Politik

400 Geiseln, darunter Patienten Russische Truppen besetzen Klinik in Mariupol

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Die medizinsche Versorgung der Menschen in Mariupol wird immer brenzliger.

(Foto: AP)

Die Lage in der Hafenstadt Mariupol wird immer dramatischer. Geflüchtete berichten davon, dass Menschen ungefiltertes Wasser aus einem Fluss trinken müssen und plündern. Die russischen Invasoren sollen nun auch eine Klinik unter ihre Kontrolle gebracht haben. Was mit den Geiseln passiert, ist unklar.

Russische Truppen haben nach Angaben der ukrainischen Vize-Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk in der Hafenstadt Mariupol ein Krankenhaus unter ihre Kontrolle gebracht. 400 Patienten und Mitarbeiter würden als Geiseln gehalten. Die Soldaten hätten auf dem Klinikgelände Artillerie in Stellung gebracht und würden Schüsse abfeuern, sagt die stellvertretende Regierungschefin in einer Video-Ansprache. Von russischer Seite gab es zunächst keine Stellungnahme. Die Angaben können nicht unabhängig überprüft werden.

Ob ein Fluchtkorridor zur Evakuierung weiterer Zivilisten aus der ostukrainischen Stadt diesen Mittwoch geöffnet werden könne, sei fraglich. Nach Behörden-Angaben sind bislang rund 20.000 Einwohner in Privatautos aus der Metropole geflohen. Weiteren Angaben zufolge sind die Einwohner seit fast zwei Wochen ohne Heizung, Strom und fließendes Wasser in der Hafenstadt im Südosten des Landes eingeschlossen. Mindestens 200.000 Menschen seien dringend auf eine Evakuierung angewiesen.

Menschen, die aus Mariupol in weniger umkämpften Gebieten angekommen sind, schildern laut AFP-Reportern dramatische Momente von ihrer Flucht. Sie berichten unter anderem von Minenfeldern auf den Straßen, mit zerstörten Autos und verstorbenen Insassen sowie von russischen Soldaten, die sie zur Rückkehr aufgefordert hätten. In Mariupol sei die Lage unmenschlich, heißt es weiteren Zeugenberichten zufolge. Die Menschen seien gezwungen, ungefiltertes Wasser aus einem Fluss zu trinken. Ein Mann erzählt, dass er Geschäfte geplündert habe, um seine Familie zu ernähren. Sie hätten bei Minustemperaturen "unter der Erde" gelebt.

Mariupol liegt etwa 55 Kilometer von der russischen Grenze und 85 Kilometer von der Separatistenhochburg Donezk entfernt. Es ist die größte Stadt zwischen der von Russland annektierten Krim-Halbinsel und den pro-russischen Separatistengebieten, die sich noch in der Hand der ukrainischen Regierung befindet. Die Eroberung der Stadt mit einst 450.000 Einwohnern wäre ein Wendepunkt in der russischen Invasion der Ukraine, da sie eine Landverbindung zwischen den beiden Gebieten herstellen und die Ukraine vom Asowschen Meer abschneiden würde.

Quelle: ntv.de, tno/dpa/AFP/rts

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