, lautet die Anweisung der Rechtsextremisten.

"Trump hat seine Unterstützer betrogen"

Der Bruch kommt überraschend, denn jahrelang hatten die Proud Boys jedes Wort Trumps genüsslich aufgesogen, ihn auf der Straße wie online unterstützt. Beim ersten TV-Duell des Präsidentschaftswahlkampfes im September 2020 hatte er ihnen noch eine Art Marschbefehl erteilt, indem er sie dazu aufrief, sich "bereitzuhalten". Die rechte Gruppierung, die nur aus Männern besteht, wie ihr Name nahelegt, war von Stolz erfüllt und entwarf sogar ein Logo aus seinen Aussagen ("stand down, stand by").

Anfang Januar wurde dann aus dem Bereithalten ein Sturm auf das Kapitol; angestachelt von Trumps Rede beteiligten sich auch viele der 2016 gegründeten Proud Boys - sowohl mit ihren schwarz-gelben Flaggen und T-Shirts als auch absichtlich ohne Symbole, um nicht anschließend entlarvt zu werden - an dem Angriff. Mindestens fünf Mitglieder der Gruppe wurden im Zusammenhang mit dem Kapitol-Sturm bisher verhaftet.

Nun wenden sie sich von Trump ab, weil er doch nicht der effektive Faschist war, den sie geglaubt hatten gefunden zu haben. Die Kehrtwende begann laut "New York Times", als der Republikaner die gewaltvollen Attacken auf das Kapitol verurteilte, anstatt sie lobzupreisen. Die Proud Boys fühlten sich hintergangen. Wie konnte ihr "heiliger Imperator" sich nur gegen sie stellen und dann auch noch das Weiße Haus räumen? Beschuldigungen wurden per Telegram kundgetan, dass Trump die Ereignisse im Kapitol "angestiftet", sich dann aber "seine Hände davon reingewaschen" habe.

In den Wochen seit der Wahl hatten die Rechtsextremen gehofft, Trump würde von seiner Exekutivmacht Gebrauch machen, das Kriegsrecht ausrufen und sein Präsidentenamt notfalls auch mit Gewalt verteidigen. Sein Rückzug kam für sie einer Aufgabe und einem Versagen gleich. "Es ist wirklich wichtig für uns alle, anzuerkennen, wie sehr Trump diese Woche seine Unterstützer betrogen hat", zitierte die "New York Times" einen Telegram-Kanal nach dem Kapitol-Sturm. "Wir sind an erster Stelle Nationalisten. Trump war nur ein Mann und letztendlich ein außerordentlich schwacher."

"Bereit, für diesen Mann zu sterben"

Laut des Zeitungsberichts begrüßte die Telegram-Gruppe der Proud Boys sogar Biden im Amt. "Zumindest ist diese Regierung ehrlich bezüglich ihrer Absichten", hieß es, wobei weiterhin viel Frust über den "Betrug" durch Bidens Vorgänger mitschwang. Die Rechtsextremisten sortieren sich nun neu und suchen gegebenenfalls nach einem neuen Vorbild. Da Donald Trump ohne seine Twitter- und Facebooks-Accounts sie ohnehin nicht mehr direkt erreichen kann, verliert er zusätzlich an Wert.

Auch andere rechtsextreme Gruppierungen hatten sich in den vergangenen Wochen von Trump abgewandt. "Die Leute waren bereit, für diesen Mann zu sterben, und er warf sie einfach alle unter den Bus. Das ist das Einzige, was an den Ereignissen der letzten 36 Stunden beschämend ist", schrieb Nick Fuentes, Moderator des America First-Podcasts und inoffizieller Anführer der weiß-nationalistischen Groyper-Armee, auf Twitter, nachdem Trump die Gewalt in Washington verurteilt hatte. Mitstreiter von Fuentes und der Trump-Bewegungen posteten ähnliche Beiträge.

Laut dem Bericht der "New York Times" wollen sich einige Proud Boys nun aus dem politischen Leben zurückziehen und vor allem ihre Zugehörigkeit zu einer politischen Partei beenden. Sie würden sich gegenseitig ermutigen, ihre Kräfte lieber auf sezessionistische Bewegungen, also auf die Abspaltung von den USA und der Regierung, und lokale Proteste zu konzentrieren. "Das Besondere an den Proud Boys ist, dass sie offline - also in der realen Welt - aktiv sind, aber genau wissen, wie sie das für ihre Kommunikation online nutzen können", sagte Christopher Stewart vom Institute of Strategic Dialoge in London jüngst dem ZDF. Online haben die Rechtsextremisten Donald Trump nun abgeschworen - offline dürften sie dadurch nicht minder gefährlich werden für die US-Gesellschaft.

Quelle: ntv.de