Politik
Man wird doch noch mal blödeln dürfen!
Man wird doch noch mal blödeln dürfen!(Foto: dpa)
Montag, 06. September 2010

"Barbie mit 40 Hosenanzügen": Rösler verspottet Merkel

Volksfeststimmung in Niederbayern: Die Bierzeltgemeinde ist bierselig und Gesundheitsminister Röslers Auftritt kabarettreif. Statt wie üblich auf dem Gillamoos auf den politischen Gegner einzuschlagen, schüttet er beißenden Spott über die Verbündeten aus. Was Röslers Sprecher zu einer "Richtigstellung" bewegt.

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hat bei einem Auftritt in einem bayerischen Bierzelt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) als "Barbiepuppe" verspottet. "Angela Merkel gibt es jetzt auch als Barbiepuppe", sagte Rösler auf dem Gillamoos-Volksfest im niederbayerischen Abensberg. "Die kostet 300 Euro. Das heißt, die Puppe kostet nur 20 Euro. Aber richtig teuer werden die 40 Hosenanzüge."

Der Gillamoos, einer der ältesten Jahrmärkte in Bayern, ist über den Freistaat hinaus bekannt für seine markigen Reden prominenter Politiker. Politiker der verschiedenen Parteien dreschen gleichzeitig in mehreren Bierzelten verbal auf den politischen Gegner ein. Unbekannt wird wohl bleiben, ob Rösler das nicht wusste oder ob er einfach mal etwas Neues ausprobieren wollte – und auf die eigene Koalition einhieb. Der Gesundheitsminister fügte immerhin erklärend an: "Ich habe schon immer Witze über meine Chefs gemacht."

Die Chefin in einem der 40 Hosenanzüge.
Die Chefin in einem der 40 Hosenanzüge.(Foto: dapd)

Den politischen Gegner strafte Rösler mit Nichtbeachtung, und auch Dauer-Kontrahent Markus Söder von der CSU kommt ungeschoren davon. Dafür zieht er in seinem kabarettreifen Auftritt vor etwa 250 ziemlich verdutzten Zuhörern kräftig über die eigene Koalition her: "Das ist keine Koalition, sondern manchmal eine schlagende Verbindung." Seiner eigenen Regierung bescheinigt er, in den ersten zehn Monaten nichts getan zu haben: "Das waren genau die zehn Monate, die die Wirtschaft gebraucht hat, um sich zu erholen."

Inzwischen habe sich Merkel aber entschieden, "mit dem Regieren anzufangen". Erste Maßnahme sollten Live-Übertragungen der Kabinettssitzungen im Internet sein, unter dem Titel: "Google Kabinett View". Die Übertragungen habe dann Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verhindert - mit der Begründung: "Wir wollen keine Gewalt im Internet." Dann fügte Rösler noch hinzu, dass es im Kabinett gelegentlich "Zickenterror" gebe und damit wohl die sich jüngst über die Bildungs-Chipkarte für Kinder von Hartz-IV-Empfängern streitenden CDU-Ministerinnen Kristina Schröder und Ursula von der Leyen meinte.

Bilderserie

Wie Röslers launige Worte bei Merkel und den Kabinettskolleginnen ankamen, blieb erst einmal offen. Sicherheitshalber fühlte sich Röslers Sprecher Christian Lipicki zu Erklärungen bemüßigt: "Es handelt sich um Satire." Äußerungen, die auf dem Gillamoos-Fest gemacht werden, "sind nicht dazu gedacht, bierernst genommen zu werden."

Quelle: n-tv.de