Politik

"Boulevardisierung der Politik" SPD kritisiert Guttenberg-Show

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Stein des Anstoßes: Die Guttenbergs in Afghanistan.

REUTERS

Die SPD bekräftigt ihre Kritik an der Reise des Verteidigungsministers mit seiner Frau Stephanie nach Afghanistan. Das sei eine "Amerikanisierung des Politikstiles, der unserer Demokratie nicht unbedingt guttut", sagt Verteidigungsexperte Arnold bei n-tv. Guttenbergs Mitreisende halten dagegen und nehmen den Minister in Schutz.

Der Streit um die Afghanistan-Reise von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mit seiner Frau Stephanie hält an. Die Opposition wirft Guttenberg Inszenierung vor, weil er neben seiner Frau auch den SAT.1-Moderator Johannes B. Kerner mitgenommen hatte. Die Union sowie der mitgereiste Kerner nahmen Guttenberg gegen die Vorwürfe in Schutz.

Die SPD kritisiert die Reise als PR-Aktion, die demokratieschädlich sei. "So wie der Minister Politik kommuniziert, ist es eine Boulevardisierung der Politik", sagte Verteidigungsexperte Rainer Arnold bei n-tv. Guttenberg setze auf die Macht der bunten Bilder und damit auf eine "Amerikanisierung des Politikstiles, der unserer Demokratie nicht unbedingt guttut." Arnold wünscht sich da mehr Substanz vom Minister, es gäbe beileibe genügend Themen. Guttenberg solle sich auch mal problematischen Fragen stellen, etwa im Ausschuss oder einer Talkshow, in der auch Kritiker zu Wort kommen. "Er sucht immer die Formate, wo er im Mittelpunkt ist." Arnold warf Guttenberg vor, die Bundeswehr nur als Kulisse für seine Auftritte in einer Fernsehsendung zu benutzen. "Das halte ich nicht für angemessen in der jetzigen Situation."

"Wohlwollend aufgenommen"

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Kerner hat bei dem Besuch eine Fernsehshow aufgezeichnet.

(Foto: dpa)

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer verteidigte Guttenberg. "Diese Kritik kommt von Leuten, die noch nie selbst in Afghanistan waren und das Los der Soldaten eher aus der warmen Stube betrachten", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung". "Ich habe von Ego-Show bloß in der Zeitung gelesen, ich habe sie nicht als solche empfunden." Böhmer hatte Guttenberg auf der Reise begleitet. "Im Übrigen sind auch viele Soldatinnen dabei", sagte Böhmer. "Und ich habe schon beobachtet, dass Frau zu Guttenberg sich gerade beim Mittagessen immer wieder an einen anderen Tisch gesetzt hat und dort sehr herzlich empfangen wurde. Es gibt auch offensichtlich Probleme, die Frauen lieber untereinander bereden. Insofern hatte ich den Eindruck, dass das sehr wohlwollend aufgenommen wurde."

Talk-Moderator Kerner wies die Kritik am Verteidigungsminister ebenfalls zurück. "In der Talkshow geht es um die Sache - auch um unangenehme Fragen. Posttraumatische Belastungsstörungen bei Soldaten zum Beispiel", sagte Kerner der "Bild"-Zeitung. Der Bundeswehreinsatz habe keine Lobby. Viele Menschen wüssten nicht, was die Bundeswehr in Afghanistan leiste. "Vielleicht helfen wir mit unserer Sendung in diesem Bereich ein bisschen nach", sagte Kerner.

Auch den Besuch des Ministers und seiner Frau Stephanie verteidigte der Moderator. "Mein Eindruck war, dass die Soldaten sich gefreut haben - über die Anerkennung ihrer gefährlichen Arbeit. Der Verteidigungsminister, so wirkt es auf mich, ist dort unten sehr beliebt. Gerade weil er für Aufmerksamkeit sorgt." Zwei Soldatinnen hätten ihm gegenüber begrüßt, dass die Ministergattin mitkam.

Quelle: n-tv.de, tis/rts/dpa

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