Politik

Nach Bluttat in Rot am See Schützenbund gegen schärferes Waffenrecht

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Der 26-jährige mutmaßliche Täter soll über eine Waffenbesitzkarte verfügen.

(Foto: picture alliance/dpa)

In Baden-Württemberg werden sechs Menschen mutmaßlich von einem Sportschützen erschossen. Der Deutsche Schützenbund sieht nach der Tat keinen Anlass, das Waffenrecht zu ändern. Die derzeitigen Kontrollen seien ausreichend, so der Verband.

Nach dem Verbrechen in Rot am See mit sechs Toten befürchtet der Deutsche Schützenbund (DSB) in Wiesbaden eine erneute Debatte um ein schärferes Waffenrecht. "Wenn mit einer legalen Waffe so etwas passiert, ist immer die Diskussion da, wie man die Schraube noch weiter anziehen kann", sagte Walter Wolpert, DSB-Vizepräsident für den Bereich Recht. Dabei habe Deutschland schon eines der strengsten Waffengesetze der Welt, das zudem gerade erst verschärft worden sei.

Die Polizei hatte in Baden-Württemberg einen 26-jährigen Sportschützen festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, am Freitag seine Eltern, seine Stiefgeschwister sowie seinen Onkel und seine Tante erschossen zu haben. Zudem soll er zwei Verwandte verletzt haben. Ein angeschossener 68-Jähriger schwebt weiter in Lebensgefahr. Eine 64-Jährige, möglicherweise die Ehefrau des Schwerstverletzten, wird wegen leichterer Schussverletzungen im Krankenhaus versorgt. Das Motiv für die Tat ist noch unklar. Der 26 Jahre alte Deutsche hatte laut Ermittlern eine Waffenbesitzkarte und soll eine halbautomatische Waffe benutzt haben. Am Nachmittag verhängte der zuständige Ermittlungsrichter Untersuchungshaft gegen den 26-Jährigen.

"Solche Taten kann man mit Waffengesetzen nicht verhindern", so DSB-Vizepräsident Wolpert. Es gebe genug Kontrollen für Sportschützen: Diese müssten mindestens ein Jahr Vereinsmitglied sein, würden von den Vereinsvorsitzenden überprüft. Erst dann dürften sie eine Waffenbesitzkarte beantragen. Ob diese erteilt werde, entscheide das Ordnungsamt nach Zuverlässigkeitsprüfung, bei der das polizeiliche Führungszeugnis und das Register der Staatsanwaltschaft berücksichtigt würden. Wer unter 25 Jahre sei und eine Großkaliberwaffe haben wolle, werde zudem psychologisch begutachtet.

Auch Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl von der CDU riet angesichts erster Forderungen nach einem schärferen Waffenrecht zu Besonnenheit. "Das Waffenrecht ist vom Bundesgesetzgeber erst vor kurzem geändert, es ist verschärft worden", sagte er am Freitagabend am Rande der CDU-Klausur in Schöntal. "Man muss sich jetzt ganz genau, sorgfältig und sorgsam anschauen, ob und wie man hier möglicherweise noch nacharbeiten muss."

Quelle: ntv.de, jpe/dpa