Politik

Plünderungs-Basar in Belarus Russische Soldaten schicken Raubgut per Post nach Hause

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Russische Soldaten sollen in der Ukraine geplündert haben.

(Foto: picture alliance/dpa/TASS)

Lautsprecherboxen, Fernseher, E-Scooter, Klimaanlagen: Übereinstimmenden Berichten zufolge verschicken russische Soldaten geplündertes Gut aus Kiew per Post aus Belarus nach Hause. Die schwerste Sendung wiegt so viel wie ein halbes Auto. Zusätzlich richten die Truppen einen Raubgut-Basar ein.

Die russischen Truppen haben sich fast komplett aus der Region um Kiew zurückgezogen, viele von ihnen wurden zunächst nach Belarus beordert. Dorthin sollen die Soldaten einiges an Raubgut mitgebracht haben, das sie mutmaßlich während ihrer Besatzung der Ortschaften um Kiew - darunter auch Butscha, indem Streitkräfte ein Massaker an Zivilisten anrichteten - geplündert hatten. Berichte sprechen von Raubgut-Paketen, die in die russische Heimat verschickt werden und Plünderungs-Basaren in Belarus.

Schon im März hatten Ukrainer von Plünderungen in den Gebieten um Kiew berichtet. Nun soll ein dreistündiges Überwachungsvideo aus einer Zweigstelle des russischen Kurierdienstes CDEC in der belarussischen Stadt Masyr zeigen, dass russische Soldaten Dutzende Pakete Raubgut in ihre Heimat schicken. Unabhängige russische Journalisten von "Mediazona" schlussfolgerten dies nach der Analyse des am Samstag aufgenommenen Videos. Zunächst hatte der belarussische Aktivist und Blogger Anton Motolko in seinem Telegram-Kanal davon berichtet. Auch Hanna Liubakova, eine der prominentesten unabhängigen Journalistinnen aus Belarus, schrieb auf Twitter von der Raubpost, nachdem sie das Überwachungsvideo analysiert hatte. Das Hauptnachrichtendienstdirektorat des ukrainischen Verteidigungsministeriums bestätigte die Vorgänge ebenfalls, ohne auf das Video einzugehen.

450-Kilo-Sendung nach Russland

In dem Video sind insgesamt 16 Männer in russischen Armeeuniformen zu erkennen, die mehrere Stapel Briefe, Pakete und größere Kisten für den Weitertransport abgeben. In einigen Aufnahmen ist der Inhalt ersichtlich: Es handelt sich unter anderem um Lautsprecherboxen, Fernseher, E-Scooter, Klimaanlagen, Angelausrüstungen und Taschen aus dem ukrainischen Einkaufszentrum Epicenter bei Kiew. Allein am Samstag sollen die Soldaten mehr als zwei Tonnen Beute (soviel wiegt etwa ein T6 VW-Bus) nach Russland geschickt haben, die Einzelsendungen sollen zwischen 50 und 450 Kilogramm (mehr als die Hälfte des Gewichts eines Smart) gewogen haben.

Am Montag veröffentlichte Motolko Listen mit angeblichen Absendern, Adressen von Empfängern und mit Auftragsnummern, anhand derer die Sendungen verfolgt werden konnten. Die meisten Pakete - 49 von 69 - wurden demnach nach Rubzowsk im südlichen Westsibirien geschickt.

Am Samstag hatte das Hauptnachrichtendienstdirektorat des ukrainischen Verteidigungsministeriums auf Facebook berichtet, dass das russische Militär in der belarussischen Stadt Naroulia einen speziellen Basar eingerichtet hat, auf dem es in der Ukraine gestohlenes Eigentum verkauft. Zum "Sortiment" der Plünderer gehörten dort demnach: Wasch- und Spülmaschinen, Kühlschränke, teurer Schmuck, Autos, Fahrräder, Motorräder, Geschirr, Teppiche, Kunstwerke, Kinderspielzeug und Kosmetika. Außerdem sollen die Russen versucht haben, gestohlenes Geld - Dollar und Euro - umzutauschen.

Quelle: ntv.de, dbe

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