Politik

Angst vor neuer Welle groß Kreml beteuert Ende der Einberufungen

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Russische Rekruten trainieren für den Einsatz in der Ukraine: 82.000 sind nach Angaben des Kreml bereits an der Front.

(Foto: picture alliance/dpa/ZUMA Press Wire)

Bereits Ende Oktober verspricht Putin, dass die Teilmobilisierung beendet ist und keine weiteren Rekruten mehr eingezogen werden. Tausende Russen bezweifeln das und fordern ein offizielles Dekret. Vom Kreml kommt abermals nur eine mündliche Versicherung.

Der Kreml ist Befürchtungen in der russischen Bevölkerung entgegengetreten, wonach eine zweite Mobilisierungswelle von Reservisten für den Krieg gegen die Ukraine geplant sein könnte. Im Kreml gebe es darüber "keine Diskussionen", sagte Sprecher Dmitri Peskow am Mittag laut russischen Nachrichtenagenturen. Russland hatte eigenen Angaben zufolge Ende Oktober die Mobilmachung von 300.000 Reservisten für den Krieg in der Ukraine abgeschlossen. Rund 82.000 der Männer waren demnach bereits Anfang November an der Front im Einsatz, die übrigen sollten in Russland auf den Kampf vorbereitet werden. Neue Maßnahmen der Mobilmachung seien derzeit nicht geplant, hatte Verteidigungsminister Sergei Schoigu bereits damals gesagt.

Die Mobilmachung hatte in Russland eine regelrechte Massenpanik ausgelöst, Hunderttausende Menschen flohen - zumindest zeitweise - ins Ausland. Viele von ihnen reisten etwa in die Nachbarländer Kasachstan und Georgien. Andere tauchten im eigenen Land unter, um der Einziehung in die Streitkräfte zu entgehen. Trotz der offiziellen Dementis des Kremls und des Verteidigungsministeriums ist die Angst vor einer weiteren Mobilisierungswelle in Russland groß. Dass viele Menschen den Angaben des Kremls nicht trauen, dürfte auch daran liegen, dass es bei der bisherigen Mobilmachung immer wieder Chaos gab. So wurden mehrfach Fälle dokumentiert, in denen Männer etwa trotz gesundheitlicher Beschwerden eingezogen wurden.

In Russland hatten zuletzt Tausende Russen auf verschiedenen Plattformen ein offizielles Ende der Rekrutierungen gefordert. So starteten sechzehn Anti-Kriegs-Gruppen in Russland eine entsprechende Petition. Am 31. Oktober habe Präsident Wladimir Putin bekannt gegeben, dass die Mobilisierung beendet sei. Allerdings habe er darauf verzichtet, ein Dekret über ein offizielles Ende zu unterzeichnen, heißt es hier. "Inzwischen erhalten die Russen immer noch Vorladungen." Nach Ansicht von Anwälten und Menschenrechtsaktivisten biete die Erklärung des Präsidenten den russischen Bürgern keine Garantien, solange sie nicht dokumentiert sei, so die Sorge der Unterzeichner. "Unsere Lieben, Verwandten, Söhne, Ehemänner, Brüder sind immer noch in Gefahr."

(Dieser Artikel wurde am Montag, 21. November 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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