"Objektivität abgetreten"Schah-Sohn Pahlavi rügt europäische Medien nach Berlin-Besuch

Während das iranische Regime die Weltwirtschaft an der Straße von Hormus in einer Art Schwitzkasten hält, besucht der iranische Exil-Oppositionelle Reza Pahlavi Europa. Im Nachgang wirft er Pressevertretern vor, die falschen Fragen zu stellen.
Der Exil-Oppositionelle Reza Pahlavi zeigt sich nach seinen Besuchen in Stockholm und Berlin schwer enttäuscht von der Presselandschaft und wirft europäischen Medienvertretern das "Unterdrücken der Stimmen" (engl. Silencing) der Iraner vor. Bei Pressekonferenzen in den Hauptstädten Schwedens und Deutschlands sei ihm keine einzige Frage über die Tausenden Iranerinnen und Iraner gestellt worden, die im Januar im Iran vom Regime "abgeschlachtet" worden seien. Auch sei er nicht zu erst kürzlich erfolgten Exekutionen politischer Gefangener durch das Mullah-Regime befragt worden, so seine Wahrnehmung.
"Hier im Herzen eines Kontinents, der behauptet, für Menschenrechte, Gerechtigkeit und Würde zu stehen, haben die Journalisten ihre Verantwortungen von Berufswegen und auch ihre moralische Objektivität voll abgetreten", sagt er. Mehr als an Kritik am Regime im Iran seien sie daran interessiert, die USA und Israel zu kritisieren und zu fragen, warum die beiden Länder einen "Diktator" getötet hätten, der, wie Pahlavi ausführt, das iranische Volk 47 Jahre lang "abgeschlachtet" hat.
Während Pahlavi als Sohn des letzten Schahs attestiert wird, im Iran selbst keine allzu breite Anhängerschaft zu haben, ist er insbesondere für Exil-Iraner ein Symbol für einen möglichen Übergang. Pahlavi lebt seit Jahrzehnten im Exil, hatte gar vor der Islamischen Revolution 1979 das Land verlassen. Seine Rolle als Oppositioneller wird bisweilen von der Vergangenheit seiner Familie überschattet, die als Dynastie einige Jahrzehnte autoritär im Iran herrschte. Unterstützung bekommt er etwa von Iranerinnen und Iranern, die säkular ausgerichtet sind oder mit dem Sturz der Pahlavis das Land verlassen hatten.
Einstündiger Auftritt
Pahlavi zeigt sich in seinem Beitrag auf X nun auch enttäuscht von einem Abgeordneten, der ihm im Gespräch gesagt habe, man glaube, dass die Iranerinnen und Iraner noch nicht bereit für Demokratie seien. Damit knüpft er an die Kritik an Medien und Politik an, die er bereits in Berlin geübt hatte. Während nicht verifiziert werden kann, ob Pahlavis Wiedergabe des Gesprächsinhalts stimmt, ist sein Auftritt vor der Bundespressekonferenz in Berlin abrufbar. Pahlavis eigene Ausführungen zu Beginn dauern rund zwanzig Minuten, in denen setzt er seinen eigenen Fokus, anschließend folgt eine rund vierzig-minütige Fragerunde, die sich jeder anschauen kann.
Insgesamt hatte Pahlavi in Berlin zum Sturz der iranischen Führung aufgerufen und von den Europäern eine entschlossenere Haltung gegenüber Teheran gefordert. "Wenn Sie glauben, Sie könnten mit diesem Regime Frieden schließen, irren Sie sich gewaltig", sagte der 65-Jährige in Berlin. "Es wird niemals Stabilität geben, wenn auch nur eine abgeschwächte Version dieses Systems überlebt."
In seinem jüngsten X-Beitrag richtet Pahlavi auch nochmal den Blick nach vorne und betont: "Selbst wenn wir es alleine tun müssen, wir werden kämpfen, bis der Iran frei ist", so Pahlavi.