Politik
In Deutschland leben rund 800 Wölfe.
In Deutschland leben rund 800 Wölfe.(Foto: picture alliance / Sebastian Gol)
Mittwoch, 18. April 2018

Debatte um den Wolf: Schäfer fordern Millionen-Prämie vom Bund

Die Frage, wie mit dem Wolf umzugehen ist, treibt längst nicht mehr nur Tierhalter und Jäger um, sondern auch die Politik - namentlich den Umweltausschuss im Bundestag. Dort wird deutlich: Das Thema hat mehr Facetten, als man auf den ersten Blick meinen könnte.

Worum geht es?

Rund 150 Jahre lang galt der Wolf in Deutschland als ausgestorben. Nun ist er zurück in mehreren Bundesländern, vor allem Niedersachsen und in Ostdeutschland. Ganz genaue Angaben gibt es nicht - 150 bis 160 erwachsene Tiere, insgesamt etwa 800 Wölfe dürften es sein. Tendenz steigend: Wenn sie ausreichend Nahrung finden und nicht gejagt, vertrieben oder zum Beispiel durch Verkehrsunfälle getötet werden, dann vermehren sie sich rasch. Wölfe jagen - nicht nur Wild, sondern auch Schafe und andere Nutztiere. Sie haben keine Fressfeinde. 2016 wurden über 1000 Nutztiere durch Wölfe getötet oder verletzt. Vor allem Schafe und Ziegen werden gerissen, aber auch Rinder.

Warum ist das so problematisch?

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Die Weidetierhaltung ist wichtig für den Naturschutz. Für Schäfer ist es nicht nur finanziell, sondern auch emotional belastend, wenn ihre Tiere gerissen werden: Jeder Angriff sei "ein Trauma für Mensch und Tier, schon die Angst davor ist unerträglich", sagt Andreas Schenk vom Bundesverband der Berufsschäfer. In Niedersachsen zum Beispiel werden Schafe auch zum Schutz der Deiche eingesetzt, auch am Wasser schlugen Wölfe schon zu.

Inwiefern sind Wölfe geschützt?

Das ist unter anderem in der EU über die sogenannte Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geregelt. Der Wolf gehört zu den streng geschützten Anhang-IV-Arten. Er darf deshalb in Deutschland nicht gestört, gefangen oder getötet werden. Ausnahmen kann es für "Problemwölfe" geben, wenn sie Herden reißen oder dem Menschen zu nahe kommen - sie dürfen abgeschreckt oder "entnommen", sprich getötet werden. Wölfe sind auch durch das Washingtoner Artenschutzabkommen sowie die Berner Konvention geschützt.

Was wünschen sich die Schäfer von der Politik?

Berufsschäfer fordern vor allem finanzielle Unterstützung - auch unabhängig von gerissenen Schafen in ihren Herden. Der Wolf stehe so im Fokus, weil die wirtschaftliche Lage der Schäfer prekär sei, sagte Schenk vor dem Umweltausschuss. "Wir sind schon lange dabei, unterzugehen." Die Schafhaltung gehe auch da zurück, wo es keine Wölfe gebe. Die Schäfer fordern eine Weidetierprämie vom Bund, die bis zu 40 Millionen Euro pro Jahr koste. Außerdem sollte ein "Kompetenzzentrum Herdenschutz" auf Bundesebene eingerichtet werden. "Wir müssen aufhören, frei nach Schnauze zu arbeiten", forderte Schenk.

Was sagen die Jäger zu dem Thema?

Andreas Schenk (rechts) vom Bundesverband der Berufsschäfer sprach vor dem Ausschuss.
Andreas Schenk (rechts) vom Bundesverband der Berufsschäfer sprach vor dem Ausschuss.(Foto: imago/Christian Ditsch)

Ganz einig sind sie sich nicht. Der Deutsche Jagdverband will den Wolf in das Bundesjagdgesetz aufnehmen - was nicht heißt, dass er gejagt wird: "Die meisten Tiere im Jagdrecht genießen ganzjährige Schonzeit", sagt Helmut Dammann-Tamke vom DJV. Die Jäger wollen erster Ansprechpartner sein und lehnen die Idee spezieller "Fang- und Entnahmetrupps" für Wölfe ab. Sie betonen, dass Wölfe sich stark vermehren, wodurch weniger die Wolfsdichte, aber ihre Ausbreitung schnell zunehmen werde. Hohe Zäune überall in der Landschaft könnten nicht die Lösung sein. "Akzeptanz wird man nur erreichen, wenn man dem Wolf klar macht, halte dich fern vom Menschen und seinen Nutztieren", sagt Dammann-Tamke.

Dagegen lehnt der Bayerische Jagdverband die Übernahme des Wolfes in das Jagdrecht ab, wie auch der Ökologische Jagdverein Brandenburg. "Unser Verein versteht vollkommen die Problemlage, warnt aber eindringlich davor, den Wolf als alleinigen Grund für die ökonomischen Schwierigkeiten zu brandmarken", erklärte der ÖJV im vergangenen Jahr.

Was hat die Bundesregierung geplant?

SPD und Union wollen die EU auffordern, den Schutzstatus des Wolfs zu überprüfen, "um die notwendige Bestandsreduktion herbeiführen zu können", heißt es im Koalitionsvertrag. Zudem wollen Bund und Länder einen Kriterienkatalog zur "letalen Entnahme" von Wölfen entwickeln - die Umschreibung fürs Abschießen hat der Koalition Spott eingebracht.

Welche Vorschläge gibt es im Bundestag?

Die vier Oppositionen setzen in ihren Anträgen unterschiedliche Schwerpunkte: Die Grünen fordern, die Wiederansiedlung des Wolfs etwa durch zusammenhängende Lebensräume zu unterstützen und unterstützen die Forderung nach einer Weidetierprämie. Auch die Linke ist für die Prämie und einen einheitlichen Anspruch auf Entschädigungen. Die FDP will den Wolf ins Bundesjagdrecht aufnehmen, einen etwas geringeren Schutzstatus für Wölfe in der EU und mehr Geld für Geschädigte. Die AfD will verstärkt feststellen, ob Tiere wirklich Wölfe sind oder Mischlinge, die nicht geschützt sind. Außerdem sollen die Bedingungen für die Einstufung als "problematisch" verringert und eine regionale Obergrenze für Wölfe eingeführt werden.

Quelle: n-tv.de