Politik

Mit harten Bandagen Samaras auf dem Weg an die Macht

Der 60-jährige Ökonom und Ex-Außenminister könnte der große Gewinner der Wahl werden oder aber auch ihr tragischster Verlierer. Mit seinem klaren Kurs hat er zwar noch die Wähler überzeugt, die sozialistische Pasok könnte sich aber weigern, ihn zum Ministerpräsidenten zu machen.

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Antonis Samaras will den Spagat zwischen Sparen und Wachstumsanreizen schaffen.

(Foto: dpa)

Antonis Samaras wollte an die Macht. Und das mit allen Mitteln. Während Griechenland unter der Schuldenkrise ächzte, bekämpfte der Parteichef der konservativen Nea Dimokratie die von den internationalen Kreditgebern auferlegte Sparpolitik monatelang mit einer Hartnäckigkeit, mit der er nicht nur bei den gegnerischen Sozialisten zur Reizfigur wurde.

Nun hat der 60-jährige Ex-Außenminister sein Ziel fast erreicht. Bei der Parlamentswahl dürfte seine Partei stärkste Kraft werden.

Als Oppositionsführer war Samaras eigentlich immer dagegen: Während sein Heimatland seit Anfang 2010 auf den Staatsbankrott zusteuerte und zweimal um Milliardenhilfen bitten musste, weigerte er sich beharrlich, im Parlament den Sparbeschlüssen der sozialistischen Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou zuzustimmen. Stattdessen sprach sich Samaras weiter unbeirrt für Steuersenkungen aus und bezeichnete die Krisenpolitik der EU als falsch.

Immer wieder Nein

Auch Papandreous umstrittenen Vorstoß, das Volk in einem Referendum über das Rettungspaket entscheiden zu lassen, lehnte er Ende 2011 ab. Samaras wehrte sich auch lange gegen eine Einheitsregierung und forderte stattdessen hartnäckig Neuwahlen - immerhin lag seine Partei in den Umfragen stets in Führung.

Im November 2011 hatte der Oppositionschef dann keine andere Wahl mehr, als der Bildung eines Übergangskabinetts unter dem früheren Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank, Lucas Papademos, zuzustimmen. Er tat sich aber weiter sichtlich schwer damit, dass seine Konservativen nun zusammen mit der sozialistischen Pasok-Partei von Papandreou regieren mussten, mit dem er beim Studium am Amherst College in den USA einst ein Zimmer teilte.

Zwar schlug er gegenüber den internationalen Geldgebern Athens nun einen versöhnlicheren Ton an, doch die EU-Partner beäugten den Sprössling einer wohlhabenden Familie aus Messenien auf der Halbinsel Peloponnes weiter skeptisch. Schließlich hat sich der 60-jährige Vater von zwei Kindern, der am 23. Mai seinen 61. Geburtstag feiert, in seiner langen politischen Karriere oft durch Starrköpfigkeit hervorgetan.

Mit der eigenen Partei über Kreuz

1989 übernahm Samaras sein erstes Ministeramt, als er in der Regierung von Kostas Mitsotakis erst Wirtschafts- und dann Außenminister wurde. Im Kleinkrieg mit Mazedonien, mit dem Griechenland seit Jahrzehnten darüber streitet, ob das Nachbarland so heißen darf wie die gleichnamige nordgriechische Provinz, gab er sich so sehr als Hardliner, dass ihn seine eigene Partei schließlich fallen ließ. 1992 wurde er aus der Nea Dimokratia ausgeschlossen und gründete seine eigene nationalistische Partei "Politischer Frühling"- mit geringem Erfolg.

2004 schloss sich Samaras wieder der Nea Dimokratia an und wurde Abgeordneter im Europaparlament. Im Januar 2009 wurde er Kulturminister in der Regierung von Kostas Karamanlis, die jedoch schon neun Monate später abgewählt und im Oktober 2009 von Papandreou abgelöst wurde. Bei einer Kampfabstimmung gegen die frühere Außenministerin Dora Bakojannis wurde Samaras Parteichef und damit Oppositionsführer.

Konsequent bis zum Schluss?

Samaras, der im Wahlkampf versprach, die griechischen Städte von den illegalen Einwanderern "zurückzuerobern", hat eine erneute Koalition mit der Pasok strikt ausgeschlossen. Für eine eigene Mehrheit dürfte es aber auch nicht reichen, weil beide großen Parteien von den Wählern für die unbeliebte Sparpolitik abgestraft werden dürften und mit herben Verlusten rechnen müssen.

Nach Einschätzung von Beobachtern könnte die Nea Dimokratia angesichts unklarer Mehrheitsverhältnisse letztlich gar keine andere Wahl haben, als wieder ein Regierungsbündnis mit den Sozialisten zu schließen. Und dann könnte Samaras sein Ruf als Hardliner am Ende doch zum Verhängnis werden: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Pasok Samaras als Regierungschef ablehnt und auf einen Kandidaten besteht, den sie leichter mittragen kann.

Quelle: ntv.de, Sophie Makris, AFP

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