Politik

"Nicht als Randnotiz abtun"Ricarda Lang fordert von Merz Stellungnahme im Fall Fernandes

23.03.2026, 19:53 Uhr
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Die schweren Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Ehemann Christian Ulmen entfachen eine Debatte um sexualisierte digitale Gewalt gegen Frauen in Deutschland. Ein Bündnis von 250 prominenten Frauen um die Grünen-Politikerin Ricarda Lang fordert Konsequenzen.

Ricarda Lang hat Bundeskanzler Friedrich Merz aufgefordert, sich im Fall Collien Fernandes und Christian Ulmen klar zu positionieren. "Ich würde mir wünschen, dass Friedrich Merz sich zu dem Fall Collien Fernandes äußert, denn er ist Bundeskanzler dieses Landes", sagte die Bundestagsabgeordnete von Bündnis90/die Grünen zu RTL/ntv. "Und als Bundeskanzler trägt er auch Verantwortung dafür, ob wir in einem Land leben, in dem sich Frauen sicher fühlen können - egal, ob auf der Straße oder im Netz."

Zugleich kritisierte Lang Defizite beim Schutz von Frauen vor digitaler Gewalt. "Wenn es um digitale Gewalt geht, wenn es um den Schutz von Frauen geht, dann versagt unser Rechtsstaat", sagte sie. "Dann kann ich das doch als Bundeskanzler nicht als Randnotiz abtun oder mit Ignoranz strafen." Sie erwarte vielmehr, "dass sich ein Bundeskanzler hinstellt und sagt: Gerade als Mann schweige ich nicht, ich relativiere dieses Thema nicht, sondern bin solidarisch - und bringe Gesetze auf den Weg, die dafür sorgen, dass Frauen in Zukunft geschützt werden."

Lang hatte gemeinsam mit 250 prominenten Frauen aus Politik, Kultur und Wirtschaft in einem offenen Brief ihre Solidarität mit der Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes bekundet und zehn konkrete Forderungen an die Bundesregierung gestellt. Neben Lang wurde der offene Brief von Kristina Lunz vom Centre for Feminist Foreign Policy und der Journalistin und Filmemacherin Düzen Tekkal initiiert.

Unter den Unterzeichnerinnen befinden sich prominente Stimmen wie Veronica Ferres, Nina Chuba, Hazel Brugger, Carolin Kebekus oder Luisa Neubauer sowie hochrangige Politikerinnen wie Bärbel Bas und Claudia Roth. Auch die beiden "jerks."-Darstellerinnen Emily Cox und Pfeline Roggan unterstützen den Aufruf.

Forderungen an Justizministerium

In seinem 10-Punkte-Plan gegen digitale sexualisierte Gewalt fordert das Bündnis schärfere Gesetze gegen Deepfakes, mehr Schutz für Opfer und mehr Verantwortung für Internetplattformen. Zu den Kernpunkten gehört die explizite Strafbarkeit von KI-generierten Deepfakes und das Verbot von sogenannten "Nudify-Apps", die Personen digital entkleiden. Zudem fordern die Frauen eine stärkere Haftung der Plattformbetreiber sowie die konsequente Umsetzung der Istanbul-Konvention zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen.

Die Vorwürfe von Collien Fernandes, die durch einen "Spiegel"-Bericht öffentlich wurden, haben in den vergangenen Tagen eine Welle an Bestürzung und Solidarität ausgelöst. Am Sonntag demonstrierten Tausende Menschen am Brandenburger Tor in Berlin, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Klingbeil will schnelle Gesetzesänderungen

SPD-Chef Lars Klingbeil hat nach dem bekannt gewordenen Fall um Collien Fernandes schnelle Gesetzesänderungen zum Schutz vor digitaler Gewalt gefordert. "Ich will, dass jetzt schnell die Gesetze geändert werden", sagte Klingbeil in der ntv Sendung "Pinar Atalay". "Dass Frauen nicht geschützt sind, was Deepfakes angeht, was die Bearbeitung von Bildern angeht - das ist nicht akzeptabel." Die Bundesregierung arbeite daran: "Das ist das, was Stefanie Hubig jetzt schnell auf den Weg bringt."

Justizministerin Stefanie Hubig kündigte bereits an, dass sie eine schnelle Reform des Strafgesetzbuchs zum besseren Schutz vor digitaler sexualisierter Gewalt anstrebt. Der entsprechende Gesetzentwurf soll schon in den kommenden Tagen innerhalb der Bundesregierung abgestimmt werden, kündigte die SPD-Politikerin am Freitag in den ARD-"Tagesthemen" an.

Klingbeil forderte zudem ein stärkeres gesellschaftliches Engagement, insbesondere von Männern. "Das ist auch Aufgabe von uns Männern, dass wir jetzt dafür kämpfen, dass so etwas nicht weiter passieren kann", sagte er. "Es gibt noch viel zu viele Situationen, wo man wegguckt oder bei einem blöden Spruch sogar lacht." Der Fall müsse Konsequenzen haben: "Wir brauchen jetzt schnell eine Gesetzgebung und müssen die Lücken schließen - und das durch den Bundestag bringen."

Fernandes hatte die Strafanzeige gegen ihren früheren Partner am Donnerstag öffentlich gemacht. Ulmen habe demnach seit zehn Jahren Fake-Profile unter ihrem Namen angelegt und gefälschte Nacktfotos und Sexvideos verschickt, die vermeintlich Fernandes zeigten. Ulmens Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, bei der es sich "in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung" handle. Zudem würden "unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet". Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.

Quelle: ntv.de, gut/vmi/spot

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