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Wirbel um Irans Außenminister Ruhani lehnt Sarifs Rücktritt ab

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Irans Außenminister Sarif entschuldigt sich für seine "Unzulänglichkeiten" und will von seinem Amt zurücktreten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mit großen Worten legt Irans Außenminister Sarif sein Amt nieder. Er entschuldigt sich öffentlich und spricht von "Unzulänglichkeiten". Irans Präsident Ruhani will von einem Abtritt Sarifs jedoch nichts wissen. Er weist sein Rückzugsgesuch zurück.

Das iranische Präsidialamt hat den Rücktritt von Außenminister Mohamed Dschawad Sarif bestätigt. Gleichzeitig aber gab die Führung in Teheran bekannt, dass Präsident Hassan Ruhani das Rücktrittsgesuch nicht akzeptieren werde. Sarif habe bis jetzt "bravourös" seine Arbeit verrichtet und werde es auch weiterhin tun, erklärte das Präsidialamt in einer im Netz verbreiteten Mitteilung. Daher werde Präsident Ruhani diesen Rücktritt nicht hinnehmen. "Sarif wird nicht alleine sein und wir (die Regierung) werden alle zu ihm halten", hieß es wörtlich.

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Sarif hatte am späten Vorabend seinen Rücktritt erklärt: "Ich entschuldige mich für all meine Unzulänglichkeiten in den vergangenen Jahren als Außenminister", teilte Sarif auf Instagram mit. Was genau den einflussreichen iranischen Spitzenpolitiker zu diesem unerwarteten Schritt bewegte, blieb unklar. Seine Rücktrittserklärung veröffentlichte Sarif in einem düster wirkenden Post auf Instagram unter dem Nutzernamen "jzarif_ir". Seinen Mitteilungen dort folgen rund 700.000 Nutzer.

Beobachter in Teheran zeigten sich überrascht, dass der iranische Außenminister eine derart wichtige Entscheidung kurz vor Mitternacht Ortszeit über ein soziales Medium bekanntgab. Aber auch sie gingen davon aus, dass der Präsident den Rücktritt seines Chefdiplomaten nicht akzeptieren und Sarif daher - trotz oder wegen seiner öffentlich bekundeten Reue - weiterhin im Amt bleiben werde. 

Spekulationen über Rücktrittsgründe

Über den Auslöser seiner Rücktrittserklärung wird seit vergangener Nacht heftig spekuliert. Einzelne Kenner der iranischen Innenpolitik behaupteten, dass Sarif die ständige Kritik der Hardliner an dem Wiener Atomabkommen von 2015 und seiner Annäherungspolitik an den Westen satt habe. Andere schrieben, dass er zu dem Treffen mit Syriens Präsident Baschar al-Assad nicht eingeladen wurde und daher verärgert zurückgetreten sei. Einig sind sich aber fast alle Beobachter, dass ein Rückzug Sarifs auch zu einem baldigen Ende des Atomdeals führen dürfte.

Sarif hatte auf iranischer Seite maßgebend das Atomabkommen mit den UN-Vetomächten und Deutschland ausgehandelt. Die Vereinbarung von 2015 sollte den Iran daran hindern, Atomwaffen zu entwickeln. Im Gegenzug sollten Sanktionen aufgehoben werden. Die USA haben sich inzwischen aus dem Abkommen zurückgezogen und neue Sanktionen verhängt. Sarif war daraufhin im Iran aus den eigenen Reihen heraus in die Kritik geraten.

Nach Einschätzung politischer Beobachter in Teheran hat Ruhani für den erfahrenen Diplomaten Sarif derzeit schlicht keine Alternative. In Frage kämen am ehesten sein Stellvertreter Abbas Araghchi oder Atomchef und Vizepräsident Ali-Akbar Salehi. Aber keiner der beiden verfüge über das Charisma Sarifs, heißt es.

Quelle: n-tv.de, bad/rts/dpa

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