Statt JD Vance?Rubio rückt als möglicher Trump-Nachfolger in den Fokus

Noch sind es zweieinhalb Jahre bis zu den nächsten Präsidentschaftswahlen in den USA. Für die Nachfolge von Donald Trump laufen sich zwei Personen warm: sein Vize und sein Außenminister. Einer steht bei den derzeitigen internationalen Krisen besonders im Rampenlicht.
Für die Nachfolge von US-Präsident Donald Trump läuft im Hintergrund bereits ein Schaulaufen von gleich zwei Kandidaten: Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio. Beiden Republikanern werden Ambitionen auf den Chefsessel im Weißen Haus nachgesagt.
In den vergangenen Monaten wurde dabei stets Vance als Favorit gehandelt. Als Vizepräsident wäre er die logische Nachfolge in der Hackordnung. Das Amt diente bereits etlichen Präsidenten als Sprungbrett an die Spitze des Staates. Auch Trump äußerte bereits seine grundsätzliche Unterstützung für den früheren Senator aus Ohio. Dieser sei "höchstwahrscheinlich" sein Erbe an der Spitze der "MAGA"-Bewegung, erklärte der 78-Jährige im vergangenen Jahr. Festlegen wollte er sich aber nicht.
Doch auch seinen Außenminister nennt Trump bei diesem Thema. Er bringt ihn ebenfalls für die Position ins Spiel oder schlägt vor, dass Rubio und Vance sich für die Wahl 2028 zusammenschließen könnten. Diese seien schließlich "sehr intelligent", charakterisiert der US-Staatschef.
Rubio mit Doppelfunktion
Bei einigen finanzstarken Unterstützern des US-Präsidenten kommt Rubio mit seinem Auftreten sehr gut an. Bei einem Abendessen in seinem Club in Mar-a-Lago soll Trump laut NBC kürzlich in einem Kreis von 25 Spendern gefragt haben: Marco oder JD? Die Mehrheit der Anwesenden soll sich deutlich für den Außenminister ausgesprochen haben, werden mehrere Teilnehmer anonym zitiert.
Rubio nimmt in der Trump-Regierung eine Doppelrolle ein, die es seit Jahrzehnten nicht mehr gab. Der 54-Jährige ist im Kabinett neben seinem Job als Außenminister seit der Demission von Mike Waltz auch Nationaler Sicherheitsberater. Die Verknüpfung der beiden Ämter gab es zuletzt mit Henry Kissinger.
Laut einer Umfrage des TV-Senders haben derzeit 77 Prozent der republikanischen Wähler ein positives Bild von Vance. Rubio kommt auf 66 Prozent. Trump dürfte sich seiner Rolle als Königsmacher bewusst sein: Seine Unterstützung für einen Kandidaten dürfte das noch nicht gestartete Rennen entscheiden.
Die herausragende Rolle von Rubio wird in den letzten Monaten in der US-Außenpolitik auch deutlich sichtbarer. Der Krieg Israels und der USA wird aus Washington von den Verlautbarungen Rubios und Trumps geprägt. Vance spielt hier als Vertreter des isolationistischen Flügels bei den Republikanern kaum eine Rolle. Selbst Trump kann das nicht verheimlichen: Vance sei bei dem Thema "philosophisch gesehen ein bisschen anders als ich". Der Vizepräsident sei "vielleicht etwas weniger enthusiastisch".
Außenminister verteidigt Interventionen
Rubio dagegen verteidigt offensiv das Vorgehen gegen das "terroristische Regime". Er stellt die von Teherans Raketen- und Nuklearprogramm ausgehende Gefahr für Israel und die USA in den Fokus: "Der Präsident ist entschlossen, dass wir nicht als Erste angegriffen werden. So einfach ist das", verteidigt der außenpolitische Falke den Krieg und die Entscheidung Trumps.
Auch der aggressive Einsatz in Venezuela mit der Entführung des dortigen Autokraten Nicolás Maduro entspricht den seit langer Zeit formulierten Forderungen von Rubio und den außenpolitischen Falken in der republikanischen Partei. Statt "regime change" und "nation building" setzt man inzwischen allerdings lieber auf das Management der bestehenden Regime: wohlgesinnte Figuren platzieren, statt komplette Systeme zu planieren. So umgehen die USA einen aufwendigen Neuaufbau von Staaten.
Auch die Regierung in Havanna will der Nachfahre von Kuba-Geflüchteten seit Langem stürzen. Das Abschneiden Kubas von venezolanischem Öl und die zusätzlichen Druckmittel Washingtons bringen den Außenminister seinem Ziel näher. Trump wähnt das Regime auf der Insel bereits in dessen "letzten Augenblicken". Für den früheren Senator aus dem Sunshine State wäre ein Ende des Kommunismus in der Karibik auch ein ganz persönlicher Erfolg. Die Regierung etabliert damit eine neue Form des Interventionismus. Sollte das Konzept zum Triumph werden, würde sich Rubio dies in einem Wahlkampf 2028 sicherlich an die eigene Brust heften.