Politik

Hitler-Attentäter gewürdigt Rekruten geloben Tapferkeit

FAB10F_GERMANY-_0720_11.JPG4466209989572625359.jpgBundeskanzlerin Angela Merkel hat das Grauen des Nationalsozialismus als Verpflichtung Deutschlands für eine Politik der Menschenwürde bezeichnet. In ihrer Rede zum traditionellen Gelöbnis von Bundeswehrrekruten vor dem Reichstagsgebäude in Berlin sagte sie: "Es waren leider nicht viele, die Männer und Frauen des deutschen Widerstands (...), die sich gegen den Nationalsozialismus aufgelehnt haben, aber diese wenigen haben unserem Land Würde und Ehre bewahrt." Sie seien "Vorbild, Leitbild und Verpflichtung". Merkel: "Der Respekt vor der Würde des Menschen überall auf der Welt bleibt für mich Kern unserer Politik."

Traditionell legen Rekruten der Bundeswehr im Gedenken an den militärischen Widerstand im Zweiten Weltkrieg ihr Gelöbnis am Jahrestag des missglückten Attentats auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 ab. Zum zweiten Mal wurde dafür der Platz vor dem Reichstagsgebäude genutzt, um die Verbindung von Bundestag und Bundeswehr zu symbolisieren. Weil in Deutschland die Volksvertreter die Mandate für Einsätze erteilen, wird die Bundeswehr auch Parlamentsarmee genannt.

DEU_NS_ZEIT_20._JULI_GELOEBNIS_BRO135.jpg529710488174252676.jpgMerkel sagte: "Die Erinnerung an den Zivilisationsbruch durch die Schoah muss Deutschland immerwährend wachhalten." Die Kanzlerin forderte das Engagement aller Bürger, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit zu wahren und zu verteidigen. Die Bundeswehrrekruten stellten sich der Verantwortung. Die deutschen Soldaten leisteten ihren Dienst an vielen Orten der Welt - "vorbildlich und auf tapfere Weise und oft unter schwierigen Bedingungen und hohen Risiken", sagte Merkel. Sicherheit sei aber nicht mehr nur militärisch zu begreifen.

Gegendemonstration verläuft friedlich

Rund 200 Demonstranten protestierten friedlich gegen die weiträumig abgeriegelte Veranstaltung. Die Berliner Grünen kritisierten die "hermetische Absperrung des Gelöbnisses von der Außenwelt". Damit sei es nicht öffentlich.

DEU_BB__Bundeswehr_geloebnis_XMJH103.jpg3772520987606865765.jpgDer Protest fand in einem Kilometer Entfernung von der Veranstaltung statt. Alles sei friedlich verlaufen, sagte ein Polizeisprecher zum Abschluss der Demonstration. Ein Protestzug in Richtung der Gelöbnisfeier war untersagt worden. Erlaubt war lediglich die Kundgebung am Potsdamer Platz - außer Sicht- und Hörweite vom Reichstagsgebäude. 1500 Polizisten waren im Einsatz.

Afghanistan-Einsatz nicht ausdrücklich erwähnt

Auf den Afghanistan-Einsatz ging die Kanzlerin nicht näher ein. Wegen der versehentlichen Erschießung eines Jugendlichen durch die Bundeswehr am Sonntag in Nord-Afghanistan prüft nun die zuständige Staatsanwaltschaft Potsdam, ob gegen die beteiligten Soldaten Ermittlungen eingeleitet werden. Das Verteidigungsministerium rechtfertigte die Schüsse mit den Einsatzregeln. "Nach derzeit vorliegenden Informationen mussten die Soldaten von einem Angriff ausgehen, so dass der Schusswaffengebrauch auf der Grundlage bestehender Einsatzregeln rechtmäßig erfolgte", sagte ein Sprecher.

Die Linke-Bundestagsabgeordnete Inge Höger fragte: "Wie kann es sein, dass der erste Kommentar zur Tötung von Zivilisten durch Bundeswehrsoldaten darin besteht hervorzuheben, dass die Soldaten dazu ein Recht hatten? Wo bleiben das Bedauern und das Überdenken des militärischen Vorgehens (...)?"

Rekruten geloben Treue

TPE10_GERMANY-_0720_03.JPG4999785742319808193.jpgVerteidigungsminister Franz Josef Jung sagte, der militärische Widerstand gegen Adolf Hitler sei Vorbild für die Bundeswehr. "Wir bekennen uns öffentlich zur Tradition des militärischen Widerstands - eine Tradition, auf die wir zu Recht stolz sein können" Jung sagte: "Die Bundeswehr und der 20. Juli sind untrennbar miteinander verbunden." Die Rekruten sprachen: "Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen."

Ehrung für den Widerstand

Vor dem Gelöbnis gedachten Regierung, Abgeordnete und Soldaten mit Kranzniederlegungen im Ehrenhof des Bendlerblocks beim Verteidigungsministerium und einer Feierstunde in der ehemaligen Hinrichtungsstätte Plötzensee der Opfer des Nationalsozialismus. Im Hof des Bendlerblocks waren die Offiziere um Claus Schenk Graf von Stauffenberg nach dem missglückten Bombenanschlag auf Hitler in Ostpreußen am 20. Juli 1944 noch in der Nacht erschossen worden. In Plötzensee wurden zwischen 1933 und 1945 mehr als 2500 Menschen hingerichtet. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) erinnerte in Plötzensee auch an Widerständler wie die Geschwister Scholl und Georg Elsner. Dieser hatte bereits 1939 versucht, Hitler umzubringen. Auch Elser wurde hingerichtet.

Der 20. Juli 1944

Der Anschlag auf Hitler... ist ein Symbol des militärischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. An diesem Tag versuchte der 36 Jahre alte Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg Adolf Hitler mit einem Anschlag zu töten. Nach dem Tod des Diktators sollte mit den Westalliierten über ein Ende des Zweiten Weltkrieges verhandelt werden.

Stauffenberg stellte im ostpreußischen Führerhauptquartier "Wolfsschanze" eine Aktentasche mit einer Zeitbombe ab und reiste nach Berlin zurück. Bei der Explosion starben fünf von 24 Anwesenden, Hitler wurde nur leicht verletzt. Von Hitlers Tod überzeugt, setzte Stauffenberg in Berlin die "Operation Walküre" in Gang. Sie war ursprünglich ein Plan der Wehrmacht zur Unterdrückung eines möglichen Aufstandes im Krieg, der von den Offizieren umfunktioniert wurde.

DEU_Bundeswehr_Geloebnis_FRA101.jpg5550721665898397557.jpgAm späten Abend des 20. Juli wurde klar, dass der Anschlag gescheitert war. Noch in der Nacht wurden Stauffenberg und weitere Beteiligte in Berlin im Bendlerblock - damals Sitz des Heeresamtes - hingerichtet. Insgesamt fielen rund 200 Mitverschwörer der Nazi-Justiz zum Opfer. Seit 1999 wird am 20. Juli mit einem Gelöbnis an den Widerstand der Offiziere gegen Hitler erinnert. Ihr Streben nach Frieden und für Menschenrechte soll als Traditionslinie für die Bundeswehr bewahrt werden.

Quelle: n-tv.de, dpa

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